Willicher Programmierer Daniel Kalisch will weltbester Programmierer werden

Willich · Daniel Kalisch zählt zu den besten Programmierern des Landes. Der 22-Jährige ist zweifacher Deutscher Meister und hat sich nun für die Weltmeisterschaft qualifiziert. Dort ist sein Ziel mindestens eine Medaille – oder der Titel.

Kopfhörer und volle Konzentration: Der Willicher Daniel Kalisch errang bei den Ausscheidungskämpfen zur WM zweimal Silber und fährt nun nach Lyon.

Kopfhörer und volle Konzentration: Der Willicher Daniel Kalisch errang bei den Ausscheidungskämpfen zur WM zweimal Silber und fährt nun nach Lyon.

Foto: Daniel Kalisch

Im Frühjahr 2023 feierte Daniel Kalisch bei der Deutschen Meisterschaft im Programmieren einen großen Erfolg. In gleich zwei Disziplinen holte er den Titel und sagte schon damals, sein Ziel sei die Weltmeisterschaft in diesem Jahr. Dafür gab es nun einen weiteren Ausscheidungswettkampf gegen internationale Gegner. Hinter einem Teilnehmer aus Südkorea wurde der junge Willicher dabei Zweiter in der Kategorie „App-Programmierung Mobil“ und schaffte damit die Qualifikation zu den Welttitelkämpfen.

„Eigentlich ist es sogar keine einfache Weltmeisterschaft, sondern ein Olympia der Berufe. Da treten ganz unterschiedliche Berufsgruppen an. Auch Konditoren oder andere Handwerker. Es ist für alle bis 22 Jahre, denn es soll sozusagen die weltweite Nachwuchselite der verschiedenen Berufe gefunden werden“, erzählt der 22-Jährige. Unterstützt werde die Veranstaltung darum auch von vielen großen Unternehmen. „Sie wollen da neue Fachkräfte gewinnen, und aufgrund des Sponsorings kann wirklich jeder teilnehmen, denn für uns ist es komplett kostenlos“, sagt Kalisch.

Auch sein Arbeitgeber, die Telekom, unterstütze ihn großartig. „Ich bekomme viele Möglichkeiten auch zum Training und kann es so trotz meines berufsbegleitenden Masterstudiums sehr gut machen“, erzählt er dankbar. Das Studium zeigt dann auch die Vielseitigkeit des Top-Programmierers, der in Bonn studierte und Anfang vergangenen Jahres vorläufig wieder zu den Eltern nach Willich zurück zog. Er studiert nämlich nicht etwa etwas im Bereich der EDV, sondern Psychologie. „Das interessiert mich einfach, und am Ende wirkt Psychologie in alle Prozesse hinein, damit hilft es in allen Lebenslagen, auch beruflich“, sagt Daniel Kalisch.

Für die Titelkämpfe sei nun hartes Training angesagt. „Ich habe einen Trainer für Programmieren, aber wir haben auch einen Mentalcoach, der zum Beispiel mit dem deutschen Olympiateam im Eishockey gearbeitet hat. Das ist schon beeindruckend“, erzählt er.

Auch der Ausscheidungswettkampf habe ihm geholfen. „Beim Albert-Einstein-Cup sind wir gegen Gegner aus zehn Nationen angetreten. Darunter auch Topnationen wie Südkorea. Ich bin hinter dem Südkoreaner Zweiter geworden, und zwar gleich zweimal, im Speed-Programming und Mobile-App-Programming, aber davon habe ich viel lernen können. Ich habe genau gesehen, wo ich noch Defizite habe, und daran will ich jetzt in den nächsten Monaten hart arbeiten, bis ich dann im September nach Lyon fliege“, berichtet Kalisch.

Die Weltmeisterschaft sei für ihn etwas, das ihn durchaus demütig mache. „Ich empfinde zur Zeit einfach Respekt vor der Aufgabe. Wenn ich dann meinen Job gemacht habe und mein Bestes rausgeholt habe, ist immer noch genug Zeit, Spaß und Freude zu empfinden“, sagt der 22-Jährige.

Die Position Deutschlands in der Welt sei auch besser als ihr Ruf. „Sicher gibt es einige Topnationen in der IT. Die sind auch nicht überraschend: China, Südkorea, Indien oder USA. Aber auch Deutschland steht gut da. In der Spitze können wir mithalten, und auch in der Tiefe haben wir gute Programmierer. Wir haben vielleicht aktuell nicht die ganz große Start-up-Szene mit sogenannten Unicorns, also Start-ups, die über eine Milliarde wert sind, aber wir haben eine tolle Szene, und da werden auch gute Unternehmen rauskommen“, sagt er.

Selbst könne er sich auch vorstellen, irgendwann in den Bereich zu wechseln. „Aktuell bin ich bei der Telekom super glücklich und werde super unterstützt. Aber klar, spannend ist das, und was in fünf Jahren ist, weiß ich nicht. Generell ist das aber in weiter Ferne. Jetzt will ich erst einmal eine gute WM liefern und dann weiter sehen“, sagt Kalisch. Toll für ihn übrigens: Begleitet wird er vom Aachener Simon Brebeck, der beim Einstein-Cup Gold in der Kategorie Business Computer Apps gewann. Gemeinsam wollen die beiden NRW-Starter für Deutschland Furore bei der Berufs-Olympiade unter dem Namen World Skills machen und Medaillen mitbringen. Es wäre ein toller Abschluss, denn nächstes Jahr ist Kalisch über die Altersgrenze hinaus.