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Beim Slam im Schloss Neersen: Kurzweilige Slam Poetry im Ratssal

Sommerfestspiele im Schloss Neersen : Ratschlag aus dem Slam im Schloss: „Bei Durchfall besser nicht niesen!“

Sandra Da Vina bekommt in der Finalrunde den größten Beifall. Die Essenerin geht als Siegerin aus dem regionalen Dichterwettstreit, dem Slam im Schloss Neersen, hervor.

Das war eine wohl-temperierte Entscheidung des Publikums im vollbesetzten Ratssaal, weil die Slamerin Sandra Da Vina mit ihren Vorträgen eine große Breite zuließ. Ihr Witz war überraschend, sie vergaß den Tiefgang nicht und umwickelte alles mit echtem Heimatgefühl – die Essenerin hatte das Publikum von der ersten Sekunde auf ihrer Seite.

Das haben wir alle so ähnlich auch schon mal erlebt, aber wir haben es nicht bemerkt, geschweige denn aufgeschrieben. „Bei Durchfall besser nicht niesen“, riet sie und löste nicht nur in diesem Moment das Kino im Kopf aus. Sie scheute nicht vor der Klamotte zurück, als sie zitierte: „Was sagte Gott, als er das Ruhrgebiet schuf? Essen ist fertig!“ Zu diesem Zeitpunkt war ihr der Sieg längst nicht mehr zu nehmen, sie hatte ihr Publikum schon eingefangen.

Der Poetry Slam ist eine moderne Form der Dichtkunst, ein Wettbewerb der Slamerinnen und Slamer, die ihre selbst verfassten Texte vor Publikum vortragen. Die Dichterinnen und Dichter wollen überzeugen, weil das Publikum wertet. Poesie, Lyrik, Witz, Tempo, Vortag, Mimik – vieles spielt eine Rolle, um Zuhörinnen und Zuhörer in den Bann ziehen.

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Das gelang auch Lena Meckenstock, deren Hobby das Umziehen ist. Sie wählte die poetische, die manchmal melancholische Variante des Slams. Anrührend sprach sie von den letzten Momenten des Lebens, vom letzten Herzschlag, dem Beginn der ewigen Reise und der Bitte der Zurückgebliebenen: „Geh nicht so weit.“ Das war neben so viel Komik und Witz angenehm wohltuend: Rang zwei.

Eric Jansen aus Köln, nach der Finalrunde vom dankbaren Publikum mit dem dritten Rang belohnt, und Oscar Malinowski setzten wieder auf Witz, Tempo und Rasanz. Bei all dieser Schnelligkeit ging schon mal ein Wort verloren, kaum war der eine Witz gesetzt, da blitzte schon der nächste: ein Wörter-Gewitter. Überzeugend dennoch die Betrachtung von Oskar Malinoski aus Aachen über Heimwerk, Kettensäge und den Nutzen und Nutzung von Seife. Eric Jansen beobachtete Bauingenieure vor Ort, durchkämmte die musikalische Früherziehung, hier im Speziellen die Blockflöte, und stellte zum Thema Erziehung und der damit verbundenen selbst formulierten Machtfrage fest: „Ich habe mir mal gar nichts zu sagen.“

Conférencier Markim Pause führte galant und passend launig durch den Dichterwettstreit, rundete den kurzweiligen Abend ab und nährte die Hoffnung auf einen weiteren Slam im Schloss. Von allen Slamerinnen und Slamern gibt es auf Youtube Beiträge zum Nachhören und auch Nachsehen.