Das Areal des ehemaligen Katharinen-Hospitals und das Brauerei-Gelände in Willich sollen entwickelt werden.

Willich : Zwei Großprojekte in der Innenstadt

Das Areal des ehemaligen Katharinen-Hospitals und das Brauerei-Gelände sollen entwickelt werden. Nach einem Architekten-Wettbewerb geht es jetzt an die Konkretisierung der Pläne.

In ein paar Jahren wird die Willicher Innenstadt ein deutlich verändertes Bild abgeben: Der Marktplatzumbau, der im Mai 2019 fertig wird, war sozusagen der Startschuss, nun folgen weitere Schritte für zwei noch größere Projekte. Das Braurerei-Gelände mit Rewe-Markt, Stadtwerke-Gebäude und Brauerei-Passage soll komplett neu gestaltet werden, und auf dem 14.000 Quadratmeter großen Areal des ehemaligen Katharinen-Hospitals werden wohl im Sommer nächsten Jahres die Bagger anrollen, um sämtliche Gebäude abzureißen und Platz zu schaffen für die „Katharinen-Höfe“.

Zu beiden Arealen hatte es kürzlich Architektenwettbewerbe gegeben. Die beiden Siegerentwürfe sollen jetzt schnell konkretisiert werden. „Die Planungen sollen in der Sitzung des Planungsausschusses am 27. November beschlossen werden. Danach geht es an die Ausarbeitung der Bebauungspläne“, sagt Christian Pakusch, Vorsitzender des Planungsausschusses und Aufsichtsratsvorsitzender der städtischen Grundstücksgesellschaft (GSG).

Der Siegerentwurf des Gestaltungswettbewerbs zum Brauerei-Gelände von Reinhard Angelis sieht unter anderem den Abriss des Stadtwerke-Gebäudes und Teilen der Passage vor. Erhalten bleiben die ebenerdigen Parkplätze – das hatte Rewe zur Bedingung gemacht. Foto: Marc Schütz

Mit dem Investor, der das Rewe-Gebäude gekauft hat, hat es laut Pakusch bereits Gespräche gegeben, was dieser schon vorantreiben kann. Zum einen geht es um eine Verschönerung des Eingangsbereichs beispielsweise durch einen Glasanbau, zum anderen um die Nutzung der oberen Etage. Ideen gingen anfangs auch in Richtung einer Veranstaltungshalle auf der oberen Ebene, „aber das lässt sich an dieser Stelle definitiv nicht realisieren“, stellt Pakusch klar. Lärm- und Verkehrsprobleme ließen sich im Innenstadtbereich nicht lösen. Architektonisch hochwertiger Wohnraum sei hingegen wünschenswert.

Aber auch die Stadt müsse ihre Hausaufgaben machen und entscheiden, wie es mit der im Besitz der Stadt befindlichen Hauptverwaltung der Stadtwerke weitergeht. Laut Willy Kerbusch, Erster Beigeodneter der Stadt und Geschäftsführer der GSG, laufen Gespräche mit dem Ziel, dass die Stadtwerke-Verwaltung ins Stahlwerk Becker zieht.

Und dann ist da noch der Dritte im Bunde: die Eigentümer der Brauerei-Passage, die Familie Paschertz. Sie würde sich an einer Umgestaltung des Areals Rewe/ Brauerei-Passage beteiligen. „Deswegen haben wir uns ja auch an der Auslobung des städtebaulichen Wettbewerbs beteiligt“, so Christian Paschertz, Geschäftsführer der W. Paschertz Grundstücks GmbH. Was und wie gemacht wird, sei jetzt noch nicht abzusehen, „erst wenn wir etwas konkreter in der Umsetzung sind“.

Laut Siegerentwurf des Architekten Reinhard Angelis (Köln) sollen die Brauerei-Passage und das Stadtwerke-Gebäude fast vollständig abgerissen werden und ein Stück von der Grabenstraße zurückspringen, damit diese mit ihren unter Schutz stehenden Bäumen als Allee besser zur Geltung kommt. An der Ecke Graben-/Brauereistraße soll ein Einzelgebäude entstehen, in dem im Erdgeschoss Platz für großflächigen Einzelhandel ist. Wie dem auch sei: „Bis Ende des Jahres sollten sich alle Beteiligten bekennen, ob sie dieses Mammutprojekt vorantreiben wollen“, sagt der Planungsausschuss-Vorsitzende Christan Pakusch.

Auf der Münchner Immobilienmesse „Expo Real“ haben Willy Kerbusch als Geschäftsführer der GSG und die Technische Beigeordnete Martina Stall kürzlich das Projekt „Katharinen-Höfe“ vorgestellt, um Investoren dafür zu gewinnen. Die GSG wird das Krankenhaus-Areal Anfang des Jahres übernehmen. Noch ein halbes Jahr soll es dann weiter als Flüchtlingsunterkunft des Landes genutzt werden, bevor der Abriss erfolgt. „Die Ausschreibungen dafür laufen“, sagt Pakusch. Parallel dazu wolle man mit der Aufstellung des Bebauungsplans anfangen, was erfahrungsgemäß zwölf bis 18 Monate dauere. „Baubeginn könnte Mitte/Ende 2020 sein“, sagt Pakusch, der zuversichtlich ist, dass sich schnell ein Investor findet. „Die Angst, dass das Projekt niemand umsetzen kann, haben wir absolut nicht.“ Für die GSG selbst ist das Vorhaben allerdings zu groß, von einem hohen zweistelligen Millionenbetrag ist die Rede.

Der Siegerentwurf des Münsteraner Architekturbüros von Frank Lecke sieht vor, dass auf dem Areal rund 100 Wohnungen (ein Teil davon als Sozialwohnungen) geschaffen werden – im Wesentlichen in dreigeschossigen Baukörpern rund um zwei Innenhöfe: einem vorderen Hof, in dem im Erdgeschoss Platz für drei Geschäfte (es laufen bereits Gespräche mit dem Inhaber einer Biomarkt-Kette) und eine soziale Einrichtung sein könnte. Aber auch Arztpraxen sind im ersten Obergeschoss möglich. Als Flächen für den Einzelhandel sind rund 2500 Quadratmeter ausgewiesen. Pakusch: „Wir können uns dort gut eine Kurzzeitpflege-Einrichtung, kombiniert mit Wohnen für Ältere vorstellen.“ Auch von Ärzten gebe es eine große Nachfrage, denn derzeit befinden sich viele Praxen im ehemaligen Schwesternwohnheim, das abgerissen wird.

Ein Ersatz für das einst im Stahlwerk Becker geplante, aber gescheiterte „Ambulatorium“ mit einer Handvoll Krankenhausbetten und einer Not-Praxis seien die Katharinen-Höfe allerdings nicht, betont Pakusch. „Es ärgert mich, dass wir das ,Ambulatorium’ nicht umgesetzt bekommen haben“, sagt Pakusch. Zwar beeilte man sich in Verwaltung und Politik zu sagen, dass man nach einer Alternative zum Standort Stahlwerk Becker suchen wolle. „Aber etwas Konkretes gibt es bisher leider nicht“, gibt Pakusch zu.

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