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Stadt Willich: Der Festspielverein bleibt unangetastet

Stadt Willich : Der Festspielverein bleibt unangetastet

Ein Gutachten hat für viel Streit zwischen Politik und Verwaltung gesorgt. Jetzt wurde die Organisationsuntersuchung der Schlossfestspiele Neersen für beendet erklärt.

"Die Organisationsuntersuchung der Schlossfestspiele wird beendet. Die vom Gutachter vorgeschlagenen organisatorischen Veränderungen werden nicht umgesetzt" - diesem Antrag der FDP ist der Sport- und Kulturausschuss in seiner jüngsten Sitzung einstimmig gefolgt. Der Ausschuss tagte am Mittwochabend.

Die Auseinandersetzung vor der Abstimmung war aber noch einmal massiv. Die FDP hatte im Antrag kein Blatt vor den Mund genommen, und Ellen Roidl-Hock wiederholte Teile auch mündlich. Die Liberalen stehen uneingeschränkt zu den Festspielen und kritisieren den Teilauftrag an den Gutachter, die inhaltliche Ausgestaltung zu bewerten. Letztlich ist ihrer Auffassung nach das Gutachten aus mehreren Gründen zu kritisieren: Es decke nur einen Teil des Auftrages ab und hätte daher nicht (von der Verwaltung, die Red.) abgenommen werden dürfen. Die Gutachter-Vorschläge seien "weitestgehend unbrauchbar. Sie bestehen aus Allgemeinplätzen und Vorschlägen, die kaum umsetzbar sind. Vielmehr erweckt es den Eindruck, dass die Stadt Willich zu Folgeaufträgen an den Gutachter gedrängt werden soll."

Wolfgang Dille (CDU) sagte, alle Parteien hätten sich für die Schlossfestspiele ausgesprochen, aber "als Arbeitgeber muss man so was auch mal untersuchen dürfen." Die CDU hatte das Gutachten in der letzten Ratsperiode durchgesetzt, Dille kritisierte aber die Durchführung: Die Verwaltung habe die Politik nicht genug in das Verfahren eingebunden beziehungsweise dem Gutachter falsche Informationen gegeben. So habe die Verwaltung die Politiker nicht bei den Befragungen im Rahmen der Gutachten-Recherche beteiligt. Das Gutachten habe auch positive Ergebnisse wie Vergleichszahlen zu anderen Festspielen gebracht, außerdem würden einige Empfehlungen ja schon umgesetzt: die Einbindung der Jugend oder die bessere Internet-Darstellung. Beides hatte der neue Intendant Jan Bodinus bei seiner Vorstellung im Ausschuss angekündigt. Wolfgang Dille forderte, dass im Sitzungsprotokoll unter anderem aufgenommen werde, dass die Fachpolitiker künftige Organisationsuntersuchungen begleiten sollten und dass Schnittstellen optimiert werden sollten. Dr. Raimund Berg (Grüne) meinte, die Ergebnisse des Gutachtens seien "unterirdisch schlecht für 10 000 Euro", vieles hätte auch die Verwaltung recherchieren können.

Die zuständige Beigeordnete Brigitte Schwerdtfeger wehrte sich nachdrücklich dagegen, dass die Verwaltung falsche Angaben gemacht haben solle. Der Gutachter habe im ersten Entwurf Dinge falsch verstanden, das sei korrigiert worden, so Schwerdtfeger. Sie erkannte an, dass es zwischen Politik und Verwaltung unterschiedliche Auffassungen gibt, wer solche Gutachten zuerst sehen solle. Die Verwaltung sei der Auffassung, dass sie eben zuerst an die Verwaltung und erst dann an die Politik gehen sollten. Dilles Äußerungen wurden aber vom Ausschussvorsitzenden Franz Auling gestützt.

Bernd-Dieter Röhrscheid (SPD) wunderte sich über die erneute emotionale Auseinandersetzung: Es sei doch Konsens der Parteien gewesen, die Arbeit der Festspiele positiv weiterzuführen. Er war der Auffassung, die Politik solle sich grundsätzlich nicht in die Arbeit ehrenamtlicher Vereine einmischen - etwa auch nicht in die des DJK VfL Willich, "der ja schon längst in die Bundesliga gehört ...", wollte er die Diskussion entschärfen.

(djm)