Die Politik diskutierte über die Verbindung von Wekeln nach Niederheide über die Straße Klein Kempen

Verkehr in Willich : Wird Klein Kempen „abgepollert“?

Viele Autofahrer nutzen die Anliegerstraße illegal. Die Politik beriet jetzt über eine Sperrung und Alternativen wie eine neue Straße.

Nun dürfte nach der gut acht Millionen teuren Schiefbahner Nordumgehung auch die kleine Lösung über die derzeitigen Anlieger- und Wirtschaftswege im Bereich Klein Kempen und Klappthor von Wekeln nach Niederheide und umgekehrt vom Tisch sein. Außer der SPD wollte das in der jüngsten Sitzung des Willicher Planungsausschusses zwar niemand so deutlich sagen. Aber Karl-Heinz Koch (FDP) fasste die Diskussion angesichts der zahlreich erschienenen betroffenen Anwohner am Ende des Tagesordnungspunktes so zusammen.

Alte Postraße Alte Landstraße Niederheide. Foto: Marc Schütz

Schon vorher hatte Sascha Faßbender (CDU) gesagt: „Von einer solchen Landstraße trennen uns 3,5 Millionen Euro. Ich weiß nicht, wo die herkommen sollen.“ Beraten werden soll in den Fraktionen von CDU, Grünen, FDP und Für Willich dennoch, einen Schnellschuss möchte man nicht. Einzig die SPD hat sich schon festgelegt: „Wir möchten, dass der illegale Schleichverkehr dort unterbunden wird, und eine neue Trasse wollen wir nicht“, so Ulrich Bünstorf.

Er sprach damit vielen Anwohnern aus dem Herzen. Die „Bürgerinitiative für den Erhalt der Natur und der landwirtschaftlichen Flächen“ sowie die „Schutzgemeinschaft Lärm in Willich“ hatten einen Bürgerantrag gestellt, über den unter anderem in der Sitzung beraten wurde. Dirk van Ophuysen sprach für die Initiativen und begründete, wieso man beantragt, die Anliegerstraße Klein Kempen am kleinen Kreisverkehr in Wekeln für den motorisierten Verkehr zu sperren, und wieso man gegen den Bau einer Verkehrsanbindung von Wekeln beziehungsweise des Stahlwerks Becker bis Niederheide ist.

Die Kritikpunkte zusammengefasst: Die neue Trasse würde durch das Landschaftsschutzgebiet Floethbach führen und landwirtschaftliche Flächen zerschneiden. So würde die Naherholungsfunktion beeinträchtigt oder gar zerstört. Und: Bei einer vollständig realisierten Straße würde sich die Menge der Fahrzeuge um ein vielfaches erhöhen und die im Umfeld wohnende Bevölkerung durch Schadstoffe und Lärm beeinträchtigen. Dirk van Ophuysen führte aus, dass die Stadt mit dem Slogan „Wohnen im Grünen“ werbe. Eine solche Trasse durch die Natur stünde also „im krassen Gegensatz zu dem Bild, das die Stadt für sich in Anspruch nimmt“.

Er betonte noch einmal das Ergebnis des von allen Fraktionen in Auftrag gegebenen Gutachtens, wonach durch die neue Trasse den Verkehr von derzeit 4000 Autos täglich auf 6000 ansteigen lassen würde. „Die Tatsache, dass derzeit schon so viele Fahrzeuge unerlaubt über die Anliegerstraßen fahren, kann nicht die Legitimation für eine weitere Straße sein“, sagte van Ophuysen, räumte aber ein, dass es tatsächlich ein Verkehrsproblem in der Stadt gibt.

Dieses Dilemma sehen auch die Politiker – und so sehen nicht wenige auch das Problem, dass sich durch die Sperrung Klein Kempens der Verkehr in andere Bereiche verlagern würde. „Die Fahrzeuge sind nicht vom Himmel gefallen, die müssen wir leiten. Wir müssen globaler denken, eine Abpollerung Klein Kemepns ist nur eine Teillösung“, sagte Koch. Christian Winterbach (Grüne) betonte, dass es gerade seiner Partei nicht leichtfalle, eine Straße durch ein Landschaftsschutzgebiet zu bauen, „aber wir tun uns auch schwer, den Anwohnern der Hochstraße in Schiefbahn noch mehr Verkehr zuzumuten. Der Königsweg ist noch nicht gefunden.“ Parteikollege Hagen Becker appellierte, in einem ersten Schritt die Durchfahrt Klein Kempen für mehrere Monate zu sperren, „um zu sehen, was dabei rauskommt“.

Die Technische Beigeordnete der Stadt, Martina Stall, erklärte, wieso Klein Kempen überhaupt befahrbar ist: Die Landwirte müssen mit ihrem Gerät zu ihren Feldern kommen. Nun habe die Stadt allerdings Flächen an der Straße Diepenbroich gekauft, wodurch die Fahrbahn in einer Kurve verbreitert werden kann. So können die Landwirte dort entlang fahren. Der landwirtschaftliche Verkehr sei dann am Kreisel zu Klein Kempen kein Problem mehr, sodass die Sperrung möglich sei.

Am Ende einigten sich alle Fraktionen darauf, das Thema noch einmal zu beraten – „auch wenn es wahrscheinlich auf eine Abpollerung hinausläuft“, so Sascha Faßbender. „Aber Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit.“

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