Die Stadt Willich verstärkt ihre Stichproben, ob die Restabfallbehälter korrekt befüllt sind

Willich : Mülltonnen nicht zu voll packen

Die Stadt Willich verstärkt ihre Stichproben, ob die Restabfallbehälter korrekt befüllt sind und ob die Zahl der Personen im Haushalt zum Volumen der Tonne passt.

Ein wenig erstaunt waren Sabine und Eckhard Röttger schon, als sie ein Schreiben von der Stadt Willich erhielten, in dem es sich um den Restabfallbehälter ihres Haushaltes geht. In dem wurde von einem „turnusmäßigen Abgleich zwischen dem Datenbestand in der Abfallwirtschaft und von Meldedaten“ gesprochen. Fazit: Die schwarze Restmülltonne wird von bislang 80 Liter in der 14-täglichen Leerung auf 80 Liter im wöchentlichen Rhythmus umgestellt. Statt bisher 80 Liter Volumen Müll handelt es sich nun um 160 Liter alle zwei Wochen. Der Hintergrund: Die Familie ist von ehemals zwei Personen dank der beiden Kinder auf vier gewachsen. So viel Müll verursachen die Kleinen aber gar nicht.

„Wir rechnen pro Person und Woche mit einem Gefäßvolumen von 20 Liter, für das Müll anfallen kann. Das heißt: Bei vier Personen handelt es sich um ein Volumen von 160 Liter. Entsprechend reicht die 80-Liter-Tonne laut unseren Berechnungen, die auf Erfahrungswerten beruhen, in der 14-täglichen Leerung nicht mehr aus“, erklärt Bernd Kuhlen. Dabei betont der Leiter der Gemeinschaftsbetriebe Willich, dass 20 Liter Volumen nicht mit einer Abfallmenge von 20 Litern gleichzusetzen sind: Die Mülltonnen sind für eine Dreiviertel-Befüllung vorgesehen. Die restliche Menge in der Tonne ist quasi eine Zusatzmenge, die genutzt werden kann, wenn zum Beispiel durch eine Feier oder eine Aufräumaktion mal mehr Müll anfällt. Aber genau das ist vielen Bürger nicht bewusst – sie gehen von vollen Tonnen aus, die manchmal sogar so gefüllt sind, dass die Deckel gar nicht mehr zu schließen sind. Und wenn das regelmäßig vorkommt, handelt es sich um Müllmengen, für die sie gar nicht die entsprechenden Gebühren zahlen.

Auch bei den Röttgers herrschte Aufregung, als das städtische Schreiben eintraf. „Wir machen weniger als 20 Liter Müll pro Woche und Person. Daher brauchen wir keine größere Tonne“, sagt Sabine Röttger. Die Anrather Familie nutzte dann letztendlich den Antrag auf Reduzierung, den die Stadt den Bürgern in einem gewissen Umfang anbietet, wenn ein schriftlicher Antrag mit logischen Begründungen gestellt wird. Statt einem vorgesehenen 160-Liter-Gefäß wurde die ehemalige 80-Liter-Tonne jetzt gegen eine 120-Liter-Variante ausgetauscht, wobei auch hier die Leerung alle 14 Tage erfolgt. Die Mehrkosten liegen nun pro Jahr bei 41,27 Euro.

„Unserer Satzung sieht das 20-Liter-Volumen pro Kopf und Woche vor. Aber laut dem Verwaltungsgericht müssen wir dazu kleinere Gefäße anbieten, um im Einzelfall den Bürgern in ihren Bemühungen um Abfallvermeidung und -reduzierung zu entsprechen“, erläutert Kuhlen. Aus der 80-Liter-Tonne kann so eine 60-Liter-Variante werden. 120 Liter können auf 80 Liter zurückgehen, und die 160 Liter auf 120 Liter. Wobei bei den Bürgern, die Anträge auf Reduzierungen stellen und denen zugestimmt wird, des Öfteren Kontrollen erfolgen, um zu sehen, ob die Mülltonnen mit dem kleineren Volumen auch ordnungsgemäß befüllt werden. Generell erfolgen die Stichproben „Personenanzahl pro Haushalt“ und „Restmülltonnenvolumen“ jetzt häufiger. „Jedes Abfall-System hat Vor- und Nachteile. Auch die Messungen mit Chip in anderen Städten und Gemeinden sind nicht hundertprozentig gerecht mit Blick auf den einzelnen Müllverursacher. Packt hier ein Nachbar Müll in die Tonne, zahlt der andere mehr“, sagt Ute Cöhnen, die Abteilungsleiterin Operative Abfallwirtschaft.

Bei der Berechnung der Müllgebühren schlagen die blauen Tonnen indes positiv zu Buche. Die Einnahmen, die damit in der Stadt Willich erzielt werden, kommen den Bürgern in der Gesamtberechnung der Müllgebühren wieder zugute. Das Plus wird nämlich auf alle umgelegt.

Wer doch einmal außer der Reihe mehr Müll produziert, kann auf die Restabfallsäcke zurückgreifen. Diese sind für 2,49 Euro erhältlich. Neben denen für die sogenannten Überhangabfälle gibt es auch den zusätzlichen Bioabfallsack für 1,91 Euro. Nicht zu vergessen ist neben der Sperrmüllabfahrt der Wertstoffhof, wo unter anderem Altkleider, Hohlglas, Elektrogeräte, Korken, CDs und DVDs kostenfrei abgegeben werden können. Für Bauschutt, Altreifen, Autobatterien und Co. wird eine geringe Gebühr fällig. Trotz aller Möglichkeiten, seinen Müll ordnungsgemäß zu entsorgen, steigt die illegale Müllentsorgung in Willich, was wiederum zu erhöhten Reinigungskosten führt.

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