Bürger aus Willich diskutieren auf Einladung der SPD

Bürgerforum : Wie die Bürger in Willich leben wollen

Auf Einladung der SPD trafen sich Bürger und Politiker in den Räumen des Gründerzentrums, tauschten Meinungen aus und brachten Ideen an den unterschiedlichen Thementischen ein.

Die Willicher SPD hatte zum Bürgerforum eingeladen. Die Mitglieder wollten erfahren, wo den Bürgerinnen und Bürgern der Schuh drückt. Und obwohl nur knapp 20 Willicherinnen und Willicher am Samstag ins Gründerzentrum gekommen waren, waren die Organisatoren nicht unzufrieden. Mindestens einmal im Jahr soll es künftig solch ein Bürgerforum geben.

Der SPD-Vorsitzende Lukas Maaßen präsentierte am frühen Nachmittag zum Abschluss die Wünsche, die am häufigsten genannt worden waren: Bezahlbarer Wohnraum ist ein großes Thema. Aber auch Umweltthemen berühren die Menschen. So soll Willich noch fahrradfreundlicher werden. „Tempo 30 in ganz Willich“ war nicht die einzige Maximalforderung. Armutsbekämpfung war ein anderes Thema. In diesem Zusammenhang mussten die Genossen im Internet nachschauen: Was ist Multiple Deprivation, die zumindest einem Bürger Angst macht. Es geht um das Gefühl der Benachteiligung. „Wir warten schon lange auf den Armutsbericht, wie es ihn bis vor fünf Jahren regelmäßig gegeben hat“, erklärte Lukas Maaßen.

„Keine Parkgebühren“, lautete eine Forderung. Das Problem: In ganz Willich ist das Parken kostenlos. Die Bürger haben offenbar keine Lust auf Besuche bei der Stadtverwaltung. Deshalb stand auf der Wunschliste auch „Digitalisierung vorantreiben“. „Die Vorschläge sollten bewusst ohne Denkverbote gemacht werden“, erklärte der stellvertretende Bürgermeister Dietmar Winkels. Deshalb sei es in Ordnung, dass so mancher Vorschlag utopisch klinge.

Im Gründerzentrum ging es sehr strukturiert vor: An fünf Tischen ging es um unterschiedliche Themen. Es gab Getränke und Süßkram. Was auffiel: Die Willicher haben die Autos offenbar gründlich satt: „Vorfahrt für Radfahrer und Fußgänger“, wurde da gefordert. Es ging aber auch um die Kultur. Eine Anregung in diesem Zusammenhang: „Die Identifikation sollte nicht nur eine Aufgabe der Schützenvereine und -bruderschaften sein.“ „Meinen Namen möchte ich nicht in der Zeitung lesen“, sagte ein Besucher. Er war keine Ausnahme.

Aber es gab auch andere: Robert Voß aus Anrath beispielsweise sprach sich für die sogenannte "Essbare Stadt" aus. Die Anregung des 63-Jährigen: Statt Rasenflächen zu mähen und Hecken zu schneiden, sollten die Mitarbeiter des Bauhofs sich lieber um Obstbäume im öffentlichen Raum kümmern – Bäume, von denen jeder Bürger pflücken dürfte. Voß möchte erreichen, dass weniger Äpfel importiert werden müssen. 20 Prozent dieses Obstes werden derzeit importiert. Aber er hatte auf seinem Zettel noch mehr Vorschläge, auch in punkto Mobilität: „Der Bürgerbus ist eine super Einrichtung. Aber eine App, mit der die Fahrten organisiert werden, würde dazu führen, dass der Bus keine überflüssigen Runden drehen muss.“

Der 63-Jährige sieht ein, dass der Umgang mit Apps den einen oder anderen potenziellen Bürgerbus-Nutzer überfordern könnte. Im Sinne größerer Nachhaltigkeit regte Voß an, Einrichtungen wie Tauschbörse oder Repair-Café zu vernetzen. Außerdem wünscht er sich einen Unverpackt-Laden. Andere Vorschläge von Bürgern waren weniger durchdacht und weniger konkret: „Bildung ist alles und muss für alle kostenfrei sein“, war da auf einem Plakat zu lesen. „Ein eigenes Tierheim“, hatte sich ein Besucher gewünscht.

Wie es weitergeht: Dietmar Winkels verspricht, dass über die Vorschläge im Rahmen des nächsten Obleutegesprächs diskutiert wird. Lukas Maaßen geht es bei dem Bürgerforum darum, Vorschläge zu sammeln, wie man künftig in Willich noch besser leben kann.

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