Stadt Willich: Deportation in den Tod

Stadt Willich: Deportation in den Tod

Heute vor 70 Jahren wurden von Düsseldorf aus neun Juden aus den vier Altgemeinden der Stadt Willich nach Theresíenstadt deportiert. Keiner von ihnen überlebte. Willicher Schüler halten die Erinnerung an sie wach.

Es ist Samstag, 25\. Juli 1942\. Am Mittag verlässt ein Zug, besetzt mit 1000 Juden, den Bahnhof Düsseldorf-Derendorf. Sein Ziel: das Ghetto Theresienstadt in Nordböhmen. In dem Zug sitzen auch neun Juden aus Anrath, Schiefbahn und Willich. Von den 1000 Juden in dem Zug überleben lediglich 61 die Deportation. Unter den Todesopfern sind auch die neun Personen aus Willich.

Die Initiative gegen das Vergessen, eine Initiative von Schülern des St. Bernhard-Gymnasiums in Schiefbahn mit ihrem ehemaligen Lehrer Bernd-Dieter Röhrscheid, hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Gedenken an die früheren jüdischen Mitbürger der Stadt Willich wach zu halten. Sie haben recherchiert, wo sie gelebt haben, bevor die Nazis sie verschleppten. Für einige von ihnen ließen sie Anfang Februar vom Kölner Künstler Gunter Demnig Stolpersetine gegen das Vergessen vor den letzten bekannten Wohnsitzen der Deportierten ins Pflaster legen.

Transport in der Dritten Klasse

  • Kreis Viersen : Vermisst in den Weiten Russlands

Wie Bernd-Dieter Röhrscheid sagt, ließen die Nazis im Oktober und Dezember 1941 jüngere Juden mit ihren Kindern nach Litzmannstadt und Riga deportieren. Am 25\. Juli folgte dann die Deportation von "priviligierten Juden", wie sie in der Literatur genannt werden, die bislang verschont geblieben waren. "Das waren Juden über 65 Jahren, Schwerkriegsbeschädigte, solche mit Kriegsauszeichnungen sowie Halbjuden und Mischehen", sagt Röhrscheid.

Aus dem Kreisgebiet Kempen-Krefeld waren 91 meist alte Juden betroffen. Darunter waren auch neun aus den Altgemeinden der heutigen Stadt Willich. "Kein Willicher überlebte diese Deportation", sagt Röhrscheid. Bereits am 24\. Juli 1942 hatten Polizei und Gestapo sie in Anrath, Schiefbahn und Willich aus ihren Häusern geholt, um sie im offenen Lastwagen nach Krefeld zu bringen. Von Krefeld werden sie mit dem Zug nach Düsseldorf-Derendorf transportiert. Die Wagen aus Krefeld werden am 25\. Juli 1942 an den Zug "Da 71" der Deutschen Reichsbahn angehängt. Er war morgens in Aachen gestartet, kam mit annähernd 280 Juden in Derendorf an. Mit insgesamt rund 1000 Juden verlässt der Zug am Mittag den Bahnhof Richtung Theresienstadt. In den Wagen der Dritten Klasse sitzen auch Emmy und Sieghard Cassel, Max, Rosa und Gabriel Servos aus Anrath, die von Kindheit an gelähmte, 88-jähige Sara Kaufmann aus Schiefbahn und Arthur und Rosetta Lion aus Willich.

Von den rund 1000 von Düsseldorf aus Deportierten überlebten 61. "Einige starben in Theresienstadt im Ghetto, die anderen wurden in die Vernichtungslager weitergeschickt. Belegt ist dies für Treblinka und Auschwitz", sagt Röhrscheid. Emmy Cassel starb schon im Oktober 1942 in den Krankenstuben des Ghettos, während ihr Mann im Mai 1944 nach Auschwitz gebracht und dort ermordet wurde. Gabriel Servos starb im September 1942 in Treblinka. Selma Kaufmann starb schon im August 1942, das Ehepaar Arthur und Rosetta Lion ist im Januar 1943 im Ghetto gestorben. Max Servos starb im März 1944. Seine Frau Rosa starb am 23. Januar 1943 nach Angaben der Todesfallanzeige aus dem Ghetto angeblich an einem Herzfehler.

(RP)