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Charleys Tante bei den Schlossfestspielen Neersen

Schlossfestspiele Neersen: Nachfrage nach „Charleys Tante“ ist groß : Die Tante ist immer der Gärtner

Die Komödie „Charleys Tante“ ist das zweite große Stück, das das Schlossfestspiel-Ensemble Neersen in diesem Jahr zeigt. Der Kölner Comedian Kalle Pohl spielt den Gärtner, der in die Rolle der Anstandsdame schlüpft.

Neersen Es sei ein sehr lustiges Stück, verspricht Jan Bodinus, Intendant der Schlossfestspiele Neersen, beim Pressegespräch zu „Charleys Tante“. Schon bei den Proben werde viel gelacht, verrät Bodinus, der für das erste große Abendstück der aktuellen Spielzeit auch die Regie übernommen hat. Ganz bewusst haben die Macher der Schlossfestspiele sich für eine Komödie entschieden, die schon für Kinder ab zehn Jahren geeignet ist. Ziel ist, junge Menschen für das Theater zu begeistern.

Vorbilder für die Inszenierung gibt es etliche. Schon 1915 wurde die Komödie in drei Akten mit Oliver Hardy als Stummfilm gedreht. In Deutschland sind vor allem die Filmfassungen von 1956 mit Heinz Rühmann und die Neuverfilmung von 1963 mit Peter Alexander bestens bekannt. Regisseur Sönke Wortmann hat sich 1996 noch einmal an einer Filmfassung versucht. „Charleys Tante“ gilt als eine der bekanntesten Komödien der Welt. In Neersen geht es nun zurück zu den Wurzeln und rauf auf die Theaterbühne.

Dabei spielt Kalle Pohl, Comedian aus Köln, die Rolle des Gärtners Brassett, der sich auf Drängen von Jack (Thomas Kahle) und Charles (David Imper) in die Rolle der reichen Erbtante aus Brasilien drängen lässt. Die beiden jungen Männer aus gutem Hause sind nämlich in Kitty (Maria Arnold) und Amy (Vanessa Frankenbach) verliebt und haben sie zum Lunch eingeladen, nachdem die Tante, mit der sie angeben und ihre Chancen auf eine Liaison steigern wollen, ihren Besuch angekündigt hat.

 Aber die Tante verspätet sich und so muss der Gärtner herhalten. Der findet immer mehr Gefallen an seiner neuen Rolle und flirtet, gelockert durch reichlich Alkohol, mit dem skurrilen Colonel Sir Francis (Kay Szacknys). Als dann noch die tatsächliche Tante Lucia (Reinhild Köhncke) auftaucht, ist das Chaos perfekt. „Weiteren Verwicklungen sind alle Türen geöffnet und alle Wege sind aufgemacht“, sagt Regisseur Bodinus.

 Angesiedelt hat er seine Fassung des humorvollen Klassikers im eleganten England der 1920er Jahre. Für Ausstatterin Silke von Patay nach eigener Aussage eine dankbare Zeit. Das Original ist noch älter und stammt aus dem Jahr 1892 – einer Zeit, als Männer in Frauenkleidern eigentlich undenkbar waren. „Aber das Stück ist definitiv keine Travestie-Nummer“, sagt Bodinus. Hauptdarsteller Kalle Pohl, der in dieser Saison erstmals in Neersen auftritt, hat jedenfalls kein Problem mit der Rolle.

 „Wir haben viel Spaß, und ich bin entzückt und verwirrt von der Arbeit mit Jan“, sagt der 66-Jährige mit Blick auf den Regisseur. Entzückt sei er, weil die Arbeit ein kreativer Prozess und die „Truppe“ so toll sei, verwirrt, weil die Regie immer wieder Szenen umschreibe, damit die Pointe richtig gut sitze. In den kreativen Prozess hat der ehemalige Polizeihauptwachtmeister, der in Köln klassische Gitarre studiert hat und seit 30 Jahren Kabarett-Texte schreibt, sich mit Musik selber eingebracht. „Kalle hat einige der Titel komponiert, die im Stück gesungen werden“, erzählt Bodinus.

 Mit „Charleys Tante“ scheint der Intendant den Nerv des Neersener Publikums getroffen zu haben. Das Stück, das am 23. Juni Premiere feiert und für das insgesamt 18 Aufführungen vorgesehen sind, ist mit einer Auslastung von 74 Prozent bereits gut in den Vorverkauf gestartet. Überhaupt ist Geschäftsführerin Doris Thiel zufrieden mit dem Vorverkauf: „Wir haben schon 19.700 Karten verkauft und reserviert, damit liegen wir 2000 Karten über dem Vorjahresergebnis.“