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Die 22-jährige Tischtennis-Spielerin Nina Mittelham aus Willich ist Deutsche Meisterin

Tischtennis : Nina Mittelham ist Deutsche Meisterin

Die 22-jährige Tischtennis-Spielerin aus Willich setzte sich in Wetzlar gegen die Favoritin Peti Solja durch. Mit Franziska Schreiner holte sie zudem den Titel im Doppel.

Gemeinsam sitzen sie auf dem Siegerpodest in der Rittal-Arena im mittelhessischen Wetzlar nebeneinander: der 37-jährige Timo Boll, der gerade zum 13. Mal Deutscher Meister im Tischtennis geworden ist, und eine 22-Jährige, die sich gerade sensationell bei den Damen durchgesetzt hat, die Willicherin Nina Mittelham. Es war ihr Tag, zumal sie sich vor rund 3300 Zuschauern gemeinsam mit Franziska Schreiner (Busenbach) auch den Titel im Damen-Doppel holte.

„Ich fühle mich gut, wer weiß, was heute passiert“, hatte Nina Mittelham in ihrer bescheidenen Art kurz vor dem Finale gesagt. Noch nie hatte sie gegen ihre Nationalmannschaftskollegin Petrissa, genannt Peti, Solja, die zu diesem Zeitpunkt den 24. Platz in der Weltrangliste belegte, gewonnen. Das sollte sich bei den 86. Deutschen Meisterschaften jetzt ändern. Gut eingestellt von ihrer Heimtrainerin Irina Palina, war die Willicherin mental stark und zeigte beim 11:7, 6:11, 16:14, 11:8 und 12:10-Erfolg eines ihrer besten Spiele, was auch ihre Gegnerin hinterher neidlos anerkannte. Und Nina legte noch einen drauf, schlug im Endspiel des Damen-Doppels gemeinsam mit Franziska Schreiner das Duo Caroline Hajok (Börßum) und Luisa Säger (Offenbach) mit 11:13, 11:1, 11:6 und 11:4.

Nina Mittelham wohnt nach wie vor bei ihren Eltern, Olaf und Manuela Mittelham, in Alt-Willich. Die beiden sind zweifelsohne ihr größter „Fan-Club“, haben ihre Tochter schon zu vielen nationalen wie internationalen Events begleitet und auch in Wetzlar unter Freudentränen den größten nationalen Erfolg von Nina erlebt. „Nina holt gerade Eis“, sagt die Mutter kurz vor dem RP-Gespräch, bei dem sich die junge Sportlerin locker und gelöst gibt. Ihr spontaner Kommentar: „Sicherlich war dies in Wetzlar einer meiner größten Erfolge, aber noch emotionaler war es, als ich im September 2018 im spanischen Alicante gemeinsam mit Kirstin Lang Europameisterin im Doppel wurde.“

Spätestens 2011, als Nina Mittelham Deutsche Schüler-Meisterin im Einzel, Doppel und Mixed wurde, begann ihre Erfolgsgeschichte. Dabei wollte sie in jungen Jahren viel lieber Fußball spielen. Ihr Bruder Nico überredete sie aber, einmal mit zum Tischtennistraining zu gehen. So hatte sie als Neunjährige zum ersten Mal beim DJK/VfL Willich den Tischtennisschläger in der Hand, blieb bei diesem Sport, wechselte danach zu anderen Vereinen, als ihr Talent immer sichtbarer wurde und sie sich neuen Herausforderungen stellen wollte.

Das Pfeiffersche Drüsenfieber warf Nina Mittelham nur für kurze Zeit etwas zurück. Die Vitrinen zu Hause reichten schon bald nicht mehr aus, um darin ihre vielen Auszeichnungen und beste Platzierungen, so bei den Deutschen Schüler- und Jugendmeisterschaften oder als Europameisterin bei der U15 und U18, unterzubringen. Sie rückte in den Nationalkader, bildete sich auch in China weiter fort und nahm bisher an vier Weltmeisterschaften teil.

Ohne Weiteres wird man nicht zur Spitzensportlerin. „Ich trainiere generell fünfmal in der Woche, morgens und nachmittags jeweils zwei bis drei Stunden im Düsseldorfer Tischtennis-Leistungszentrum“, erzählt die Stabs-Unteroffizierin. Seit Juli 2016 gehört Nina Mittelham nämlich der Sportfördergruppe der Bundeswehr an. Die Bundeswehr ist auch ihr Arbeitgeber. Am Wochenende spielt sie meist Turniere oder Meisterschaftsspiele für den Bundesliga-Verein, den TTC Berlin Eastside, dem sie seit 2018 angehört. Kurz vor Schluss der aktuellen Spielrunde belegen die Berliner unangefochten den ersten Platz. Danach geht es für die sechs erstplatzierten Teams in die Play Offs, wobei sich Spitzenreiter Berlin Eastside bereits für das Halbfinale um die Deutsche Mannschafts-Meisterschaft qualifiziert hat.

„Schade, dass ich nicht mehr Zeit habe, um mich mit Freunden und Freundinnen zu treffen oder mit ihnen ins Kino zu gehen“, bedauert die Willicherin, die weitere Ziele hat. So hofft sie natürlich, für die kommenden Tischtennis-Einzel-Weltmeisterschaften in Budapest (21. bis 28. April) nominiert zu werden. Im Sommer beginnt der erste Wettbewerb der European Games. Dabei geht es bereits um Qualifikationspunkte zur Teilnahme an den Olympischen Spielen, die vom 24. Juli bis zum 9. August 2020 in Tokio stattfinden. Die Olympia-Teilnahme wäre für Nina Mittelham der nächste Schritt auf ihrer Erfolgsleiter.

In früherer Zeit wurde sie bereits zweimal zu „Willichs Sportlerin des Jahres“ gekürt. Auch bei dieser Sportlerehrung wird sie demnächst garantiert wieder in Erscheinung treten.