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Der satirische Ausblick auf 2019

Satirischer Ausblick auf 2019 : Das Schloss hat einen neuen Prinzen

De Beukelaer zieht von Kempen nach Willich. Das ist eines von vielen wichtigen Ereignissen im kommenden Jahr.

Das neue Jahr beginnt eher ruhig. Lediglich in Kempen rumort es gewaltig. Es ist definitiv kein Zufall, dass immer mehr Menschen in grünen Westen die Stadt bevölkern. „Gilets verts“, verkündet ein sprachkundiger Französischlehrer. Das könne ja lustig werden. Die Kempener Bevölkerung nach französischem Vorbild auf den Barrikaden? Wohl kaum, so schlecht hat die Verwaltung es ja auch nicht gemacht. Na ja, in dem Fall vielleicht doch: Der Bauhof brauchte neue Westen, aber die wurden in der falschen Farbe bestellt. Um den Schaden in Grenzen zu halten, wurde die grünen Teile im Rathaus zu einem billigen Preis verscherbelt.

In Tönisvorst ist man nach dem Trubel um die letztjährige Weihnachtsbeleuchtung immer noch nicht so ganz zur Tagesordnung übergegangen. Eine Lenkungsgruppe mit dem Titel „Lampen an“ unter Leitung von Bürgermeister Thomas Goßen entwickelt interessante Pläne, scheitert aber letztendlich daran, dass einige Mitglieder der Gruppe den Titel vollkommen missverstanden haben und tatsächlich jeden Abend die Lampen anhaben – sehr zur Freunde der ortsansässigen Gastronomie.

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Willichs Bürgermeister Josef Heyes hat eine grandiose Idee: Er möchte die Kempener Niederlassung von de Beukelaer in einen Neubau am Neersener Schloss verlegen. Hauptargument: In einem solch adligen Umfeld werde sich der Prinz in seiner Rolle deutlich wohler fühlen. Nachdem auch der Fabrikverkauf umgezogen ist, steigt das Durchschnittsgewicht der Willicher Bevölkerung um 2,7 Kilogramm. Lapidarer Kommentar aus Kempen: „Tuc, Tuc, Tuc.“

 Grefraths Bürgermeister Manfred Lommetz hat den Beruf gewechselt und kocht nun im neuen  Oedter Sternerestaurant.
Grefraths Bürgermeister Manfred Lommetz hat den Beruf gewechselt und kocht nun im neuen  Oedter Sternerestaurant. Foto: Wolfgang Kaiser

Grefraths neuer Kämmerer André Middelhoff sorgt bereits kurz nach seinem Dienstantritt für einen mächtigen Paukenschlag. Nachdem der Bürgerservice schon weg ist, legt er Pläne vor, das gesamte Oedter Rathaus zu schließen. Damit könne man eine Menge Kohle sparen, deren Zeitalter ja ohnehin vorbei sei. Der Oedter Heimatverein ist hocherfreut und bietet an, das komplette Rathausgebäude in ein Museum zu verwandeln.

In Tönisvorst geht alles seinen Gang, was selten genug ist. Dann der Eklat im Frühsommer: Alle Pläne für eine neue Rettungswache kann man vom einen auf den anderen Tag vergessen. Der Grund ist ebenso einfach wie unbegreiflich. Im Antrag ist versehentlich von einer neuen Bettungswache die Rede. Die zuständigen Behörden lehnen entrüstet ab. Begründung: Für ein neues Hotel in Tönisvorst gebe es ganz sicher keine Zuschüsse.

Die Neersener Schlossfestspiele sind einmal mehr ein voller Erfolg. Auf dem Programm steht natürlich „Der kleine Prinz“. Zur Premiere findet logischerweise die offizielle Eröffnung von de Beukelaer statt. Außerdem findet sich auf dem neuen Spielplan „Der Stall ist rund“, Fußballkabarett und gleichzeitig eine Hommage an die pensionierte Beigeordnete Martina Stall. Die Kinder können sich auf das Stück „Pippi Langstrumpf“ freuen. Wie alljährlich übernimmt auch Bürgermeister Heyes eine Nebenrolle, hier spielt er Ephraim Langstrumpf, den Vater der Hauptdarstellerin. Dafür muss er 30 Kilo zunehmen, was aber dank des neuen Prinzen von nebenan kein großes Problem darstellt.

In Kempen gibt es im Frühherbst wieder Turbulenzen um die Burg. Aus dem Jugendamt kommt der Vorschlag, in den alten Gemäuern ein Oki-Doki-Kinderland einzurichten. Die Mädchen und Jungen könnten sich nach Herzenslust austoben und gleichzeitig ein Gefühl für Regionalgeschichte entwickeln. Der Arbeitstitel des Projekts lautet „Onkel Toms Castle“. Zum Bedauern der Kinder wird der Plan nie Wirklichkeit: Er scheitert am Einspruch der Denkmalschützer, die sich nicht damit abfinden möchten, dass an historischer Stätte Kinderlärm die einst kurfürstliche Stille stört.

Die Stadt Kempen feiert ihr 725-jähriges Bestehen mit zahlreichen Veranstaltungen. Das Jubiläum schlägt sich auch auf dem Weihnachtsmarkt nieder. Statt der normalen Fressbuden gibt es nur Stände, an den Speisen aus einem Kochbuch von Thomas à Kempis angeboten werden. Das lange als verschollen geltende Werk wurde bei Rodungsarbeiten im Hambacher Forst gefunden. Als besondere Delikatesse empfiehlt der Humanist „Kempsche Klöße mit Augustiner-Schnitten“ – köstlich, wenn auch im Abgang leicht staubig.

Die Ortsentwicklung von Oedt geht mit geradezu gewaltigen Schritten voran. Wo man bis vor kurzem noch gerade einmal seinen alltäglichen Bedarf decken konnte, ist ein pompöses Einkaufszentrum entstanden. „Gänsemarkt“ soll es heißen und Krefeld mit seinem „Schwanenmarkt“ alt aussehen lassen. Auch ein Sterne-Restaurant ist integriert, die „Perspektiven für Oedt“ suchen lange nach geeignetem Personal. Die Stars der Branche verweigern sich, so dass Bürgermeister Manfred Lommetz sich veranlasst sieht, einmal mehr unter Beweis zu stellen, dass er ein echter Macher ist: Nach einem Praktikum bei Alfons Schuhbeck und dem Anschauen einiger You-Tube-Videos ist er für einen beruflichen Neustart bereit. Schon kurz nach Eröffnung der „Uda-Stuben“ liegt die Kochwelt Oedt zu Füßen.

Kurz vor Jahresschluss wird es wie immer ein wenig besinnlich. Nur in Tönisvorst nicht. Dort besteht nämlich weiterhin keine Einigkeit in Sachen Weihnachtsbeleuchtung. „Lichterketten retten“ skandieren zahlreiche Bürger – bekleidet mit grünen Westen, die es Anfang des Jahres bekanntlich in Kempen billig zu kaufen gab.