Die Rettungswache soll einem Gutachten zufolge von Anrath nach Vorst verlegt werden.

Diskussion im Stadtrat: Rettungswache: Viele Fragen weiter offen

Die Verlegung des Standorts von Anrath nach Vorst war Thema im Willicher Stadtrat. Die Politik löcherte den Gutachter mit Fragen.

Wie soll das Rettungswesen im Kreis Viersen zukünftig aufgebaut sein, um den Vorschriften zu entsprechen? Diese Frage bewegt derzeit Politik und Verwaltung auf Kreis- und kommunaler Ebene – jetzt auch im Rat der Stadt Willich. Die Firma Forplan Dr. Schmiedel GmbH hat im Auftrag des Kreises Viersen ein Gutachten erstellt. Es analysiert die Ist-Situation, führt – teils deutliche – Defizite im Rettungswesen auf und zeigt ein „Soll-Konzept“ gemäß den Richtlinien zu den vorgegebenen „Hilfsfristen“ und zur Herstellung einer „Bedarfsgerechtigkeit“ sowie der Frage der Refinanzierbarkeit über die Krankenkassen, führte Gutachter Holger Berendt in der Ratssitzung aus. Auswirkungen auf Willich hat ein Punkt: Der Gutachter hat festgestellt, dass Bereiche von St. Tönis nicht in der maximal zulässigen Zeit von acht Minuten (städtischer Raum) erreicht werden können. Sein Lösungsvorschlag, den derzeit in Anrath in der neu gebauten Wache stationierten Rettungswagen an einen neu zu bauenden Standort in Vorst zu verlagern, kritisieren Politik und Verwaltung in Willich.

Das Gutachten wurde in der Ratssitzung mehr als drei Stunden lang diskutiert. Behrend und der zuständige Dezernent des Kreises, Thomas Heil, waren zur Erläuterung in die Kulturhalle gekommen. Sie versuchten, die fachlichen Untersuchungen und Argumente für die Verlagerung zu erklären. Der Kreis sei in der rechtlichen Verantwortung dafür, den Rettungsdienst so zu organisieren, dass die Bürger im gesamten Kreisgebiet in den vorgeschriebenen Hilfsfristen erreicht werden können, so Heil – auch wenn die Rettungswachen von den Kommunen getragen werden. Die Willicher Politik und Verwaltung kritisierten dagegen, dass durch die Verlagerung die Bevölkerung in Anrath und Neersen schlechter gestellt werde als bislang, weil sich die Anfahrtszeiten verlängern. Hierzu haben die Willicher Rettungskräfte Probefahrten und Zeitmessungen durchgeführt. Sie monieren, dass das Gutachten wichtige Punkte nicht ausreichend berücksichtige. Dazu gehört, dass Anrath im Gutachten weiterhin als „ländlicher Raum“ – mit maximaler Hilfsfrist von zwölf Minuten – gewertet wird. Dagegen argumentiert Willich, dass die Bevölkerungsdichte in Anrath so hoch ist, dass es als „städtischer Raum“ zu bewerten ist. Heil argumentierte, dass noch im Bedarfsplan 2017 Anrath als „ländlicher Raum“ definiert worden sei – mit dieser Angabe habe der Gutachter gearbeitet. Dazu meinte Raimund Berg (Grüne), er hätte erwartet, dass ein Gutachter erkenne, dass diese Bewertung falsch sei, und das auch entsprechend formuliere. Sein Partei-Kollege Hagen Becker sprach von einem „dilettantischen Gutachten“ und fragte, ob sich der Gutachter der strafrechtlichen Relevanz seiner Arbeit bewusst sei, wenn Menschen zu Schaden kämen. Auf wenig Verständnis stieß, dass der Gutachter erst in der Ratssitzung feststellte, dass im Gutachten ein Diagramm zur Berücksichtigung der Autobahn-Situation fehlte – wobei er ausführte, das ändere am Ergebnis nichts.

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Die Willicher Beigeordnete Brigitte Schwerdtfeger hatte für die Ratssitzung einen umfangreichen Fragenkatalog vorbereitet – in Summe biete das Gutachten „eine De-facto-Verschlechterung, die wir der Bevölkerung nicht verkaufen können“, führte sie aus. Dieter Lambertz (CDU) kritisierte das Antwort-Verhalten der beiden Gäste und meinte: „Hier werden Fragen gestellt, die nicht beantwortet werden.“ Auch Bernd-Dieter Röhrscheidt (SPD) meinte zusammenfassend: „Der Graben ist größer geworden. Der Rettungsbedarfsplan ist ein klarer Fall von schlechtem Management des Kreises.“ Auch die FDP und die Fraktion „Für Willich“ waren unzufrieden.

Das Fazit der Diskussion: Die Fragen der Stadt Willich stehen weiter im Raum. Dazu bleiben Informationen von Dezernent Thomas Heil: Weitere Gespräche zwischen Kreis und Kommunen sollen im August kommen. „Wir wollen den Wachen-Standort Anrath nicht schließen oder abreißen, sondern überlegen, wie er zu nutzen ist“, so Heil. Letztlich müsse der Kreis mit den Kommunen ein Einvernehmen über den Rettungsbedarfsplan herstellen.

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