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Autokino in Willich: Das Auto wird zum Wohnzimmer auf vier Rädern

Auf dem Willicher Schützenplatz : Mit der Kühltasche ins Kino

Beim Besuch des Autokinos in Willich wird das Auto zum Wohnzimmer auf vier Rädern. Viele haben es sich zu einem gemütlichen Filmabend gemütlich gemacht. Bei unserem Gewinnspiel sind Freikarten zu gewinnen.

Mit einem leisen Surren befördert die Scheibenwaschanlage eine Wasserladung auf die Frontscheibe. Ein kurzes Wischen der Scheibenwischer, dann kommt eine Hand in einem grünlichen Wischhandschuh dazu. „Wir möchten beste Sicht haben“, sagt Yvonne lächelnd, die gerade aus dem Wagen ausgestiegen ist und energisch über die Frontscheibe putzt. Danach geht es zurück ins Auto, wo es sich Tochter Lisa Marie schon auf dem Beifahrersitz bequem gemacht hat. „Wir haben alles für einen gemütlichen Mutter-Tochter-Abend dabei. Meine Tochter hatte sogar eine besondere Überraschung für mich“, erzählt Yvonne und hält zwei Prosecco-Dosen in die Höhe. „Prost Mama Yvonne“ ist auf der einen zu lesen, während der Schriftzug „Lisa Marie, ganz die Mutti“ die andere Dose ziert. Knabbereien wandern von der Rückbank nach vorne. Der Abend im Autokino kann beginnen.

Es ist kurz vor 19.30 Uhr, und auf dem Willicher Schützenplatz stehen 100 Autos im Halbrund vor der acht Meter hohen und 14 Meter breiten Leinwand, die in einer Höhe von vier Metern aufgebaut ist. In etlichen Fahrzeugen sind Fahrer oder Beifahrer damit beschäftigt, das Autoradio auf die vorgegebene Frequenz einzustellen. „UKW/FM 92,3“ ist auf der Leinwand zu lesen. Der Ton zum Film kommt nämlich über das Autoradio. „Ab und zu werden wir schon mal um Hilfe gebeten, wenn jemand nicht weiß, wie er die Frequenz einstellen muss“, sagt Simon, der zum Technik-Team des Willicher Autokinos gehört und in Richtung Technik-Container unterwegs ist, von dem aus er alles steuert.

Sein Kollege Johann macht indes die Einfahrt dicht, durch die jedes Auto gefahren ist, um auf den Platz zu gelangen. Bei der Einfahrt wird der QR-Code auf dem Handy oder als ausgedrucktes Ticket durch die geschlossene Scheibe gescannt. Danach weisen die Mitarbeiter die Wagen ein. Acht Reihen stehen zur Verfügung, dazu kommt eine neunte, in die Fahrzeuge von einer Höhe über 1,80 Meter müssen. „Von allen Plätzen ist die Sicht hervorragend“, betont Projektleiter Markus Brinkmann.

In etlichen Autos ist bereits das Knistern von Chipstüten zu hören. So auch bei Julie und Larissa. „Wir haben Nachos und Tortillas samt Dips sowie Getränke mitgenommen – und natürlich auch was Süßes. Wir sind gut für einen gemütlichen Abend eingerichtet“, sagt Larissa, die die Idee zum Autokino-Besuch hatte. Im Nebenauto sitzen Tim und Janik, nicht minder gut ausgerüstet. Auf dem Rücksitz stapeln sich Getränke, Süßes und Herzhaftes. „Den Grill haben wir leider vergessen“, scherzt Tim.

Ein aromatischer Geruch nach warmem Essen strömt aus einem weiteren Wagen. Vanessa und Lisa hantieren mit Gabeln in Kartonverpackungen. „Wir haben uns bei Stückwerk mit Nudeln eingedeckt, schließlich wollen wir die Gastronomie vor Ort auch stärken“, erzählt Vanessa. Die Pizzabrötchen seien dann der Nachtisch, fügt ihre Beifahrerin Lisa an. Auf dem Cockpit stehen zwei Pappbecher mit Strohhalmen. Es handelt sich um einen Hugo, wie die beiden jungen Frauen verraten. Für sie ist es bereits der zweite Film im Willicher Autokino. „Beim ersten Mal waren wir im ,König der Löwen’. Uns hat es sehr gut gefallen, also sind wir wieder hier“, sagt Vanessa.

Eine Premiere ist es hingegen für Vera und René, die mit ihren Töchtern Lotta und Hanna angereist sind. „Ich hatte die Idee. Wir haben das Auto vollgepackt, noch Popcorn gekauft und sind losgefahren“, sagt Vera, die es sich mit Hanna samt deren Kuscheltier auf den Rücksitzen bequem gemacht hat, während ihr Mann mit Lotta und einem großen Plüschelefantenkissen die vordere Reihe in Beschlag genommen hat.

Überall haben es sich die Insassen in den Autos bequem gemacht. Nackenkissen, weit zurückgeschobene Autositze und erwartungsvolle Gesichter sind zu sehen. Auf so manchen Rücksitzen steht sogar eine Kühltasche. Eisgekühlte Getränke und Eis am Stiel werden hinter den Autoscheiben genossen. Kino-Feeling pur, nur dass man sich im Autokino zu Zeiten von Corona alles von daheim mitbringen muss, was sonst an der Kinokasse eingekauft werden kann.

Dann geht es los. „The Greatest Showman“ läuft auf der gigantischen LED-Wand an. Sorgen, dass aufgrund der Radiolaufzeit ein Auto eventuell aufgrund einer schwachen Batterie nicht mehr anspringt, muss übrigens keiner haben. „Wir sind mit Starthilfekabel und Co. ausgerüstet. Zwei Autos pro Vorstellung bleiben in der Regel liegen“, sagt Simon.