Stadt Willich: Die Schunkeltemperatur war optimal

Stadt Willich : Die Schunkeltemperatur war optimal

Nicht nur auf Anraths Straßen bewegten sich gestern beim Tulpensonntagszug die Narren. Auch an den Rändern feierten die Karnevalisten fröhlich mit und freuten sich an den tollen Kostümen.

Es hätte nicht besser sein können: Optimale Marschier-, Schunkel- und Trink-Temperaturen herrschten, als gestern der närrische Lindwurm der Aach Blenge durch Anrath zog. Schon lange, bevor es um 13.11 Uhr so richtig losging, hatten sich die kostümierten Narren von überall her mit ihren Bagagewagen auf den Weg gemacht.

Als Vogelscheuchen, Kängurus oder Hexen hatte sich jeder das für ihn passende Kostüm übergezogen. Auch der fünfjährige Fin zeigte stolz seinen Feuerwehrhelm. Im blau-gelben Ornat durfte natürlich das Stadtprinzenpaar Wolfgang I. und Sabine II. nicht fehlen. "Es ist ein Traum", sagte die Prinzessin, als sie die vielen Beobachter vor allem im Zentrum sah.

Ebenfalls mit einem Schiff waren diese Narren nach Anrath gekommen. Foto: Kaiser, Wolfgang (wka)

Und Sabine sah mit ihrem Prinzgemahl viele bekannte Gesichter. So erinnerte sich ihre Gesellschaft Edelweiß an das Gründungsjahr 1914 und hatten sich etwa 35 Vereinsmitglieder historische Gewänder aus dieser Zeit übergezogen. Bordeauxfarbene Kleider für die Damen, Frack und Zylinder für die Herren. Mehr als 30 Kapellen, Fußgruppen und Motivwagen waren unterwegs. Die Aach Blenge selbst, als Mönche und Nonnen verkleidet, hatten das mobile Katharinen-Stift mitgebracht, das gleich multifunktional genutzt werden konnte. Ralf Fassbender erklärte: "Zur Not vermieten wir das Hospital auch als Saal oder Kirche."

Auch die Schiefbahner Torfmöps erinnerten an die Einschränkungen in den Sälen, aber auch am Ballermann. Sie appellierten für mehr Freizügigkeit, weniger Beschwerden und stellten als ihren König vom Ballermann Jörg Kalipke vor.

Auch wilde Wickinger ziehen samt Schiff durch Anraths Straßen. Foto: Kaiser, Wolfgang (wka)

Inmitten von Saloon-Girls frechen Pumuckls, Super-Helden, Saunafreunden oder Doesköppen fühlte sich der Freundeskreis der "Unverwüstlichen" mit Markus Limbach in seiner Disney-Welt wohl. Neben Mickey Maus, Goofy oder den Shreks hatten sich auch die Schöne und das Biest, Jaqueline und Christopher, lieb. Genauso wie Jörg und Sonja Küppers. Das Paar ist seit über zehn Jahren verheiratet, war gestern bei den "11er Jecken" als wandelnde Roulette-Tische auf der Strecke. Auch Jörg hatte Anrath liebgewonnen: "Eigentlich bin ich nämlich ein Zugereister, ich stamme aus Kaldenkirchen."

Ein Heimspiel hatten die schönen und bunten Plapperschnäbel eines Stammtisches ebenso wie die Katholische Landjugend. "Wir baggern immer noch", stand an ihrem Wagen mit Bob, dem Baumeister. Dabei waren eigentlich die Baustellen in Anrath endlich vorbei, das Anbaggern aber natürlich nicht.

"Bei uns in Osterath gibt es keinen Zug, darum machen wir seit sechs Jahren hier mit", sagte die Meerbuscherin Sabine Dmuschewski. 16 Männer und Frauen von "Bine & Co" verkleideten sich als Piraten. Ebenso wie viele Viktoria-Fußballer; Wilhelm Reiners hatte mit seinem Team ein prächtiges Piratenschiff gebaut.

Anrath rüstet auf: Eine eingeschworene Clique bot sich als Security-Dienst für besondere Fälle an. Und aus dem Präsidenten der St. Sebastianus Bruderschaft, Lupo Lüpertz, war gestern im Ensemble seiner Saunafreunde die Comicfigur Superman geworden. Hinterher wurde an den vielen Tränken draußen oder in den Gaststätten weitergefeiert.

(wsc)