Das 32. Badewannenrennen in Anrath war wieder feucht-fröhlich

Badewannenrennen in Anrath : Mit dem Traktor in die Niers

Mit Wasserspaß, phantasievollen Bootsbauten und Familienfeststimmung lockte das Badewannenrennen die Besucher in Mengen an die Niers. Zum 32. Mal veranstaltete die Katholische Landjugend Anrath diese Gaudi.

„Für wie viel Kilogramm ist die Brücke eigentlich ausgelegt?“ Die Frage, gestellt von einer Besucherin mitten in einem Pulk von Menschen, die sich gerade über die aus Holzpaletten bestehende Brücke über die Niers begeben, löst Lachen aus. „Das werden wir merken, wenn wir in der Niers liegen“, lautet eine Antwort, was weiteres Lachen hervorruft. Doch niemand landet in der Niers. Die Brücke, gebaut von der Katholischen Landjugend Anrath, hält. Schließlich haben die Mitglieder Erfahrung im Brückenbau. Zum nunmehr 32. Mal findet das von ihnen organisierte Badewannenrennen statt, und zu dem gehört seit Jahren eine Brücke, die das Anrather und das Viersener Ufer an der Rennstrecke verbindet.

„Wo sind die Breyell/Schaager? Bitte an den Start“, schallt die Stimme von Moderator Manuel Brons über die Niers. Am Zielpunkt, der aufgrund des folgenden Stromaufwärts-Rennens zum Start mutiert ist, kommt Bewegung. Jan Steffens und Maxi Terporten lösen die Leine, mit denen ihr Badewannen-Bat-Mobil am Rand der Niers vertäut ist, und schieben es gemeinsam in Richtung der langen Flasche, die schon vor dem rot-weißen Flatterband auf der Niers dümpelt. Die Tönisvorster Landjugend hat nämlich eine lange Flasche mit zwei sich hintereinander befindlichen Sitzen gebaut. Allerdings ist nur der erste Sitz besetzt. In dem hockt Juliana Paniczek, während Jonas Bürcks hinter der Flasche im Wasser steht. Das schwarze Bat-Mobil wird in Position gebracht. Terporten klettert in die Badewanne, und Steffens geht als Schieber in den Einsatz. „Im vorigen Jahr hatten wir eine Spielwiese mit Blümchen. Daraus ist jetzt unser Bat-Mobil geworden“, erzählt Lena Steffens, die am Ufer steht und Däumchen hält.

Kaum ertönt das Startzeichen, kommt Bewegung in die Boote. Die menschlichen Motoren gehen in den Einsatz, wobei Bürcks eindeutig die bessere Kondition hat. Trotz Strömung schafft er einen Laufschritt und lässt die schmale Flasche voranschießen. Aus den Besuchermengen sind laute Anfeuerungsrufe zu hören. Nach den vorgeschriebenen 100 Metern gegen den Strom steht eindeutig fest: Die Flasche hat das Rennen gemacht. „Dafür haben wir das erste Stromabwärts-Rennen gewonnen“, meint Steffens lachend, als er tropfnass aus der Niers klettert.

Wasserscheu darf man beim Badewannenrennen naturgemäß nicht sein. Foto: Wolfgang Kaiser

Unterdessen hat die Landjugend Anrath ihr Käpt’n-Blaubär-Boot an den Start gebracht. Die Fahne mit der bekannten Figur flattert im Wind. Auf der 2,20 Meter mal 3,50 Meter großen Konstruktion, in deren Mittelpunkt eine blaue, mit Wasserbomben und Flaschen voller Hugo gefüllte Plastikwanne steht, hat Nils Karsch als Steuermann seinen Platz eingenommen. Jan Köttelwesch ist der Schieber. Ihre Gegner: die Landjugend Leuth, die mit der Deutz-Wanne antritt. Wobei ein alter Original-Traktorsitz die Wanne ziert, die per Fahrradantrieb und Minischaufelrad angetrieben wird. Der nächste Rennspaß beginnt.

„Das Badewannenrennen ist gigantisch. Wir haben im vorigen Jahr zum ersten Mal mit unserer Nachbarschaft teilgenommen. Es war so lustig. Es herrschte eine Bombenstimmung, und wir haben viele nette Leute kennengelernt. Für uns war klar, wir machen wieder mit“, sagt Tino Steffen von den Allee-Piraten. Die Nachbarschaft in Form von 14 Anwohnern hat ein Piratenschiff gebaut, an dessen Bug ein Skelett befestigt ist. Allerdings fehlt dem ein komplettes Bein. „Das andere ist unser Paddel“, sagt Nico Schmidt, der im Boot sitzt und das besagte Paddel mit einem Grinsen präsentiert. Allerdings verlässt man sich auch hier nicht allein auf das Paddel. Andreas Kunze ist der Schieber.

Die Böschungen der Niers haben sich in Tribünenplätze verwandelt. Besucher haben ihre Picknickdecken ausgebreitet und Bierzeltgarnituren aufgebaut. Ganze Stuhlreihen stehen entlang des Ufers. Aus Traktoranhängern sind Tribünen entstanden, wobei so manche Landjugend ihre Bierfässchen samt Kühlung auf den Wagen mitgebracht hat. Die Stimmung ist bestens. Es wird gelacht, erzählt und natürlich kräftig angefeuert. „Das Badewannenrennen steht Jahr für Jahr fest in unserem Terminkalender. Dafür kommen wir von Süchteln immer mit dem Rad angestrampelt. Es ist ein Event für die ganze Familie, und das ist das Schöne“, sagt Stefanie Müller, die mit ihrem Mann und den beiden Kindern angereist ist und genau wie die anderen jede Menge Spaß hat.

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