Stadt Willich: Beim Zug in Neersen kennt man sich

Stadt Willich : Beim Zug in Neersen kennt man sich

Gewohnt familiär ging es gestern beim kleinen, aber feinen Rosenmontagszug durch Willichs kleinsten Stadtteil zu. Nach dem Umzug wurde im Wahlefeldsaal ausgiebig weitergefeiert.

Einen kleinen, aber feinen Karnevalsumzug gab es gestern in Neersen. Straßengemeinschaften, Vereine und Freundeskreise waren zusammengerückt, hatten in den Monaten zuvor fantasievolle Kostüme geschneidert oder kleinere und größere Motivwagen gezimmert. Hunderte von Mitwirkenden, die gleich zu Beginn am katholischen Gemeindezentrum bereitwillig die Kamelle, die Sträuße, das Obst oder Gemüse an die vielen Beobachter an den Straßenrändern ausgaben, kannten sich schon lange und waren daher bestens vorbereitet.

"Einige sind zusammengeblieben, auch nachdem die Kinder vom Kindergarten in die Grundschule kamen", sagte Renate Lietz. Sie war einer der "Kindsköppe", die als bunte Legosteine mitspazierten. 14 Familien hatten sich farbenprächtig zurechtgemacht. Die Farbe Blau hatten sich zum Beispiel die Freundinnen Janne und Elisa ausgesucht, die ansonsten in der 4a der Vinhovenschule sind.

Die "Kindsköppe" zogen als Legosteine durch Neersens Straßen. Die kleinen Zuschauer sammelten fleißig die Kamelle auf. Foto: Wolfgang Kaiser

Es waren aber auch kleine Gruppen, die auffielen. So das winzige Piratenschiff mit Nino (10) und Maria (11), das Manfred Königshofen aus seinem blauen Dreirad Ape Calessino gemacht hatte. Ein Freundeskreis hatte kurzerhand einen Bagagewagen in eine Arche verwandelt.

Alkoholmissbräuche oder hilflose Personen, wie einige Male tags zuvor in Anrath festgestellt, waren diesmal Fehlanzeige. Dennoch gab es einen "Verletzten". Der war allerdings aus Pappmaschee: die Straßengemeinschaft "An der alten Niersen" hatte mit ihren leitenden Oberärzten Hilmar Beck und Angelika Freiberger ein mobiles Ambulatorium dabei und erinnerte so an das Aus des Willicher Katharinen-Hospitals. Die jecke Ärzteschaft gründete halt ihre eigene Klinik an der Niers.

Solidarität und Frohsinn ist ihnen wichtig: Die etwa 40-köpfige Fußgruppe der Straßengemeinschaft "Am Tanneböschke" fühlte sich diesmal im afrikanischen Busch wohl. Zum 36. Mal zog die Gemeinschaft mit ihrer Vorsitzenden Karin Muschik beim Neersener Umzug mit. Hingegen feierten einige ihre Premiere: So brachten die Niersbienen von Inge Frey ihren zauberhaften Märchenwald und jede Menge Primeln mit. Und auch der Schlossgeister-Präsident Jürgen Leipertz schickte erstmals seine Großfamilie Meyer-Leipertz als Super Marios in den Trubel.

Nicht nur die "Unverwüstlichen" fühlten sich in ihrer Disney-World sichtlich wohl, auch der Grapentin-Clan gewährte seinen Micky- und Minnie-Mäusen freien Auslauf. Aus Anrath waren die "Aach Blenge" in den Stadtteil gekommen. Die Jecken um Ralf und Dagmar Fassbender zeigten sich kalorienbewusst, waren als Hasen kostümiert und gaben jede Menge Möhren aus.

Das diesmal in Willich fehlende Kinder-Prinzenpaar wurde eigentlich gar nicht so vermisst. Schließlich waren die Großen gekommen: Das Stadt-Prinzenpaar Wolfgang I. und Sabine II. ließ sich den Auftritt mit seinem Kabinett und den Edelweißern nicht entgehen. Der Komitee-Wagen der Schlossgeister ging ebenfalls auf Tournee.

Hinterher gab es noch eine Karnevalsparty im Wahlefeldsaal. Und Jürgen Leipertz zeigte sich noch zuversichtlich, dass es in der nächsten Session junge Tollitäten geben wird: "Zumindest ein Mädchen will dann unbedingt Prinzessin werden." Bei der Party wurde kräftig getanzt und geschunkelt. Außerdem wurde gemunkelt, dass es am 11. November auch ein Stadtprinzenpaar geben wird. Und zwar aus Reihen der Willicher Prinzengarde, die im nächsten Jahr groß ihr dann viermal elfjähriges Bestehen feiern will.

(wsc)