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Willich: Das Ende einer Ära

Willich : Das Ende einer Ära

Wolfgang Wirichs eröffnete 1961 einen der ersten Supermärkte in Deutschland. Am kommenden Samstag schließt das Stammhaus der früheren Wirichs-Supermarktkette an der Benrader Straße. Zuletzt war dort ein "Rewe"-Markt.

ST. TÖNIS Wenn am Samstag der Supermarkt an der Benrader Straße schließt, geht für die St. Töniser eine Ära zu Ende. Vor fast 50 Jahren hatte Wolfgang Wirichs das Geschäft eröffnet. Und auch wenn der Supermarkt seit 1994 "Extra" und schließlich "Rewe" hieß, die St. Töniser sagten bis zuletzt: "Ich geh zu Wirichs." Mit "Wirichs Diskont" (tatsächlich so geschrieben) eröffnete der St. Töniser Kaufmann Wolfgang Wirichs 1961 einen der ersten Supermärkte in Deutschland. "Es kam damals so eine Welle auf, dass die Kunden selber die Waren aus den Regalen holten", erinnert sich Anne Wirichs-Doetsch, die Tochter des findigen Unternehmers, und verweist auf die Gebrüder Albrecht (Aldi), die etwa zur gleichen Zeit aus ihren klassischen Tante-Emma-Läden moderne Supermärkte machten.

Elf Filialen zu Hochzeiten

"Die Idee kam an, die Leute waren begeistert", erzählt Wirichs-Doetsch, die mit ihren Geschwistern Peter und Sabine schon früh im Laden mithalf. "Wenn Frost angekündigt wurde, mussten wir den Sprudel aus dem zum Lager umfunktionierten Pferdestall holen", erinnert sich die 57-Jährige. Das Geschäft boomte, weitere Wirichs-Supermärkte wurden eröffnet. Zu Hochzeiten gab es elf Filialen neben dem Stammhaus an der Benrader Straße. "Mein Vater war ein Visionär", sagt die Tochter.

Und so blieb es nicht bei einer guten Idee. In den 70er Jahren reiste die Familie in die USA. Nicht etwa, um die Natur zu genießen oder Städte zu besichtigen, sondern um Baumärkte anzuschauen. 1975 wurde in Viersen schließlich der erste Wirichs-Baumarkt eröffnet. Das Prinzip war das gleiche wie beim Supermarkt, nur statt Butter und Eier gab es Schrauben und Nägel. Und wieder waren die Kunden begeistert. In den folgenden Jahren eröffnete die Familie jedes Jahr fünf neue Filialen. In den 90ern hatte die Wirichs-Kette 3500 Mitarbeiter und einen Jahresumsatz von einer Milliarde Mark.

Während die Deutsche Einheit den Baumärkten noch einmal einen Aufschwung bescherte, setzte im Lebensmittelmarkt ein Verdrängungswettbewerb ein. Und so trennte die Familie sich 1994 von den Supermärkten. Grundstück und Gebäude des St. Töniser Stammhauses blieben aber im Besitz der Familie. Die Baumärkte hingegen wurden 1997 komplett an "Praktiker" verkauft.

Nachwuchskräfte fördern

Der Name Wirichs blieb dennoch mit Wirtschaft und Handel verbunden. 1992 wurde die Wolfgang-Wirichs-Stiftung gegründet, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, begabte Nachwuchskräfte aus allen Bereichen des Handels und der Warenwirtschaft zu fördern. Auch Institutionen, die sich der Aus- und Fortbildung von Nachwuchskräften des Handels widmen, werden unterstützt.

(RP)