Der JCS Willich bietet Fechten mit dem langen Schwert an.

Kampfkunst : Schwertfechten erobert Willich

Der JCS Willich bietet eine besondere Sportart an: Eine eigene Abteilung ist dem Fechten mit dem langen Schwert gewidmet. Ein Sport, der auf eine lange Geschichte zurückblicken kann.

Das Klirren von Schwertern schallt durch den Neersener Schlosspark. Es lässt Besucher stehenbleiben und fasziniert zuschauen. Auf dem und rund um den Holzboden von „Sport im Park“ sind Menschen unterschiedlichen Alters mit langen Schwertern zu sehen, die sich in Kampftechniken üben. „Nicht so schnell. Immer auf die Technik achten, darauf kommt es an“, korrigiert Kai Hoffmann zwei der Kämpfer und verdeutlicht mit dem eigenen Schwert in Zeitlupe die Bewegungen, die gerade geübt werden. Ein Nicken der beiden Teilnehmer. Behandschuhte Hände greifen erneut um die Griffe, und Arme führen die Schwerter wieder hoch. Der Trainer lässt indes die Blicke über die anderen Kämpfer gleiten. Kinder wie Jugendliche und Erwachsene sind voller Konzentration in Aktion. Sie alle führen das Fechten mit dem langen Schwert aus. Ein historischer Sport, der seinen Platz seit dem vergangenen Jahr innerhalb des Judoclubs Schiefbahn (JCS) Willich gefunden hat.

Diese sportliche Bereicherung verdankt der Verein Hoffmann. Er war in einem Düsseldorfer Fechtclub aktiv. Bedingt durch einen Umzug nach Schiefbahn, suchte der Neu-Bürger ein entsprechendes sportliches Angebot vor Ort, da er nicht immer wieder nach Düsseldorf fahren wollte. Hoffmann sprach den JCS an, da es sich beim Fechten schließlich um eine Kampfsportart handelt. Für den Verein war es etwas völlig Neues.

„Ich musste ein wenig Überredungsarbeit leisten, konnte aber letztendlich überzeugen, was sicherlich daran lag, dass ich den Übungsleiter C vorweisen kann und den Fechtsport mit dem langen Schwert schon seit sieben Jahren betreibe und Kampfsport generell schon seit 15 Jahren“, berichtet Hoffmann. Im April 2017 ging es los. Die ersten Neugierigen schnupperten in den Sport, waren begeistert und blieben dabei. Heute zählt die Abteilung zehn Erwachsene, vier Jugendliche und acht Kinder. Wobei Kinder ab sechs Jahren mit dem Schwertkampf starten können. Sie trainieren mit Schaumstoffwaffen und einer entsprechenden Schutzausrüstung.

In Sachen Schutz gehört ansonsten generell der sogenannte Gambeson dazu. Es handelt sich um eine lange wattierte Jacke, die locker fünf bis sechs Kilogramm auf die Waage bringt. Dazu gehört eine extra stabile Ausführung eines klassischen Fechthelmes. Ganz wichtig sind die Handschuhe, die immer getragen werden müssen. Finger und Daumen gehören geschützt, da man beim Kampf schnell mit den Händen zusammenstoßen kann. „Wenn jemand in den Sport hineinschnuppert, stellen wir die Ausrüstung bis auf die Handschuhe. Die müssen selbst mitgebracht werden, wobei sich für den Anfang ganz normale Arbeitshandschuhe aus dem Baumarkt eignen“, sagt Hoffmann.

Er trainiert die Erwachsenen und die Jugendlichen, während Dirk Töllner die Kinder unter seinen Fittichen hat. „Ich übe seit 1976 Kampfsport aus. Vor anderthalb Jahren bin ich über Kai an das Fechten herangeführt worden“, erinnert sich Töllner, den die Technik und das Führen eines Schwertes faszinieren. Es sei eine ganz andere Richtung als die asiatischen Kampfkünste, sagt er.

Die Historie des Fechtens mit dem langen Schwert geht weit zurück. In bis zu 700 Jahren alten Ring- und Fechtbüchern finden sich detaillierte Anweisungen für den Kampf. Quellen, auf denen die Übungen aufgebaut sind. Wichtig ist wie bei allen Kampfsportarten der extrem hohe Stellenwert von Disziplin, Respekt, Höflichkeit und Vertrauen dem Anderen gegenüber. Mit dem Schwert zu fechten, bedeutet zudem Fitness, Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer zu trainieren. Immerhin gilt es, ein langes Schwert mit dem entsprechenden Gewicht zu führen. Die Größe eines Schwertes richtet sich nach der Achselhöhe des Kämpfers. Ein normales Trainingsschwert wiegt 1,4 Kilogramm. Eins ist damals wie heute gleich: Ein Schwert wird nie über zwei Kilogramm wiegen, denn dann kann es nicht mehr entsprechend geführt werden. Es wäre einfach zu schwer.

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