Die Willicher FDP will sich bis zu den Kommunalwahlen 2020 deutlich verjüngen

Das RP-Sommergespräch : Verkehr ist ein ungelöstes Problem

Die Willicher FDP will sich bis zu den Kommunalwahlen 2020 deutlich verjüngen und wieder einen eigenen Bürgermeister-Kandidaten ins Rennen schicken. Schwerpunktthemen sollen Wohnen, Leben und Verkehr sein.

Bis zur nächsten Kommunalwahl dauert es zwar noch rund zwei Jahre, doch für Hans-Joachim Donath und Christoph Maethner, Fraktionsvorsitzender beziehungsweise Parteivorsitzender der Willicher FDP, steht jetzt schon fest: „Die Zusammensetzung der liberalen Ratsmitglieder wird eine andere sein als heute.“ Man müsse und werde sich deutlich verjüngen, weswegen die Liberalen jüngst einige ältere gegen junge Mitglieder ab Anfang 20 als Sachkundige Bürger in den Ausschüssen ausgetauscht haben. „Wir haben alle den Willen, jungen Parteimitgliedern die Möglichkeit zu eröffnen, in den Rat einzuziehen. Man muss ihnen schließlich eine Perspektive bieten, wenn man sie halten möchte“, sagt Donath.

Ob er selbst nach seinem Achtungserfolg im Jahr 2014 (er holte 33 Prozent der Stimmen gegen Amtsinhaber Josef Heyes von der CDU) für seine Partei noch mal als Bürgermeisterkandidat antreten wird, lässt Donath indes offen. Wer der Kandidat der Liberalen wird, werde erst ein Jahr vor der Wahl entschieden. Dass es einen FDP-Kandidaten geben wird, steht für Maethner und Donath allerdings schon fest. „Es wird auf jeden Fall einer der bekannten FDP-Politiker der Stadt sein“, sagt Donath. Geeignete Kandidaten gebe es jedenfalls mehrere, einen liberalen Bürgermeisterkandidaten von außen zu holen, sei keine Option.

Politisch spannend zugehen dürfte es sicher, denn nach dem Verlust der absoluten Mehrheit der CDU im Willicher Stadtrat im Jahr 2014 hat sich viel getan. Zunächst spalteten sich Ende 2017 drei SPD-Fraktionsmitglieder ab und gründeten „Für Willich“, wenig später gaben CDU und Grüne eine strategische Zusammenarbeit bekannt. Während Ersteres bei den Liberalen durchaus auf Wohlwollen stößt (Donath: „Wettbewerb ist gesund.“), stößt die schwarz-grüne Allianz auf wenig Gegenliebe: „Sie ist aus der Not geboren, weil die CDU einen Mehrheitsbeschaffer sucht“, sagt Donath. Die Grünen würden profitieren, weil sie ihren Fraktionsvorsitzenden Raimund Berg gern als Nachfolger des Kämmerers Willy Kerbusch sehen würden. Maethner: „Was sonst erklärt die plötzliche Zusammenarbeit?“

Kritisch auseinandersetzen müsse man sich im nächsten Kommunalwahlkampf auch mit der AfD: „Sie ist inzwischen politische Realität“, so Maethner. „Es hilft nichts, die AfD auszugrenzen, sie totzuschweigen oder zu dämonisieren. Wenn mehr als zehn Prozent der Wähler aus allen politischen Lagern ihr ihre Stimme geben, hat sie eine Daseinsberechtigung, und wir müssen uns kritisch fragen, was wir falsch gemacht haben“, ergänzt Donath. Er jedenfalls hätte Spaß an einer Auseinandersetzung mit der AfD im Wahlkampf.

Bei der Kommunalwahl wird es um lokale Themen gehen, und dort wollen die Liberalen ihren Schwerpunkt auf den Gleichklang „Wohnen, leben und Verkehr“ setzen. Denn was Planungen und ganzheitliche Betrachtung angeht, läuft für Donath und Maethner in Willich einiges gründlich schied. Ein Beispiel: Die Ausweisung neuer Wohngebiete, obwohl die Verkehrsprobleme vor allem in Schiefbahn, Neersen und Alt-Willich noch längst nicht gelöst seien. Deswegen will sich auch die FDP für den Ausbau der Regiobahn vom Kaarster See zumindest bis Schiefbahn starkmachen. Inzwischen müsse man allerdings ohne Mönchengladbach planen und eine Ausweichstrecke suchen, da die Gladbacher sich weiter querstellen. „Immer, wenn ich mit jungen Leuten spreche, ist ihnen eine gute Nahverkehrsanbindung an Düsseldorf wichtig“, sagt Maethner, und Donath fügt ein weiteres Infrastrukturdefizit Willichs hinzu: „Wir haben in allen vier Stadtteilen nicht ausreichend Wohnraum zwischen 40 und 60 Quadratmeter für junge Singles oder Paare.“ Um junge Menschen in Willich zu halten, brauche es allerdings dringend ein entsprechendes Angebot. Fazit: „Nicht jeder kann sich ein Auto leisten, und nicht jeder kann es sich finanziell erlauben, in Düsseldorf zu wohnen.“

Möglichkeiten, für diese, aber auch für die ältere Klientel Wohnraum zu schaffen, wird es in den nächsten Jahren vor allem in Alt-Willich geben, wo auf dem Brauerei-Areal und auf der Fläche des ehemaligen Katharinen-Hospitals neue Bauprojekte entstehen werden. Die jüngst vorgestellten ersten Entwürfe sehen die Liberalen grundsätzlich positiv, wenngleich sie sich auf dem Hospital-Gelände mehr Flächen für Geschäfte wünschen würden. „Nur zwei oder drei Läden werden sich dort nicht halten. Ganz oder gar nicht“, sagt Hans-Joachim Donath. Weiterhin unglücklich sind die Liberalen mit der Entscheidung, den Marktplatz für den Autoverkehr zu schließen. „Aber wir respektieren den Bürgerwillen und werden den Prozess konstruktiv begleiten, um die Schließung für den Handel und die Gastronomie so verträglich wie möglich zu gestalten“, sagt Donath. Allerdings müsse nun endlich ein ganzheitliches Verkehrskonzept für Alt-Willich umgesetzt werden.

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