Kreis Viersen: Böttcher: Nicht allein auf Wachstum setzen

Kreis Viersen : Böttcher: Nicht allein auf Wachstum setzen

Der Politiker der Grünen fordert "regionales und ökologisches Denken" in der Regionalplanung.

"Mehr regionales und ökologisches Denken fordert Manfred Böttcher in den abschließenden Beratungen über den neuen Regionalplan im Regierungsbezirk Düsseldorf. Der ehemalige Schwalmtaler Ratsherr gehört zur erweiterten grünen Regionalratsfraktion. Er bedauert, dass die Stadt- und Gemeinderäte sich bisher mehr mit den Wachstumsversprechen der IHK beschäftigt haben als mit den Stellungnahmen der Naturschutzverbände.

Vor der zweiten öffentlichen Beteiligungsrunde beim Landesentwicklungsplan sollten andere Akzente gesetzt werden. Kommunale Planung für die nächsten zwei Jahrzehnte brauche "weniger Kirchturmdenken und mehr Aufmerksamkeit für das lebendige und vielfältige Gesamtgefüge" aus wachsenden Städten und schrumpfenden ländlichen Gebieten des Großraums Düsseldorf.

"Bisher berief sich fast jede Kommune auf ihre Planungshoheit und forderte mehr Bodenanteil für Bau- und Gewerbegebiete. Dies gilt auch für Viersen und Mönchengladbach, die mit dem interkommunalen Gewerbegebiet Mackenstein im Rahmen einer Logistikregion Rheinland wertvolle Flächen opfern wollen", so Böttcher. Die grüne Regionalratsfraktion lehne das ab. Es beeinträchtige Landwirtschaft, Erholung und Artenschutz, fördere den Lkw-Verkehr auf Autobahnen und das Geschäftesterben in Innenstädten. Nachhaltige Wertschöpfung entstehe nicht im interkommunalen Konkurrenzkampf um junge Familien oder Arbeitsplätze im Niedriglohnsektor. Signale für regionale Wettbewerbsfähigkeit seien eher Solardächer, Fassadenbegrünung und volle Fahrradunterstellplätze an Betriebsgebäuden von Firmen, die im Rahmen ihrer fairen Unternehmenskultur Kindererziehung, Inklusion oder bürgerschaftliches Engagement "vor Ort" unterstützen.

"Der alarmierende Artenschutzbericht 2015 des Bundesamts für Naturschutz zeigt, wie wichtig und dringend eine ökologisch orientierte Landschaftsentwicklung ist", fährt Böttcher fort. Der Bericht könnte Mitglieder in örtlichen Planungsausschüssen motivieren, sich im Rahmen der Regionalplanung mehr als bisher für Grünzüge, Biotopverbünde oder Waldvermehrung stark zu machen.

Böttcher verweist auf die 245 Seiten umfassende Stellungnahme der Naturschutzverbände zum Entwurf des Regionalplans. Sie enthalte eine Fülle von Hinweisen, auch zu möglichen Konflikten zwischen Energiewende und Naturschutz, die durch Windenergieanlagen im Kreis Viersen entstehen können. Es lohne sich für die Stadt- und Gemeinderäte, sich intensiver mit grundsätzlichen politischen Fragen zur Ökologie, Ökonomie und der kommunalen Selbstverwaltung in der Raumplanung beschäftigen. "Wenn Mackenstein-Bagger anrollen, Immobilienwerte verfallen und Betroffene protestieren, könnte es dafür zu spät sein", warnt der Politiker der Grünen.

(RP)
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