Geburtstag am Sonntag: Der radelnde Bürgermeister wird 70

Geburtstag am Sonntag : Der radelnde Bürgermeister wird 70

Josef Heyes ist ein Urgestein der Willicher Politik. 1978 begann der gelernte Landwirt und studierte Agraringenieur sein politisches Engagement mit dem Kampf gegen die kooperative Schule. Hauptamtlicher Bürgermeister ist er seit 19 Jahren.

Die Frage, ob er denn zur Kommunalwahl 2020 noch mal als Willicher Bürgermeister-Kandidat antreten will, wird Josef Heyes am Sonntag zu seinem 70. Geburtstag und am kommenden Freitag häufig hören, wenn er mit vielen geladenen Gästen im Neersener Schloss feiert. Seine Antwort darauf ist allerdings eher ausweichend. „Ich bin gewählt bis Oktober 2020, und dann schauen wir mal.“ Und dann schiebt er hinterher, dass man mit Gottes Geschenk der guten Gesundheit einerseits nicht leichtfertig umgehen sollte, dass aber andererseits Konrad Adenauer erst mit 72 Jahren Bundeskanzler wurde – und dieses Amt 14 Jahre lang innehatte.

Heyes mit Bürgermeisterin Käthe Franke im Jahr 1994. Foto: Archiv

Eine gute körperliche Konsitution (heute hält er sich fit, indem er auch zu vielen offiziellen Terminen mit dem Fahrrad fährt) wurde Josef Heyes in die Wiege gelegt: „Ich kam am 19. August 1948 im Schiefbahner Krankenhaus zur Welt und war mit fast fünf Kilo ein dicker Brocken“, sagt Heyes. Sein Bettchen im Krankenhaus musste er sich mit einem Tags zuvor geboren Mädchen teilen, weil die Geburtenrate in den Jahren nach dem Krieg sehr hoch war. Improvisation und Sparsamkeit waren kennzeichnend für seine Kindheit und Jugend, die auf dem heimischen Bauernhof mit drei Brüdern, Eltern, Großmutter, Tante und Onkel aber sehr glücklich gewesen sei. „Die große Familie und die Verbindung zur Natur habe ich sehr geschätzt“, sagt Heyes, der seinem Bruder Georg ab und zu noch immer auf dem Hof hilft, wenn Not am Mann ist.

Mal mit Auto: Josef Heyes und sein Sohn Christoph. Foto: Wolfgang Kaiser

Gelernt ist schließlich gelernt: Nach dem Besuch der Volksschule und der Mitarbeit auf dem elterlichen Hof begann er mit 14 Jahren eine landwirtschaftliche Lehre. Danach holte er das Abitur nach und studierte nach 15 Monaten bei der Bundeswehr an der Gesamthochschule in Soest, wo er mit Auszeichung als Diplom-Agraringenieur abschloss. Danach arbeitete er zunächst bei der Oberfinanzdirektion in Köln als Sachverständiger. Da er in Düren eingesetzt war, wechselte er aber bald ins näher an seiner geliebten Heimat gelegene Düsseldorf zur Landesbehörde. „Ich habe mich nie vor großen Aufgaben gescheut und bin daher beruflich gut vorangekommen“, sagt der fast 70-Jährige, der noch während seines Studiums im Jahr 1970 seine Maria heiratete. Auch sie gründeten eine große Familie: Mit ihren Kindern Vera (47 Jahre), Julia (41), Christoph (38) und Nikola (35) sowie ihren inzwischen vier Enkelkindern verbringen sie gern ihre Zeit. „Ich bin gerne in Gesellschaft und ein Familienmensch“, sagt Josef Heyes über sich.

Auch wenn die Zeit drängt: Josef Heyes radelt gern. Foto: Wolfgang Kaiser

Durch seine älteste Tochter Vera, die damals schon die weiterführende Schule besuchte, kam Heyes zur Politik. Es war 1978, als sich landesweit die Initiative „Stopp Koop“ gegen die integrative Schule als Mittelschule bis zur sechsten Klasse gründete. Heyes machte in Willich mit und wurde hinterher wegen seines besonderen Engagements von der damaligen Bürgermeisterin Käthe Franke gefragt, ob er nicht in der CDU mitarbeiten wolle. Er wollte, trat 1979 in die Partei ein und wurde noch im selben Jahr in den Stadtrat gewählt. „Damals wurde gerade das Schloss Neersen zum Verwaltungssitz umgebaut. Ich wurde in den Rechnungsprüfungsausschuss gesteckt, als es um die Kosten für den Umbau ging“, erinnert sich Heyes. Denn die waren von ursprünglich zwei Millionen auf zunächst vier Millionen und schließlich auf neun Millionen Mark gestiegen.

In diesem Schloss hat Heyes als Bürgermeister inzwischen seit 1999 sein Büro. Dieses ist zwar recht groß, aber alles andere als prunkvoll. Hier merkt man dem Bürgermeister seinen Hang zur Sparsamkeit an – die bisweilen auch seine Parteikollegen zu spüren bekommen, wenn Heyes bei den jährlichen Haushaltsberatungen die Ausgabenfreudigkeit der CDU kritisiert. Wobei ihm Erster Beigeordneter und Kämmerer Willy Kerbusch hierbei stets zur Seite steht. „Auch in wirtschaftlich guten Zeiten wie gerade müssen wir für kommende Durststrecken etwas zurücklegen“, sagt Heyes – und sieht die Liebäugeleien seiner Partei, die Kindergartenbeiträge in Willich abzuschaffen, eher kritisch.

Zurück zu Heyes’ Anfängen als Bürgermeister: Als er 1984 gefragt wurde, als Stellvertreter Käthe Frankes zu fungieren, stimmte er zu. „Ich habe viel von Käthe Franke gelernt“, sagt Heyes dankbar. 1994 beerbte er die beliebte ehrenamtliche Bürgermeisterin, doch schon 1995 folgte ein herber Rückschlag für Heyes. Wegen einer Kommunalrechtsreform wurde erstmals ein hauptamtlicher Bürgermeister gewählt, und der bisherige hauptamtliche Stadtdirektor Lukas Siebenkotten (SPD) bekam eine Stimme mehr als Heyes. „Das war sehr schmerzhaft, aber ich habe Lukas Siebenkotten immer begleitet und seine Arbeit sehr geschätzt.“

1999, als der Bürgermeister von den Bürgern direkt gewählt wurde, klappte es dann mit 52,8 Prozent der Stimmen, und Heyes gab seinen sicheren Job in Düsseldorf auf. 2004 gegen Bernd-Dieter Röhrscheid und 2009 gegen Alexander Oerschkes (beide SPD) wuchs der Vorsprung sogar auf 73,5 und 83,5 Prozent. Auch 2014 gewann Heyes gegen Hans-Joachim Donath von der FDP mit 67,2 Prozent deutlich. Diesen Wahlkampf hat Heyes allerdings nicht so leicht weggesteckt – „denn er war in großen Teilen unfair“, sagt der noch 69-Jährige und verweist unter anderem auf den Verkauf des Katharinen-Hospitals, das ihm von der FDP vorgehalten worden sei („obwohl ich da nichts für konnte“), und auf die Veräußerung der Alleeschule in Anrath, „die von der SPD gegen mich verwendet wurde“.

Dass ein Wahlkampf im Jahr 2020 nicht unbedingt einfacher sein wird in Zeiten, in denen nicht immer faktengeleitete Diskussionen zunehmen, ist Heyes klar. Doch natürlich hat auch er Rezepte, um „den Kopf vom Alltag frei zu kriegen“. Zum einen sind da seine Touren auf dem Fahrrad, zum anderen seine Pflanzen im heimischen Garten. Vor allem japanische Gewürzpflanzen wie Shibo gedeihen dort, aber auch Klassiker wie Stangenbohnen, Kartoffeln und Zuckerschoten.

Wichtig ist Heyes sein ehrenamtliches Engagement. Direkt nach seinem Studium gehörte er zwölf Jahre lang dem Pfarrgemeinderat St. Hubertus Schiefbahn an, seit 1983 ist er Vorsitzender der Aktion Mission- und Leprahilfe in Schiefbahn. Für diese bittet er seine Geburtstagsgäste statt persönlichen Geschenken auch um Spenden.

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