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Corona-Krise in Willich: Verein "Wir retten unser Dorf" aus Schiefbahn will Innenstädte retten

Hilfe in der Corona-Krise : Verein will Willicher Innenstädte retten

In Schiefbahn hat sich der Verein „Wir retten unser Dorf“ gegründet. Eine Initiative, die sich auf ganz Willich ausdehnen soll. Das Ziel: Die Innenstädte retten.

Die Sorgen im Einzelhandel und in der Gastronomie sind überall die gleichen: Wie können die Geschäfte trotz der gesetzlich vorgeschriebenen Schließung in der Corona-Krise überleben? Tägliche Einnahmen fallen weg, die Kosten aber laufen unvermindert weiter. Bund und Länder haben zwar erste Programme beschlossen, mit denen Unternehmern geholfen werden soll, um drohende Pleiten zu vermeiden. Aber wird dies reichen, oder ist es nur ein Tropfen auf den heißen Stein? In Schiefbahn haben sich Bürger entschlossen, einen Schritt weiterzugehen und Solidarität zu zeigen.

„Irgendwann, wenn die Krise vorbei ist, möchten wir uns wieder in Biergärten treffen, gemeinsam essen gehen, das Eis im Eiscafé genießen und durch die Innenstadt mit ihrem bunten Einzelhandel bummeln und einkaufen. Wir wollen dazu beitragen, dass dies keine Utopie bleibt“, sagt Christian Pakusch. Der Willicher, der über ein großes Netzwerk verfügt, war daher sofort dabei, als er am 21. März von Dirk Franzmeyer einen Anruf erhielt und mit der Idee eines Vereins konfrontiert wurde, der sich dafür einsetzen will, dass der derzeit arg gebeutelte Einzelhandel, der nicht dem Lebensmittelverkauf zuzuordnen ist, und die Gastronomie so unbürokratisch wie möglich Hilfe erhalten. Schon einen Tag später gab es eine Telefonkonferenz mit insgesamt sieben Unterstützern. Der Name „Wir retten unser Dorf“ war schnell gefunden, und genauso schnell war die Homepage auf ehrenamtlicher Basis gebaut, ein Konto bei der Sparkasse geordert und der Verein notariell angemeldet.

„Wir sorgen uns, dass unsere soziale Infrastruktur wegkippt. Die, die unser Schiefbahn liebens- und lebenswert macht. Diese Menschen haben keine Einnahmen mehr, weil sie ihre Geschäfte schließen mussten, um unsere Gesundheit zu schützen. Was ist uns unsere Gesundheit wert?“, stellt Dirk Franzmeyer als Frage in den Raum. Er entwickelte die Idee zu dem Verein durch ein Telefonat mit einem Freund, bei dem sie über kleine Händler und die Gastronomie sprachen.

Rücklagen in einer für die aktuelle Situation ausreichenden Höhe seien von den Kleinunternehmern gar nicht zu erarbeiten. Wenn es keinen Umsatz gebe, fehle die Existenzgrundlage. Die Idee des Vereins: Rund 12.000 Einwohner hat Schiefbahn. Wenn jeder in der aktuellen schwierigen Zeit einen Euro geben würde, wären es schon 12.000 Euro. Der ehrenamtlich arbeitende Verein wünscht sich, dass jeder Bürger einen monatlichen Obolus für die schwierige Zeit gibt, der ihm persönlich möglich ist. Geld, damit Schiefbahn so bleibt, wie es ist, wenn die Corona-Krise überwunden ist.

„Wir fangen in Schiefbahn an. Es ist eine Blaupause, die für jede andere Stadt oder Gemeinde genutzt werden kann. Das heißt: auch in Anrath, Neersen und Willich“, sagt Dirk Franzmeyer. In der Praxis soll es so aussehen, dass das eingehende Geld gesammelt wird. Nach einer Überprüfung der sich angemeldeten hilfesuchenden Unternehmen – es gilt, bestimmte Bedingungen zu erfüllen – sollen Summen verteilt werden. Aktuell arbeitet der Verein zudem an einer App, der ein Bonusprogramm „Heimatpunkte“ angeschlossen sein soll.

Zum Verein gehören neben Dirk Franzmeyer als Vorsitzender und Christian Pakusch als Beisitzer Christoph Tepper, Dirk Werner, Karin Franzmeyer, Dirk Säger und Daniel Kamper. Dirk Schumacher von der Sparkasse und Rainer Höppner von der Schiefbahner Werbegemeinschaft sind Gründungsmitglieder, wobei Höppner sich um die Koordination mit der Werbegemeinschaft kümmert.

Corona-Krise in Willich: Verein "Wir retten unser Dorf" aus Schiefbahn will Innenstädte retten
Foto: grafik

Info: Besuchen Sie auch die neue Plattform der Rheinischen Post unter www.rp-gemeinsamstark.de. Auf dieser Plattform wollen wir Helfer und Hilfsbedürftige zusammenführen, beispielsweise für den Einkauf für einen älteren Nachbarn oder das Hilfspaket für Obdachlose. Gleichzeitig wollen wir einen Marktplatz für Dienstleistungsunternehmen aus Handel, Handwerk und Gastronomie schaffen, die durch die Krise in Not geraten sind.