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Stadt Willich: Der Doktor für Ferraris

Stadt Willich : Der Doktor für Ferraris

Es gibt zahlreiche Fans von alten Ferraris, aber nur wenige, die die Oldtimer reparieren können. Der Kfz-Mechaniker Norbert Lahme ist Fachmann für die edlen Flitzer aus Italien. In seiner Willicher Werkstatt hat er damit gut zu tun.

Wenn Norbert Lahme den knallgelben Ferrari Dino, Baujahr 1972, in seiner Werkstatt anlässt, ist schon das Motorengeräusch im Stand beeindruckend. Bei laufendem Motor beugt er sich vorsichtig nach vorne und justiert die Schrauben am Vergaser, beinahe millimetergenau.

"Den Wagen hatte ich schon zur Inspektion hier. Nach 800 Kilometern muss jetzt die Zylinderkopfdichtung nachgezogen werden", erklärt er. Was bei einem "normalen" Auto eine Sache von maximal einem Tag ist, kann bei diesen "alten Schätzchen" schon mal mehrere Tage dauern.

Norbert Lahme hat sich auf die Reparatur und Wartung der Oldtimer — alles ab 30 Jahre — aus dem Hause Ferrari spezialisiert und ist in seiner Ein-Mann-Werkstatt gut beschäftigt. Dort stehen acht weitere Ferrari, etwa ein Ferrari 400 aus dem Jahr 1980, ein Viersitzer. "Das war der Ferrari als Familienauto", meint Lahme scherzhaft, denn das Auto hat als Neuwagen locker 120 000 Mark gekostet. Optisch ist er ganz anders als der "Dino", der rundlich, kompakter und "knuffig", wirkt, aber das ist laut Lahme auch ganz klar: Denn der 400er ist eine Design-Generation weiter als sein älterer gelber Bruder — mit geraden Linien, 90-Grad-Winkeln, einer extrem flachen Straßenlage. Es sei einfach eine Frage der persönlichen Neigung, was einem gefällt.

Ein anderes Modell, der 328er, ähnelt dem 400er. "Die hat Ferrari 1000mal verkauft. Enzo Ferrari brauchte das Geld für die Finanzierung der Formel 1", erzählt Lahme und zeigt dann einen 1980er Lamborghini Countach. Der Wagen habe ein "kompromissloses Design" und sei ein Reparaturauftrag, den er für einen guten Kunden, der mehrere Ferraris hat, mit erledige.

Lahme ist seit 32 Jahren fasziniert von den alten Fabrikaten der italienischen Autobauer und in seiner Werkstatt nie beschäftigungslos. Es gibt eine ziemlich feste Gemeinschaft von Oldtimer-Fans, die sich mit diesen Autos beschäftigt. Und Lahme ist einer der wenigen Fachleute, die die alten Autos noch warten oder reparieren. Die Ferrari-Neuwagenhändler und —werkstätten beschäftigten sich nicht gerne mit diesen Modellen, denn die Reparaturzeit sei nicht kalkulierbar und könne sich gut und gerne über mehrere Wochen erstrecken, erklärt der Autofachmann.

Er ist erst vor kurzem mit seiner Werkstatt aus Büderich nach Willich gekommen und fühlt sich hier bestens aufgehoben. In der Nachbarhalle hat er mit Ingo Fabek einen Spengler, der seine Begeisterung für alte Autos teilt. Nicht weit weg ist mit Auto Hartwig ein Experte für Lackarbeiten oder eine Werkstatt für Probleme an der Hydraulik. Lahme sagt: "Ich habe hier alles, was ich für meine Arbeit brauche."

(djm)