Stadt Willich: Brauerei-Quartier als Schmuckstück

Stadt Willich: Brauerei-Quartier als Schmuckstück

Gestern präsentierten die Eigentümer des alten Brauerei-Geländes den Siegerentwurf: Die Fassade des Rewe-Gebäudes erhält einen Vorbau. Passage und Stadtwerke-Haus sollen abgerissen werden. Nun geht es an die Feinplanung.

"Diamant", "Schokoladenseite", "Schmuckstück": Begriffe wie diese fielen gestern häufig, als der Siegerentwurf des Ideenwettbewerbs zum alten Brauerei-Gelände in Willichs Innenstadt vorgestellt wurde. In der Tat würden die Pläne des Architekten Reinhard Angelis aus Köln - wenn sie denn tatsächlich alle umgesetzt würden - die City massiv verändern. Bisher handelt es sich erst um mehr oder weniger grobe Ideen, wie das Gelände, auf dem sich der Rewe-Markt, die Verwaltung der Stadtwerke und die Brauerei-Passage befinden, umgestaltet werden könnte. "Aber diese Ideen werden uns ein Ansporn sein", waren sich die Technische Beigeordnete der Stadt, Martina Stall, der Planungsausschuss-Vorsitzende Christian Pakusch und David Spinne als Vertreter der Familie, der das Rewe-Gebäude gehört, einig.

Zwölf Entwürfe mit unterschiedlichen Vorschlägen waren von einer 13-köpfigen Jury in der vergangenen Woche anonym bewertet worden - "und es waren viele tolle Ideen dabei", sagt Martina Stall. "Der Sieger hat das beste Kompromissangebot gemacht. Jetzt müssen wir überlegen, wie wir manche überzeugende Einzelidee noch integrieren können", so David Spinne. So schlug ein Planer vor, ein Café mit Dachterrasse auf dem Rewe-Gebäude einzuplanen, ein anderer möchte die 1000 Quadratmeter große Halle in der ersten Etage, die derzeit leer steht, als Sportstätte nutzen und aufs Dach einen Sportplatz bauen. Andere sehen in dem großen Raum einen idealen Veranstaltungsort, doch das wird laut Stall aus lärmschutzrechtlichen Gründen schwierig bis unmöglich.

Christian Pakusch (von links), David Spinne und Martina Stall zeigen den Siegerentwurf. Er wird ab dem 21. Februar bei Krücken öffentlich ausgestellt. Foto: Schütz, Marc

Der Siegerentwurf von Reinhard Angelis überzeugte die Jury, weil er sich unter anderem über die Fassade des Supermarkt-Gebäudes Gedanken gemacht hat und einen hochwertigen Vorbau aus Glas vorsieht, "um die Scheußlichkeit des Gebäudes zu kaschieren", so Spinne. Und: Angelis hat sich im Gegensatz zu anderen Planern an die Vorgabe gehalten, dass 180 ebenerdige Parkplätze erhalten bleiben müssen - was die Möglichkeiten etwas einschränkt. Und so freut sich nun auch Christian Paschertz, dem die Brauerei-Passage gehört, darüber, dass ein "realistischer Entwurf" das Rennen gemacht hat.

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Brauerei-Passage und das Gebäude, in dem die Stadtwerke sitzen und das der Stadt gehört, sollen fast vollständig abgerissen werden und ein Stück von der Grabenstraße zurückspringen, damit diese mit ihren unter Schutz stehenden Bäumen als Allee besser zur Geltung kommt. An der Ecke Graben-/Brauereistraße soll ein Einzelgebäude entstehen, in dem im Erdgeschoss Platz für großflächigen Einzelhandel ist. Und auch über das derzeit weitgehend brachliegende Grundstück gegenüber, das bis zur Kreuzstraße reicht, hat sich Angelis Gedanken gemacht. Es soll mit mehreren Häusern bebaut werden, zwischen denen verwinkelte Gassen verlaufen, sodass ein Altstadt-Charakter entsteht. Die derzeitigen Eigentümer seien "entwicklungswillig", aber beim Wettbewerb noch nicht mit im Boot gewesen, so Stall. "Wir drei, also Stadt, Christian Paschertz und die Eigentümer des Rewe-Gebäudes, wollen den Stein jetzt erst mal ins Rollen bringen, indem wir uns zusammentun", sagt Spinne, und Stall ergänzt: "Mit den Ideen kann man dann auf die anderen Eigentümer zugehen." Wichtig sei aber, so Pakusch, dass die Umgestaltung des alten Brauerei-Geländes auch allein funktioniere.

David Spinne sieht das Brauerei-Gelände auch im Kontext mit anderen Maßnahmen in Willich, wie dem Marktplatz-Umbau, aber auch der bevorstehenden Umgestaltung des ehemaligen Hospital-Geländes. "Unser Interesse ist es, die Attraktivität des Ortskerns zu steigern, damit die Stadt lebendig bleibt und man auch künftig noch Geschäfte machen kann." Dass Rewe mit seinem noch 25-jährigen Mietvertrag mitziehen wird, davon ist Spinne überzeugt. "Denn Rewe macht Geschäfte, wenn die Kunden kommen."

(RP)