Stadt Willich: Baby geschüttelt — Haftstrafe

Stadt Willich: Baby geschüttelt — Haftstrafe

Ein 27-Jähriger aus Willich muss für zwei Jahre und acht Monate ins Gefängnis. Der Mann hatte vor dem Amtsgericht Krefeld gestanden, seinen damals vier Monate alten Sohn beinahe zu Tode geschüttelt zu haben.

Wegen schwerer Körperverletzung muss ein 27-jähriger Mann aus Willich für zwei Jahre und acht Monate ins Gefängnis. Das Amtsgericht Krefeld verurteilte den jungen Mann am Donnerstag zu dieser Haftstrafe.

Er hatte zuvor gestanden, im Januar vergangenen Jahres seinen als Frühgeburt untergewichtig zur Welt gekommenen Sohn in der Wohnung der Willicher Familie so heftig geschüttelt zu haben, dass der Säugling lebensgefährliche Hirnblutungen davontrug.

Die Kontrolle verloren

Der Familienvater hat zusammen mit seiner sechs Jahre jüngeren Frau insgesamt drei Kinder. Die Mutter war zum Tatzeitpunkt einkaufen. Als der vier Monate alte Sohn nach dem Essen weinte, habe er die Kontrolle verloren, räumte der Vater vor Gericht ein. Er habe das Kind mehrmals heftig geschüttelt und dann wieder hingelegt. Schließlich habe er festgestellt, dass das Baby "komische Geräusche" machte. "Er röchelte", sagte der Vater. Dann habe er Hilfe geholt.

  • Willich : Baby beinahe zu Tode geschüttelt

Das Kind wurde mit Verdacht auf ein Schütteltrauma ins Helios Klinikum in Krefeld eingeliefert. Der Kinderarzt, der den Jungen untersucht hatte, gab in der Verhandlung an, eine Hirnblutung habe eine Schrumpfung des Hirngewebes verursacht. Dadurch wachse der Kopf nicht ausreichend. Der Zustand des Jungen sei lebensbedrohlich gewesen. Der Säugling habe nicht geatmet und musste mehrere Tage lang künstlich beatmet werden.

Aufgrund des Vorfalls ist das Kind geistig und körperlich behindert, führten mehrere Ärzte aus. "Ein Schütteltrauma ist ein lebensbedrohlicher Vorgang", sagte ein Rechtsmediziner. Die Prognose sei in solchen Fällen sehr schlecht, mindestens 80 Prozent der Betroffenen trügen bleibende Schäden davon. Alle Folgen könne man heute noch nicht absehen. Möglich seien Entwicklungs- und Hörstörungen sowie spastische Lähmungen und sogar Blindheit.

Eine Kinderärztin berichtete, der Junge befinde sich seitdem in medizinischer Behandlung und habe lediglich 50 Prozent der intellektuellen Fähigkeiten, die er haben müsste. Er könne nicht alleine sitzen, obwohl er inzwischen schon älter als ein Jahr ist. Ob er Laufen lernen wird, ließe sich noch nicht sagen.

Vor Gericht zeigte sich der Angeklagte tief betroffen. Das Gericht ging von einer Spontantat aus und nahm einen minderschweren Fall an. Wie ein Sachverständiger ausführte, habe der Mann bisher kein ausgeprägtes aggressives Verhalten gezeigt. Die Staatsanwältin hatte drei Jahre Haft gefordert.

(RP)