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Willich: Die Krötenretter vom Stockweg

Willich : Die Krötenretter vom Stockweg

Die Krötenwanderung am Niederrhein hat begonnen. Ehrenamtler sind unterwegs, um Kröten an Krötenzäunen einzusammeln, um sie von dort zu ihren Laichplätzen zu bringen. Ein Krötenzaun steht am Stockweg in St. Tönis.

In dem eingegrabenen schwarzen Eimer ist es voll. Sechs Kröten sitzen dicht an dicht. Vorsichtig zieht Klaus Ingenhag den Stock, der im Eimer steckt, heraus und greift zur ersten Kröte. "Die Stöcke haben wir in allen Eimern stehen, damit Mäuse, die aus Versehen in einen Eimer fallen, wieder herauskönnen. Die rennen sich sonst zu Tode und kriegen einen Herzinfarkt", sagt der 50-Jährige, während er Kröte für Kröte in einen Sammeleimer umpackt. In dem sitzen schon vier weitere Kröten, die Ausbeute des vorhergehenden, eingegrabenen Eimers.

Jeden Abend fährt Ingenhag zum Stockweg in Tönisvorst und geht den dort stehenden Krötenzaun ab, um die Tiere anschließend sicher über die stark befahrene Straße zum Baggerloch Stocksee zu bringen. Wie an vielen anderen Stellen im gesamten Kreisgebiet befinden sich die Kröten auf der Wanderung zu ihren Laichgebieten. Jahr für Jahr kommen dabei Hunderte zu Tode, weil sie überfahren werden.

Das war auch am Stockweg der Fall. "Bei einem Abendspaziergang mit meiner Frau Ulrike im Jahr 2006 fiel uns die große Anzahl der überfahrenen Kröten am Stockweg auf. Mir taten die Tiere leid", erinnert sich Ingenhag. Das Ehepaar sammelte die Erdkröten bei ihren Spaziergängen ein, und Ingenhag wandte sich an das Umweltamt der Stadt Tönisvorst, das wiederum den Kreis Viersen kontaktierten. Am Ende gab es einen Krötenzaun samt Anleitung zur Aufstellung.

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Der St. Töniser hatte mittlerweile an seinem Wohnort einige Mitglieder der Interessengemeinschaft Laschenhütte mit ins Boot geholt und im Jahr 2007 stellten sechs Leute der Interessengemeinschaft erstmalig zur Zeit der Krötenwanderung den 200 Meter langen Zaun auf. "Dafür brauchen wir rund einen halben Vormittag. Es muss ein Spatenstich tiefer Graben ausgehoben werden und in den kommt die Folie senkrecht hinein. Dazu graben wir alle zehn bis 15 Meter einen Eimer ein", erklärt Ingenhag. Am frühen Morgen, vor acht Uhr, macht Thorsten Reich von der Interessengemeinschaft die Morgenrunde und sammelt die Kröten ein. Am Abend übernimmt Ingenhag die Aufgabe. "Wir machen das zweimal am Tag, damit die Tiere nicht so lange in den Eimern sitzen müssen", erklärt Reich. Rund eine Viertelstunde dauert eine Runde Krötenrettung.

Bei Plus sechs Grad werden die Kröten, die wechselwarme Tiere sind, aktiv. Herrscht dann auch noch Regenwetter, so ist das optimales Krötenwanderwetter und entsprechend viele Tiere sind in den Eimer. Die Zahl der geretteten Kröten schwankt dabei. Es gibt Jahre mit 250 Tieren, aber auch welche mit 650 Kröten. In diesem Jahr hat die Krötenwanderung vor rund einer Woche angefangen. In der Regel wird sechs Wochen lang gesammelt.

Auf der anderen Seite der Straße setzen Ingenhag und Reich die Tiere so nahe wie möglich ans Baggerloch. "Beim Vorbesitzer des Baggerloches hatten wir einen Schlüssel, um direkt an den See zu gelangen. Mit dem neuen Besitzer wollen wir in Kürze sprechen, ob es auch wieder möglich wäre, einen Schlüssel zu bekommen, um so wirklich direkt am Wasser auszusetzen", sagt Ingenhag.

Den Rückweg über die Straße nach dem Laichen schaffen die Tiere gut, denn dann sind sie schneller, da die Weibchen die Männchen nicht mehr huckepack tragen, wie es vor dem Laichen oft der Fall ist.

(RP/EW)