Die Bürgermeister der Städte Willich und Marugame in Japan haben kürzlich eine Freundschaftsurkunde unterschrieben.

Ferien-Abc: P wie Partnerstadt : Auf dem Weg zur Partnerschaft

Die Bürgermeister der Städte Willich und Marugame in Japan haben kürzlich eine Freundschaftsurkunde unterschrieben. Wohl 2019 soll daraus eine offizielle Städtepartnerschaft werden.

Seit Jahrzehnten sind japanische Unternehmen eng mit Deutschland verbunden. Allein in NRW haben sich im Laufe der Zeit etwa 600 japanische Firmen angesiedelt, in Düsseldorf allein sind es 400, in Willich über 30 – mit rund 900 Arbeitsplätzen. Eine Partnerschaft mit den Kommunen und mit der Bevölkerung wird seit Langem gelebt. Daraus sind jetzt, nicht zuletzt durch das Engagement des Präsidenten des Japan-Clubs Willich, Yasuo Inadome, erste Grundsteine gelegt worden, damit zwischen der historischen Burgstadt Marugame mit ihren rund 110.000 Einwohnern und Willich wahrscheinlich im Jahr 2019 eine offizielle Partnerschaft entstehen kann.

Wie wichtig den Japanern solch eine Partnerschaft ist, zeigte sich kürzlich, als bei einer Feierstunde im Neersener Schloss zwischen beiden Städten erst einmal eine Freundschaftsurkunde unterzeichnet wurde. Aus Marugame, das vor allem durch seine große Fächer-Produktion bekannt ist (etwa 90 Prozent aller in Japan hergestellten Fächer kommen daher), waren unter anderem Bürgermeister Masaharu Kaji und der Vorsitzende des Stadtrates, Seiji Omae, angereist. Als Übersetzer fungierte Yasuo Inadome (57). Der in St. Tönis wohnende Yasuo Inadome arbeitet seit Langem bei „Topcon Europe“ in Willich als Geschäftsführer. „Ich bin Gott dankbar, dass ich solch ein Ereignis wie heute erleben darf“, waren die ehrlichen Worte von Inadome kurz vor der Unterzeichnung des Freundschaftsvertrages.

Vor allem, aber nicht nur, soll es zu einem Austausch von Schülern und anderen jungen Leuten kommen. Hierzu hatten bereits im September 2017 Verantwortliche des St.-Bernhard-Gymnasiums und der Oberschule in Marugame einen Schulpartnerschaftsvertrag unterschrieben, sollen nunmehr im Wechsel deutsche und japanische Oberstufenschüler die jeweils andere Stadt besuchen. Acht Schüler und zwei Lehrer aus Marugame hatten bereits im Mai dieses Jahres das Schiefbahner Gymnasium besucht. Im nächsten Jahr ist der Gegenbesuch geplant.

Bürgermeister Masaharu Kaji hatte im Neersener Schloss die Verbundenheit mit den Deutschen deutlich gemacht. Hunderte von deutschen Strafgefangenen waren im November 1914 im neuen Gefangenenlager von Marugame untergebracht. Viele ihrer Familien blieben danach in der japanischen Stadt. Die Gefangenen und ihre nachfolgenden Generationen erlernten größtenteils ein Handwerk, gründeten Betriebe oder gaben die klassische Musik, deutsche Sitten und Gebräuche weiter. Daraus resultieren nach wie vor in der Burgstadt große Musik- und Bierfeste.

„Das könnte ein wesentlicher Meilenstein hin zu einer Städtepartnerschaft sein“, hatte Willichs Bürgermeister Josef Heyes bei der Freundschaftsbekundung gesagt. Auf diesem Weg dorthin ist ihm wichtig, dass sich zukünftig vor allem junge Menschen, Vereine oder Betriebe beider Städte austauschen und dem Ganzen eine größere Plattform geben. Vertreter des Willicher Rotary-Clubs haben bereits angekündigt, künftig Schüler-Austausche nach Marugume zu ermöglichen, aber auch mit Unterstützung anderer weltweit agierender Rotary-Clubs Schülern aus der japanischen Stadt die Gelegenheit zu geben, die Stadt Willich kennenzulernen.

In der Freundschaftsurkunde heißt es auszugsweise: „… beide Kommunen erklären, den Austausch von Informationen über die Arbeit ihrer kommunalen Organe, zum Beispiel zur Stadtentwicklung, zur Wirtschaft, zur Kultur, zu entwickeln und zu pflegen und die guten freundschaftlichen Beziehungen aufgrund des gegenseitigen Verstehens zu festigen ... Begegnungen zwischen ihren Einwohnern und Vereinen, besonders der Jugend, werden begrüßt.“

Auf dem Weg zu einer wirklichen Partnerstadt wird jetzt erst einmal die weitere Entwicklung abgewartet, welche weiteren Kontakte zukünftig auf den privaten, schulischen oder betrieblichen Ebenen entstehen. Willichs Bürgermeister Josef Heyes geht bald selbst gemeinsam mit Wirtschaftsförderer Christian Hehnen und mit Pressesprecher Michael Pluschke auf eine große Tour: Sie werden Japan vom 8. bis zum 20. September besuchen. Sie sind unter anderem in Tokio bei rund zehn Unternehmen zu Gast, die seit Langem ihre Europa-Zentrale in Willich haben. In Marugame werden sie sich außerdem einige Tage aufhalten; im dortigen Rathaus ist hinsichtlich des Näherrückens der beiden Städte ein weiterer Festakt geplant.

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