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Stadt Willich: Die ersten Flüchtlinge sind angekommen

Stadt Willich : Die ersten Flüchtlinge sind angekommen

Kurz vor Heiligabend sind die ersten Asylbewerber in ihr Übergangsquartier im ehemaligen Willicher Krankenhaus eingezogen. Sie wurden dort mit Plakaten in mehreren Sprachen und mit Kinderbildern freundlich begrüßt.

Nach wochenlangen Verzögerungen sind die ersten 50 Flüchtlinge in das ehemalige Katharinen-Hospital eingezogen. Nach einer kurzen Begrüßung im Eingangsbereichs des früheren Krankenhauses ging es für die Neuankömmlinge auf die Zimmer mit den jeweils sechs Betten, jeweils zwei übereinander. In einem ersten Schub, weitere etwa 200 Flüchtlinge werden in den nächsten Wochen erwartet, sind größtenteils Familien aus dem Balkan gekommen, so aus dem Kosovo, aus Bosnien, Albanien oder Mazedonien. Sie werden nur einige Wochen in Willich bleiben, bis sie von hier aus auf andere Städte und Gemeinden verteilt werden.

Wenige Stunden nach ihrer Ankunft in Willich erhielten die Flüchtlinge schon den ersten Besuch. Jutta van Amern, die schon lange den "Arbeitskreis Fremde" als Vorsitzende leitet, brachte frisches Obst und einige Asylbewerber mit, die schon lange in Willich leben. So den Roma Arben Mesini. "Der spricht mehrere osteuropäische Sprachen und hilft mir als Dolmetscher", erklärte Jutta van Amern.

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Mesini hatte seine Ehefrau und seine Kinder mitgebracht; sein fließend Deutsch sprechender Sohn Albert (12) meinte: "Vielleicht kann ich auch etwas helfen, mit den Neuen sprechen oder spielen." Unter den Neuankömmlingen sind mehr als ein Dutzend Frauen und etwa 20 Kinder. Nach der herzlichen Begrüßung gab Jutta van Amern mit Hilfe von Mesini vor allem den Männern einige Ratschläge: "Benehmt Euch bitte unauffällig, geht nicht in großen Gruppen durch den Ort, haltet die Straßen und Plätze sauber, werft Abfälle in die Papierkörbe."

Plädoyers für ein gutes und nachbarliches Miteinander von den Einheimischen und Ausländern hatten während der Weihnachtsmessen und Gottesdienste katholische und evangelische Seelsorger gehalten, so Pfarrer Rolf Klein von der evangelischen Emmaus-Kirchengemeinde.

Womit Jutta van Amern zuletzt nicht so glücklich war: "Dass es in den vergangenen Wochen fast ausnahmslos um die neuen Flüchtlinge im ehemaligen Krankenhaus ging und dabei die hier lebenden Asylbewerber, wovon sich viele seit langem integriert haben, völlig vergessen und vernachlässigt wurden." So ergänzte die Arbeitskreis-Vorsitzende, die seit langem viele wichtige Wegbegleiter an ihrer Seite hat (so unter anderem Maria Funken, Ute Pelosi, Britta Frie, Gaby Petersen oder Peter Mingers), dass allein in den vergangenen sechs Wochen etwa 30 Asylbewerber dazu gekommen wären, darunter seien viele Kinder. "Was die räumliche Unterbringung angeht, haben wir ,Land unter'; es geht fast nichts mehr", sagte sie weiter.

Insgesamt lebten jetzt an verschiedenen Standorten in der Stadt etwa 250 Asylbewerber. Händeringend würde für sie zusätzlicher Wohnraum gesucht. "Erschwerend kommt hinzu, dass anerkannte Flüchtlinge nicht die Unterkünfte verlassen können, weil sie auf dem freien Markt keine Wohnungen finden", erklärte Jutta van Amern. Dies seien derzeit 15 Personen.

Obwohl die Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung groß und die Zahl der ehrenamtlichen Helfer beim Arbeitskreis von einst 20 mittlerweile auf 50 angestiegen sei, bereite der Sprachunterricht große Probleme. Er sei nur noch schwer zu bewältigen. Er soll aber ab dem kommenden Schuljahr durch eine spezielle jahrgangsübergreifende Sprachförderklasse an der dann vierten Schule in der Stadt Willich ausgedehnt werden - an der Albert-Schweitzer-Schule in Anrath.

Der "Arbeitskreis Fremde" hat ein Angebot der St.-Augustinus-Kliniken angenommen, die der ehrenamtlichen Organisation auf der siebten Etage des ehemaligen Schwesternwohnhauses (direkt neben dem Krankenhaus) ein ganzes Geschoss zur Verfügung gestellt hatten. "Darin werden wir wahrscheinlich ab Februar in erster Linie für unsere Asylbewerber unter anderem Deutsch-Kurse für Erwachsene, ein Frauen-Café, Eltern/Kind-Spielnachmittage oder besondere Therapien anbieten", berichtete Jutta van Amern.

(wsc)