Stadt Willich: Das Ticket fürs Nacht-Taxi kommt

Stadt Willich: Das Ticket fürs Nacht-Taxi kommt

Jugendliche und junge Erwachsene bis 26 Jahre sollen künftig fünf Euro Rabatt erhalten, wenn sie nachts im Taxi von der Disko nach Hause fahren. Politiker hoffen, so die Zahl der Verkehrsunfälle zu senken.

Sechs Jahre nach dem Kreis Kleve möchte auch der Kreis Viersen ein subventioniertes Taximodell einführen, das junge Leute zwischen 16 und 26 Jahren sicher nach Hause bringt. Über die Internetseite des Kreises sollen junge Leute mit Wohnsitz im Kreis Viersen einen Rabattgutschein für eine nächtliche Taxifahrt anfordern können, der den Fahrpreis um fünf Euro reduziert. Fahren mehrere junge Leute gemeinsam, addiert sich der Rabatt. Einstimmig empfahlen jetzt die Politiker in der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses, 100.000 Euro für das Projekt in den Haushalt 2018 einzustellen. Endgültig entscheidet der Kreistag. . Nach der Verabschiedung und der Genehmigung des Haushalts könnte das Wochenend-Taxi-Ticket voraussichtlich ab der zweiten Jahreshälfte erstmals genutzt werden.

Die rund 1000 Mitglieder starke Junge Union im Kreis Viersen hatte bereits vor zwei Jahren die Einführung eines solchen Tickets gefordert, dann auch die CDU-Kreistagsfraktion überzeugt. "Der Kreis Viersen erstreckt sich über rund 563 Quadratkilometer, in dem auch junge Erwachsene in vielen ländlichen Gebieten ihr zu Hause haben", sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Peter Fischer. "Teils finden sich in diesen Gebieten wenige bis gar keine Ausgehmöglichkeiten wie Bars, Pubs oder Diskotheken für junge Erwachsene, so dass sie gezwungen sind, die größeren Städte und Gemeinden des Kreises am Wochenende aufzusuchen." Das Wochenend-Taxi-Ticket solle vor allem eins bieten: einen sicheren Heimweg.

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Auch die Willicher SPD hatte sich - auf eine Initiative der Jusos hin - mit der schlechten Verkehrsanbindung gerade für junge Leute beschäftigt und die Wiedereinführung des Willicher Anruf-Sammeltaxis (AST) gefordert. Die Sozialdemokraten waren mit ihrem Antrag allerdings gescheitert, da die anderen Fraktionen im Stadtrat das AST als zu teuer ansahen. Zudem hieß es damals schon, dass das jetzt in die Wege geleitete kreisweite Taxi-Ticket eine gute Alternative zur Willicher Lösung sein könne.

"Eine subventionierte Alternative zur Auto- oder Fahrradfahrt nach einem Abend im Nachtleben würde den jungen Erwachsenen eine Möglichkeit bieten, sich bewusst für eine sichere Fahrt mit dem Taxi zu entscheiden", ist Peter Fischer überzeugt. "So würde man sogenannten Diskofahrten im alkoholisierten Zustand und meist mit überfüllten Fahrzeugen entgegenwirken." 93 Autofahrer zwischen 18 und 24 Jahren verunglückten im vergangenen Jahr im Kreis Viersen, seit vier Jahren gehen die Unfallzahlen junger Fahrer stetig zurück. 36 junge Leute bis 24 Jahre wurden als Mitfahrer in einem Auto im Jahr 2017 Opfer eines Verkehrsunfalls. Ob das Wochenend-Taxi-Ticket längerfristig Bestand haben wird, ist ungewiss. Das Ticket belastet den Kreishaushalt ab 2019 voraussichtlich mit rund 200.000 Euro, zudem sieht der neue Nahverkehrsplan mehrere neue Nachtbuslinien vor. Die Jusos im Kreis Viersen begrüßen die Vergünstigung für junge Leute. "Jedoch müssen die Jugendlichen für eine um fünf Euro reduzierte nächtliche Taxifahrt im Voraus über die Internetseite des Kreises einen Rabattgutschein anfordern. Einfacher wäre es, wenn sich der Fahrpreis durch Vorzeigen des Azubi- oder Studierendenausweises beim Einstieg ins Taxi automatisch reduziert - ähnlich wie es beim Anruf-Sammel-Taxi in Willich jahrelang der Fall war", so Lukas Maaßen, Kreis-Vorsitzender der Jusos. "Wir werden spätestens in einem Jahr eine Kosten-Nutzen-Analyse des Nacht-Taxi-Tickets bei der Kreisverwaltung anfragen und gegebenenfalls eine entsprechende Optimierung beantragen, insbesondere im Hinblick auf den neuen Nahverkehrsplan." Zur Verringerung des Unfallrisikos seien das Nacht-Taxi-Ticket und AST der falsche Ansatz, so die Jusos. "Hier helfen nur strenge und vermehrte Kontrollen durch Polizei und kompromisslose Konsequenzen durch die Justiz. Dazu muss die Verkehrsüberwachung im Kreis Viersen personell gestärkt werden."

(RP)