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Die drei Ende vergangenen Jahres aus der SPD-Fraktion ausgetretenen Ratsmitglieder wollen eine Wählergemeinschaft gründen und bei der nächsten Kommunalwahl vier bis fünf Mandate holen.

Das RP-Sommergespräch : „Für Willich“ will 2020 antreten

Die drei Ende vergangenen Jahres aus der SPD-Fraktion ausgetretenen Ratsmitglieder wollen eine Wählergemeinschaft gründen und bei der nächsten Kommunalwahl vier bis fünf Mandate holen.

Wer im Internet die Seite www.fuer-willich.de aufruft, landet nicht etwa, wie es naheliegend wäre, auf der Internetpräsenz der kleinsten und neuesten Willicher Stadtratsfraktion „Für Willich“ – sondern auf der Seite der Willicher SPD (Anmerkung der Redaktion: Nach Veröffentlichung dieses Textes hat die SPD reagiert und zeigt ein Video mit spielenden Katzen). Für Detlef Nicola, Fraktionsvorsitzender von „Für Willich“, und seine Stellvertreterin Theresa Stoll ist dies symptomatisch für den Umgang der Sozialdemokraten mit der kleinen Fraktion, deren drei Mitglieder bis Ende des vergangenen Jahres der SPD-Fraktion angehörten, sich dann aber im Streit getrennt haben.

Ein Vertreter der SPD habe „Für Willich“ angeboten, die Internet-Präsenz abzukaufen, sagt Nicola. „Aber das ist doch kein Umgang unter demokratischen Menschen. Das zeigt, dass sie Angst vor uns haben.“ Man habe herausbekommen, dass sich die SPD die Adressen www.fuerwillich.de und www.fuer-willich.de gleich nach der Gründung der neuen Fraktion gesichert habe. Notfalls wolle man jetzt den Rechtsweg beschreiten, um die Domain zu bekommen, so Nicola weiter.

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Nicola und Stoll sind überzeugt, dass „Für Willich“ bei den nächsten Kommunalwahlen im Jahr 2020 eine ernstzunehmende und vor allem demokratische Alternative zu den etablierten Parteien sein wird. Auf jeden Fall wolle man antreten. Vier bis fünf Ratsmandate zu erreichen, sei das Ziel, und zur Hälfte der Wahlperiode wolle man die Verantwortung möglichst in jüngere Hände legen. „Wir stecken in den Vorbereitungen, eine Wählergemeinschaft zu gründen, und haben bereits etliche Mitstreiter, die uns begleiten wollen. Wohl im September wird es eine Gründungsversammlung geben“, sagt Detlef Nicola. Fünf Mitglieder und eine Satzung braucht es für die Gründung einer Wählergemeinschaft. Um bei der Kommunalwahl antreten zu können, braucht auch „Für Willich“ insgesamt 24 Stadtratskandidaten für die Willicher Wahlbezirke. „Das ist unser Ziel, und das ist machbar“, so Theresa Stoll.

Nicht nur auf Stimmen von bisherigen SPD-Wählern haben es die „Für Willicher“ abgesehen: „Wir sind im Willicher Stadtrat oft die sozialere und auch die christlichere Alternative“, sagt Stoll. Man sei auf keinen Fall ein Mehrheitsbeschaffer für irgendeine andere Fraktion, betont Nicola. Bei den Willicher Grünen vermissen Nicola und Stoll ein Engagement für den Naturschutz. Ein Beispiel: „Für Willich“ sei dagegen, dass eine Verbindungsstraße durch ein Landschaftsschutzgebiet von Niederheide nach Wekeln gebaut wird. Das erwarte sie eigentlich auch von den Grünen, die sich dazu aber noch nicht abschließend geäußert hätten, sagt Stoll: „Eigentlich müssten die Grünen bei dem Gedanken an eine Straße durch dieses Gebiet doch einen Hals bekommen.“

Sie, Nicola und das dritte Fraktionsmitglied, Martin Dorgarthen, seien häufig auf Veranstaltungen in der Stadt, bei denen sich die anderen Parteien nicht blicken ließen. Als einzige Fraktion habe man sich auch um die Anwohner am „Steene Dyck“ in Neersen gekümmert, als diese Ärger mit ihrem Vermieter hatten. „Man sollte als Politiker die großen Dinge für die Stadt, aber auch die kleinen Dinge für die Bürger im Blick behalten“, ist Nicola überzeugt, der seit 30 Jahren in und für Neersen kommunalpolitisch aktiv ist.

Drei Anträge ihrer Fraktion aus den vergangenen acht Monaten heben Nicola und Stoll hervor: Theresa Stoll hat Ende 2017 einen Antrag gestellt, dass alle öffentlichen Gebäude mit einem Defibrillator als Unterstützung für den Laien zur Herz-Lungen-Wiederbelebung ausgestattet werden. Nachdem das Krankenhaus geschlossen wurde, ein Ambulatorium nicht zustande gekommen ist und die Rettungswache Anrath in der Diskussion steht, ist dies für „Für Willich“ zumindest ein kleiner Erfolg, was die medizinische Situation in Willich angeht. Zudem hat sich die Fraktion damit durchgesetzt, dass alle fünf Löschzüge der Freiwilligen Feuerwehr jährlich 2500 Euro aus der Stadtkasse bekommen, um den Zusammenhalt in den Zügen zu stärken – das Geld kann beispielsweise für Feste oder Ausflüge mit den Familien der Kamaraden ausgegeben werden. „Denn der Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr erfährt nicht immer die Wertschätzung, die er verdient hat“, sagt Theresa Stoll.

Mit ihrem Antrag, auf der Alten Landstraße in Niederheide zwischen den Hausnummern 88 und 98 eine Tempo-30-Zone einzurichten, stößt „Für Willich“ indes nicht überall auf Gegenliebe. Vor allem die SPD wirft der Fraktion vor, eine willkürliche Grenze zu ziehen – noch dazu liege der tempobegrenzte Bereich genau dort, wo „Für Willich“-Ratsherr Dorgarthen wohne.