Die Kirchen in Schiefbahn wollen Menschen zusammenbringen

Ökumene : Kirchen beantworten Fragen

Was ist typisch evangelisch, was ist typisch katholisch und was verbindet die beiden Konfessionen? Darum geht es am 27. November bei einer ökumenischen Veranstaltung in der evangelischen und der katholischen Kirche in Schiefbahn.

Was ist ein Beffchen, und was bedeuten die drei unterschiedlichen Ausführungen? Warum knien die Gläubigen in katholischen Gottesdiensten immer wieder nieder? Was sagt die Farbe des Antipendiums am Altar im Laufe des Kirchenjahrs aus? Diese und viele andere Fragen werden am Mittwoch, 27. November, ab 19 Uhr beantwortet. „Typisch evangelisch, typisch katholisch! Was ich schon immer wissen wollte“, heißt die Veranstaltung, die in der evangelischen Hoffnungskirche an der Schwanenheide beginnt und nach rund zwei Stunden in der Pfarrkirche St. Hubertus endet. Es geht dabei nicht nur um die Vermittlung von Wissen: Katholischen und evangelischen Christen sollen auch die zahlreichen Gemeinsamkeiten vor Augen geführt werden.

Presbyterin Christa Röhrscheid legt Wert auf die Feststellung, dass es sich nicht um eine Vortragsveranstaltung handelt, sondern um einen Gesprächsabend. Jeder, der eine Frage habe, solle sich nicht scheuen, diese zu stellen. Die Grundschullehrerin wünscht sich eine Neugier, wie sie bei Kindern normal ist, auch bei den Erwachsenen. Der evangelische Pfarrer Joachim Schuler hebt den Sinn und Zweck einer solchen Veranstaltung hervor: „Man erlebt derzeit einen Traditionsabbruch. Die Leute wissen immer weniger über die Kirche und von ihrer eigenen Konfession.“ Der ökumenische Gesprächsabend soll diese Wissenslücken schließen.

„Wir im Arbeitskreis Ökumene hatten die Idee zu dieser Veranstaltung, wie es sie vor knapp 30 Jahren schon einmal gegeben hat“, erklärt Christa Röhrscheid. „Die Theorie soll eher im Hintergrund stehen“, kündigt Diakon Friedhelm Messerschmidt an. Es werde vor allem um konkrete Beispiele gehen – Beispiele wie dieses: Evangelische Pfarrer tragen drei unterschiedliche Beffchen – damit sind die zehn bis 15 Zentimeter langen, rechteckigen weißen Leinenstücke, die im Halsausschnitt getragen werden, gemeint. Im unteren Bereich nach rechts und links gespreizt sind die Beffchen bei den lutherischen Pfarrern. Bei den Reformierten werden die beiden Leinenstücke durchgängig parallel zueinander getragen. Bei den Unierten verlaufen die Leinenstücke zunächst parallel zueinander, um dann im unteren Bereich leicht nach rechts und links zeigen. „Wenn ein Pfarrer ordiniert wird, wird er gefragt, für welches Bekenntnis er sich entscheidet“, erklärt Joachim Schuler. Er habe sich seinerzeit für die Unierte Kirche entschieden, seine Kollegen Rolf Klein und Michael Haarmann für die Reformierte Kirche und Renz Schaeffer aus St. Tönis für die Lutherische Kirche – so kommt es, dass die vier evangelischen Pfarrer drei unterschiedliche Beffchen tragen.

Diakon Friedhelm Messerschmidt macht auf andere Unterschiede aufmerksam: „Meine Stola schlage ich von links nach rechts um, damit unterscheide ich mich von den Priestern. Mein Gewand ist auch anders geschnitten, es hat die Form eines ,T’.“ Solche Unterschiede würden den Menschen schon auffallen, aber kaum jemand komme auf die Idee, nachzufragen. Warum knien die Gläubigen in der katholischen Kirche immer wieder, warum wird in beiden Kirchen gestanden und gesessen? Das ist kein Fitnessprogramm, sondern hat religiöse Gründe: Das Knien gilt als ein Zeichen der Demut vor Gott, das Stehen steht für eine besondere Aufmerksamkeit, und das Sitzen sorgt für die Ruhe, die förderlich ist, um das Gehörte aufzunehmen, sich damit auseinanderzusetzen.

Am Antipendium kann man ablesen, in welchem Teil der Kirchenjahres man sich gerade befindet. Es ist zurzeit grün. Weiß, Schwarz und Rot sind die anderen Farben, und auch hier gibt es Unterschiede zwischen der katholischen und der evangelischen Kirche: An Karfreitag ist das Antipendium in der Pfarrkirche rot und in der evangelischen Kirche schwarz. „Was man im Laufe der Veranstaltung entdecken wird, ist, dass wir ein gemeinsames Fundament haben – es ist die Grundlage für die Ökumene“, sagt Joachim Schuler.