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Der Parkplatz an der Raiffeisenstraße in Anrath ist der einzig mögliche Standort für einen Lebensmittel-Vollsortimenter.

Einzelhandelskonzept : Supermarkt nur auf Parkplatz möglich

Der große Parkplatz an der Raiffeisenstraße in Anrath ist der einzig mögliche Standort für einen Lebensmittel-Vollsortimenter. Das besagt das neue Einzelhandelskonzept, das der Politik jetzt vorgestellt wurde.

Der Standort auf dem Parkplatz an der Raiffeisenstraße ist zwar nicht ideal, aber die einzige Möglichkeit, in Anrath einen Lebensmittel-Vollsortimenter anzusiedeln. Das wurde in der jüngsten Sitzung des Willicher Planungsausschusses wieder und wieder betont. Und so stimmten schließlich alle Politiker dem Antrag der FDP zu, sich für diesen Standort auszusprechen und den städtischen Parkplatz dafür zur Verfügung zu stellen. Ein Investor steht schon bereit, weswegen die Liberalen darauf drängen, die Unterstützung von Verwaltung und Politik deutlich zu machen. Denn der Weg bis zum Vollsortimenter ist noch lang: Wenn das Einzelhandelskonzept vom Rat beschlossen ist, muss erst noch Baurecht geschaffen werden. „Das Konzept ist die Grundlage und lediglich der erste Schritt, was die Ansiedlung eines Vollsortimenters angeht“, betonte der Ausschuss-Vorsitzende Christian Pakusch.

Die CDU hatte schon vor rund zwei Jahren den Parkplatz ins Gespräch gebracht, wollte aber erst noch das neue Einzelhandelskonzept für die gesamte Stadt Willich abwarten, das den verbindlichen rechtlichen Rahmen für solche Projekte bildet. Auch dieses war Thema im Ausschuss, der dem Rat einstimmig empfahl, es zu beschließen. Gudula Böckenholt von der Firma „Cima Beratung und Management“, die das Konzept erstellt hatte, bezog denn auch eindeutig und eindringlich Position, was einen Lebensmittel-Vollsortimenter in Anrath betrifft: „Ein solcher Markt holt ganz viele Kunden in die Innenstadt. Ich appelliere, diese Entwicklung mitzugehen.“

Die Anrather Bevölkerung habe eine Kaufkraft im Bereich Nahrung und Genussmittel von knapp 26 Millionen Euro jährlich. Wenn davon nur 20 bis 25 Prozent in Anrath blieben, bedeute das ein Umsatzpotenzial von 5,2 bis 6,5 Millionen Euro pro Jahr. Das wiederum bedeute, dass ein Vollsortimenter-Markt eine Verkaufsfläche von 1500 bis 1900 Quadratmetern haben werde. Und: Der Standort an der Raiffeisenstraße ist laut Böckenholt der einzig mögliche in Anrath im festgelegten zentralen Versorgungsbereich.

Der Vorstand des Anrather Werberings übergab 1500 Unterschriften an die Obleute des Planungsausschusses. Foto: Marc Schütz

Gregor Nachtwey, der neue Technische Beigeordnete der Stadt Willich, machte deutlich, dass die Bezirksregierung als Genehmigungsbehörde sehr genau darauf achte, dass sich Märkte wie diese in ausgewiesenen zentralen Versorgungsbereichen befinden. Und: „Wenn man dort Entwicklungspotenziale hat, schließt das Standorte außerhalb aus.“ Angesichts der Tatsache, dass es immer weniger Einzelhandelsbetriebe und immer weniger Verkaufsflächen gebe, müsse man die Ortszentren nicht nur schützen, sondern stärken.

Auch der Anrather Werbering war mit vielen Mitgliedern in die Ausschusssitzung gekommen. Denn von der Vorweihnachtszeit bis zum 12. Januar hatte der Verein 5000 Flyer verteilt, auf denen die Bürger ankreuzen konnten, ob sie für einen Vollsortimenter in Anrath sind oder nicht. 1500 kamen zurück – „nur einer hat mit Nein gestimmt“, so der Werbering-Vorsitzende Christoph Grass. Er betonte: „Die Kundenfrequenz in der Innenstadt ist geringer geworden, seit der Kaiser’s-Markt weg ist.“ Peter Küppers meinte: „Das Gutachten ist hervorragend, denn es hilft uns, auch die letzten Zweifler zu überzeugen.“

Denn Zweifel an dem Standort gibt es durchaus. Die Angst mancher Einzelhändler bezieht sich vor allem auf die Bauphase des Supermarktes: Denn dann fallen die vielen Parkplätze weg. Wenn das Gebäude fertig ist, sollen diese entweder auf dem Dach oder in einer Tiefgarage sein. Für die Bauphase schlug Sascha Faßbender (CDU) vor, beispielsweise den Alleeschulhof vorübergehend als Parkplatz auszuweisen. Christian Winterbach (Grüne) rief dazu auf, „standfest zu bleiben und nicht umzufallen, wenn Gegenwind von einer Bürgerinitiative kommt. Wir müssen Kröten schlucken, aber das ist im Interesse des Stadteils Anrath.“ Gudula Böckenholt: „Während der Bauphase wird es natürlich Auswirkungen geben, aber danach gibt es einen Markt, der diese kompensiert oder sogar überkompensiert.“ Nachtwey sagte zu, dass man mit allen Beteiligten das Gespräch suchen werde, „um Bedarfe abzufragen und Ängste abzufangen“.