Das RP-Sommergespräch: Die SPD sieht sich gut aufgestellt

Das RP-Sommergespräch : Die SPD sieht sich gut aufgestellt

Nach Personalquerelen will sich die Willicher SPD wieder den Sachthemen widmen. Baugenehmigungen dürften nicht mehr so lange dauern, ein Ambulatorium müsse her, und im Kita- und OGS-Bereich müsse man schneller reagieren.

Für die SPD lief es schon mal besser – im Bund, im Land, aber auch in Willich. Fuhr die SPD bei den Kommunalwahlen 2014 noch ein Plus von sieben Prozentpunkten ein und freute sich, den zweiten stellvertretenden Bürgermeister stellen zu können, überschlugen sich Ende 2017 die Ereignisse: Zunächst legte Markus Gather sein Amt als stellvertretender Bürgermeister nieder und trat aus der SPD-Fraktion aus, wenig später gründeten die SPD-Ratsmitglieder Theresa Stoll, Martin Dorgarthen und Detlef Nicola die Fraktion „Für Willich“. Allen „Abtrünnigen“ gemein: Sie warfen der Partei- und Fraktionsführung autoritären Führungsstil vor, der jungen Leuten keinen Raum lasse. „Es gab für kurze Zeit viele Gespräche über das Personal, aber jetzt sind wir gut aufgestellt und kümmern uns um die Sachthemen“, sagt der Willicher SPD-Parteivorsitzende Dietmar Winkels. „Wir haben den Weg Richtung Verjüngung eingeschlagen.“

Wohl im Oktober soll der 27-jährige Lukas Maaßen zum neuen Vorsitzenden gewählt werden, mit Lore Wittkopp, Hendrik Pempelfort, Johannes Hafermann, Christian Gosselk und anderen gebe es weitere junge, engagierte Nachwuchskräfte, so Winkels, der Anfang des Jahres das Amt des stellvertretenden Bürgermeisters von Markus Gather übernommen hat und sich vorstellen kann, dieses auch über 2020 hinaus zu bekleiden. Der Fraktionsvorsitzende Bernd-Dieter Röhrscheid (71) will sich 2020 hingegen „nach dann 36 Jahren“ aus der Politik zurückziehen. Noch nicht entschieden hat die SPD, ob sie einen Bürgermeister-Kandidaten ins Rennen schicken wird. „Dazu ist es noch zu früh“, sagt Röhrscheid. Entscheidend werde auch sein, ob Amtsinhaber Josef Heyes und Hans-Joachim Donath (FDP) noch einmal antreten und ob die Grünen einen Kandidaten aufstellen.

Dass die Partei zur Sacharbeit zurückgekehrt ist, zeigt sich für Winkels auch dadurch, dass sie seit einigen Wochen wieder donnerstags auf dem Wochenmarkt in Willich vertreten ist: „Da hört man, was den Bürger bewegt – ob Breitbandausbau, Sauberkeit der Stadt oder die Verkehrssituation.“ Oft seien es Kleinigkeiten wie eine Sitzbank oder ein abgesenkter Bordstein, um die sich die SPD kümmere und wofür sie von anderen Fraktionen belächelt werde, „aber das sind nun mal auch Dinge, die die Bürger beschäftigen“, so Winkels.

Daneben gehe es aber auch um grundsätzliche Fragen – beispielsweise die Nachfolge der Technischen Beigeordneten Martina Stall, die im kommenden Jahr in den Ruhestand geht, und die des Ersten Beigeordneten und Kämmerers Willy Kerbusch, der 2021 ausscheidet. „Wichtig ist, dass es eine Bestenauswahl gibt, und das scheint nun Gott sei Dank der Fall zu sein“, sagt Röhrscheid mit Blick auf die strategische Zusammenarbeit der CDU mit den Grünen, die für viele anfangs den Zweck zu haben schien, sich gegenseitig Posten zu sichern.

Im Technischen Dezernat gibt es laut SPD die größten Herausforderungen: Baugenehmigungsverfahren dürften nicht weiterhin so lange dauern wie derzeit, betont Röhrscheid. Dafür brauche es mehr Personal. Ein weiteres Thema: Verkehr und Infrastruktur. Das fange bei der Erweiterung der Gewerbegebiete Münchheide an. „Wo wohnen die zusätzlichen Arbeitnehmer? Welche verkehrlichen Konsequenzen ergeben sich daraus?“ Solche Fragen will Röhrscheid künftig frühzeitig geklärt wissen, um Fehler wie in Wekeln zu vermeiden. Von dort und zurück nutzen viele Autofahrer Anlieger- und Feldwege nach Niederheide. „Wir sind die einzige Partei, die klar Stellung bezogen und klar gesagt hat, dass wir gegen eine neue Straße durch ein Landschaftsschutzgebiet und für die Abpollerung sind“, sagt Röhrscheid. Ebenso klar sei für die SPD, dass die dem Neubaugebiet Fontanestraße in Schiefbahn nicht zustimmen werde, solange die Frage der Erschließung nicht zufriedenstellend geklärt sei. Das gelte auch für das Neubaugebiet Reinershof.

Unverständlich ist es für Winkels und Reiners, dass ihr Antrag, den Alleenradweg zu beleuchten, von den anderen Fraktionen verzögert werde, obwohl die Stadtwerke sich an den Kosten beteiligen wollen. Würde der Radweg beleuchtet, führen auch in den dunklen Monaten mehr Kinder mit dem Fahrrad zur Schule, was zu weniger Autoverkehr führe. Ebenso sei der Öffentliche Nahverkehr eine wichtige Alternative, weswegen die Verlängerung der Regiobahn über Kaarst hinaus bis Viersen über Schiefbahn und Neersen endlich vorangetrieben werden müsse – und zwar weiterhin mit Mönchengladbach. Aber dafür müsse sich Willichs Vertreter im VRR, namentlich Guido Görtz (CDU), auch für Gladbacher Belange einsetzen. Denn eine Streckenführung, die nicht über Mönchengladbacher Gebiet führe, sei finanziell nicht realistisch. „Wir müssen überregional zusammenarbeiten“, sagt Röhrscheid.

Die Liste der Sachthemen, derer sich die SPD widmen wolle, sei lang. Im Kindergarten und OGS-Bereich müsse frühzeitiger und flexibler auf steigenden Bedarf reagiert werden, und Willich brauche geeigneten, günstigen Wohnraum für ältere, alleinstehende Menschen, aber auch für junge Singles und Familien. Für die SPD bietet sich hierfür vor allem das Katharinen-Hospital-Gelände an. Und genau dort könne man auch ein „Ambulatorium“ ansiedeln, dessen Realisierung im Stahlwerk Becker gescheitert ist. „Willich braucht jedenfalls wieder einen zentralen Anlaufpunkt für die medizinische Erstversorgung“, sind sich Röhrscheid und Winkels einig.

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