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Beim Landwirt Helmut Oellers aus Neersen leert sich das Kartoffellager.

Serie „Im Märzen der Bauer ...“ : Der Kartoffelberg wird abgetragen

Beim Neersener Landwirt Helmut Oellers leert sich das große Kartoffellager. Der Januar gehört insbesondere dem Abtransport der Erdäpfel und den Vorbereitungen für 2019.

Kartoffeln, so weit das Auge reicht. Bis zu einer Höhe von vier Meter stapeln sich die Erdäpfel im Kühllager der Familie Oellers. Am Boden sind indes die großen Belüftungskanäle zu sehen. Wie ein Röhrensystem führen sie in den Kartoffelberg hinein. „Für die optimale Lagerung benötigen wir Temperaturen von acht Grad, und es muss natürlich dunkel sein, damit die Kartoffeln nicht keimen“, erklärt Helmut Oellers senior, der gerade das große Tor des Lagerraums zur Seite geschoben hat, damit sein Sohn Helmut mit dem Gabelstapler einfahren kann.

Vorsichtig steuert der Junior das Fahrzeug an die Erdäpfel heran, um dann ebenso achtsam mit der Schaufel des Staplers in den gigantischen Berg einzufahren. Einen Moment danach ist die Schaufel voller Kartoffeln, und es geht zum Schüttbunker, wo abgeladen wird. Sekunden später ist das leise Surren des Förderbandes zu hören, das zum Sortiertisch führt, wo Helmut Oellers senior und seine Frau Marita inzwischen stehen. Kartoffel um Kartoffel rollt auf dem Förderband an den beiden vorbei. Zwei Augenpaare gleiten blitzschnell über die Kartoffeln, um eventuell nicht einwandfreie Knollen auszusortieren und Kartoffelkraut oder Erdknubbel zu entfernen. „Ganz wichtig ist es dabei, noch einmal auf mögliche Fremdkörper zu achten. Wobei es unsere dritte Sortierung ist. Wir kontrollieren bei der eigentlichen Ernte auf dem Roder, beim Einlagern und jetzt beim Auslagern“, sagt Marita Oellers. Fremdkörper, insbesondere Golfbälle, könnten nämlich später für wirklichen Ärger sorgen.

 Helmut und Marita Oellers prüfen an einem Förderband die Qualität der Kartoffeln und achten darauf, ob sich bei der Ernte Müll unter die Erdäpfel gemischt hat.
Helmut und Marita Oellers prüfen an einem Förderband die Qualität der Kartoffeln und achten darauf, ob sich bei der Ernte Müll unter die Erdäpfel gemischt hat. Foto: Wolfgang Kaiser
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Die Kartoffeln von Oellers sind für den niederländischen Pommes-Markt bestimmt. Die besonders weißfleischigen und extrem langen Kartoffeln der Sorte Ivory Russet, die der Neersener Landwirt anbaut, werden in den Niederlanden für bekannte Fastfood-Ketten verarbeitet. Sie kommen in eine Art riesige Waschmaschine, bei der sie nicht nur gewaschen werden, sondern in der auch Steine, sollten sie einmal durch die Sortierkontrollen geschlüpft sein, eliminiert werden. Diese setzen sich nämlich aufgrund ihres höheren Gewichtes im Wasser ab. Ist hingegen ein Golfball in der Kartoffelmenge, passiert dies nicht. Sie haben das gleiche spezifische Gewicht wie die Kartoffeln und laufen mit bis zu den Messern der Anlage, wo sie für extreme Probleme sorgen, da sie diese Messer beschädigen. „Dass wir Golfbälle schon bei der Ernte auf dem Roder finden, ist leider keine Seltenheit. Es gibt Golfer, die nicht nur auf dem Golfplatz ihre Abschläge üben, sondern auch auf den Wirtschaftswegen“, sagt Helmut Oellers senior. Daher landen Golfbälle, aber auch achtlos in der Natur weggeworfener Müll, insbesondere leere Verpackungen jedweder Art, auf den Sortierbändern des Roders.

In der großen Halle ist indes auch das lange 16 Meter lange Überlandband angelaufen. Es ist teleskopierbar und kann hin und her schwenken. Mit dem Band werden die Lastkraftwagen befüllt, die die Kartoffeln in die Niederlande transportieren. Der erste Lkw des Morgens ist so schon auf die Waage und danach unter das Überladeband gefahren. Die 25 Tonnen Erdäpfel, die auf den Wagen passen, umzuladen, dauert rund eine Stunde. „Wir müssen schonend arbeiten, damit die Kartoffeln keine blauen Flecken bekommen. Wenn eine Kartoffel zu hart fällt, passiert das. Kartoffeln leben. Die Flecken bilden sich nach rund zwölf Stunden“, informiert Helmut Oellers senior. Die blauen Flecken haben zwar keinen Einfluss auf den Geschmack, sehen aber nicht schön aus.

Kaum ist der Lkw fertig beladen und erneut über die Waage gefahren, zieht es Vater und Sohn in die nächste Halle. An der Kartoffelpflanzmaschine sind Verschleißteile zu ersetzen. „Nach der Ernte ist vor der Saat“, bemerken die beiden unisono. Der Januar wird unter anderem für die Reparaturen der Landmaschinen genutzt. Außerdem muss die Pflanzenschutzspritze zum Spritzen-TÜV gebracht werden. Alle drei Jahre wird der Ausstoß bis ins Detail gemessen. Danach klebt der entsprechende Vermerk auf der Maschine. „Landwirtschaft heißt modernste Technik und auch viel Büroarbeit“, sagt der Senior.

Im Büro geht es an die Erstellung der Nährstoffbilanz des vergangenen Jahres wie auch die Düngerbedarfsermittlung für 2019. Dazu kommen die Ackerschlagkarteien, die die Arbeit auf dem Feld dokumentieren. Außerdem gilt es, die Zertifizierung nach Global G.A.P. vorzubereiten. „Die Zertifizierung erfolgt jährlich“, erklärt Helmut Oellers junior, der seinen Master in Agrarwissenschaften mit dem Schwerpunkt Nutzpflanzenwissenschaften abgelegt hat und damit die landwirtschaftliche Tradition auf dem Hof fortführt.

Für Helmut Oellers senior, der auch der Willicher Ortslandwirt ist, stehen im Januar außerdem etliche Termine in dieser Funktion an. Auch wenn es auf den Feldern im Januar noch ruhig zugeht, so reißt die Arbeit auf der landwirtschaftlichen Anlage im ersten Monat des neuen Jahres nicht ab.