Die Flughäfen in Düsseldorf und Mönchengladbach würden gern wachsen. Willicher Bürger fürchten noch mehr Lärm.

Düsseldorfer Flughafen: Mehr Fluglärm in Willich?

Die Flughäfen in Düsseldorf und Mönchengladbach würden gern wachsen. Willicher Bürger fürchten noch mehr Lärm. Im Stadtrat wurde jetzt über das Thema diskutiert. In Sachen Regiobahn gibt es eine Annäherung an Gladbach.

Probleme mit zunehmendem Verkehr beschäftigen die Willicher Politik seit Jahren – auch und gerade, weil Bürger immer wieder darauf aufmerksam machen. Nicht nur der Auto- und Lkw-Verkehr nervt vor allem die Schiefbahner, Willicher und Neersener, auch der Lärm, den vom Flughafen Düsseldorf startende Flugzeuge verursachen, belastet besonders die Menschen im Norden der Stadt. Jetzt sorgen auch noch kürzlich vom Chef des Mönchengladbacher Flughafens, Franz-Josef Kames, geäußerte Bestrebungen für Unruhe, die dortige Landebahn auf 1850 Meter zu verlängern. Und dann ist da noch die von Willich und Viersen ersehnte, aber von Mönchengladbach bislang verhinderte Verlängerung der Regiobahn S28 von Kaarst über Haltepunkte in Schiefbahn und Neersen bis Viersen und später womöglich bis nach Venlo. All das war jetzt Thema in der jüngsten Ratssitzung.

Eingeladen war auch der Geschäftsführer des Düsseldorfer Flughafens, Thomas Schnalke, der zunächst allgemein über sein Unternehmen informierte: 24,6 Millionen Passagiere wurden dort im vergangenen Jahr abgefertigt. Bis zu 700 Starts und Landungen von etwa 70 Fluggesellschaften mit mehr als 200 Zielen in 52 Ländern gab es 2017, was dem Flughafen, der je zur Hälfte in privater Hand und der Hand der Stadt Düsseldorf ist, ein Ergebnis nach Steuern von gut 60 Millionen Euro brachte. „18 Millionen Menschen leben in einem Umkreis von 100 Kilometern, damit ist Düsseldorf vergleichbar mit London“, sagte Schnalke und erwähnte, dass 16 der 50 umsatzstärksten Unternehmen Nordrhein-Westfalens sowie neun DAX-Unternehmen im Einzugsgebiet von „DUS“ liegen.

Der Flughafen sei daher mit 2300 Beschäftigten nicht nur selbst ein großer Arbeitgeber, so Schnalke. Es gebe 21.600 Arbeitsplätze in 208 Unternehmen, die direkt am Flughafen sitzen. „Insgesamt hängen rund 56.000 Jobs von der Existenz des Flughafens ab.“ In der Tat profitiert auch Willich mit seiner Nähe zum Airport in Form von boomenden Gewerbegebieten. Aber da ist halt auch der Fluglärm, der die Bürger im Norden belastet, da die meisten Flugzeuge in Richtung Westen starten, gab Schnalke zu. Vor allem die Situation, dass derzeit durch Verspätungen viele Flugzeuge erst weit nach 23 Uhr landen, sei „inakzeptabel“, sagte der Geschäftsführer. Daher müssten Anreize für die Fluggesellschaften geschaffen werden, Verspätungen zu vermeiden. Spätestens 2020, wenn entsprechende Verträge auslaufen, könne man das etwa durch erhöhte Landeentgelte regeln – wofür er um Unterstützung auch von der Kommunalpolitik warb.

  • Name und Nachricht : Thomas Schnalke

Sich mit den angrenzenden Kommunen gutzustellen, liegt allerdings im Interesse des Flughafens, will dieser doch seine Kapazitäten gerne ausbauen. In der Regel starten und landen (außer in vorher angemeldeten Spitzenstunden) in Düsseldorf 45 Flugzeuge pro Stunde – 60 wären allerdings technisch ohne zusätzliche Investitionen möglich. Schnalke betonte, dass man die bisherigen Betriebszeiten (Starts von 6 bis 22 Uhr, Landungen bis 23 Uhr) nicht anrühren wolle.

Schon vor Jahren hat sich die Willicher Politik zum Düsseldorfer Flughafen „bekannt“, sich dafür allerdings gegen einen Ausbau des Mönchengladbacher Flughafens gestellt und dazu eine Resolution verabschiedet. Auf Unverständnis stieß jetzt die FDP mit ihrem Antrag, der Rat möge beschließen, dass er sich gegen eine Verlängerung der Start- und Landebahn des Flughafens Mönchengladbach ausspreche. Von einem „Schauantrag“ sprach Christian Pakusch (CDU), da es diese Resolution ja bereits gebe. Zudem laufe man Gefahr, das „kleine Pflänzchen“ der Annäherung an Mönchengladbach bezüglich des Regiobahn-Ausbaus zu zerstören. Denn seit ein paar Wochen gibt es wieder Gespräche mit Gladbacher Politikern über dieses Thema. Pakusch sagte, man sei zwar nicht gegen den FDP-Antrag, aber Politik sei nun mal zu 90 Prozent Psychologie.

Hans-Joachim Donath (FDP) verteidigte die Position der Liberalen: „Wenn wir die Sorgen unserer Bürger aufgreifen, ist das kein Schauantrag.“ Am Ende stimmten dann bis auf Robert Brintrup (CDU), der sich enthielt, mehr oder weniger zähneknirschend alle Politiker für den Antrag der FDP (Bürgermeister Josef Heyes stimmte dagegen) – allerdings auf Anregung der CDU mit der Ergänzung, den Mönchengladbachern Gesprächsbereitschaft über eine alternative Nutzung des Flugplatz-Geländes zu signalisieren. Im Gespräch ist nämlich inzwischen auch ein interkommunales Gewerbegebiet, das von Willich bereits vor Jahren angestrebt wurde. Der Flughafen sei ein „Filetgrundstück“ mit guter Autobahnanbindung und der Option Regiobahn, betonte Johannes Bäumges (CDU). DUS-Chef Schnalke bezeichnete den Standort Mönchengladbach für einen Verkehrsflughafen als „nicht geeignet“. Daher habe sein Unternehmen die Mehrheitsbeteiligung auch inzwischen aufgegeben.

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