Ausstellung „Zukunft braucht Erinnerung“ in Schloss Neersen

Ausstellung in Schloss Neersen : Eine Sammlung aus Erinnerungen

Am Sonntag, 17. November, wird im Schloss Neersen die Ausstellung „Zukunft braucht Erinnerung“ eröffnet. Margarete Schopen-Richters Sammlung ist Ausdruck einer anregenden Identitätssuche.

Ein beträchtlicher Teil der Objekte ist dem Betrachter vertraut und führt ihn gedanklich in die persönliche Vergangenheit. Margarete Schopen-Richters Sammlung ist eine Identitätssuche, die den Besucher mitnimmt auf eine Zeitreise mit einer Gemengelage von Gefühlen und Gedanken. Unter dem Titel „Zukunft braucht Erinnerung“ beschließt Schopen-Richter in der Galerie Schloss Neersen das diesjährige Jahresthema „Sammeln“.

Als Jugendliche wusste sie, dass der elterliche Vierkanthof und der Heimatort Otzenrath dem Braunkohletagebau würden weichen müssen. Als Otzenrath zum Geisterdorf wurde, suchte sie nach Dingen und damit verbundenen Emotionen, um beides vor dem Verschwinden zu retten. „Ich sammele nicht wahllos. Richtschnur für mich ist, dass mich das Material berührt. Ich suche in der Vergangenheit ein letztes Teil der Familiengeschichte“, erzählt die Sozialtherapeutin mit Schwerpunkt Kunst und Gestaltung, die auch selbst künstlerisch arbeitet.

Die Exponate sind in der Galerie bereits aufgebaut. Foto: Jutta Saum

Den Fundus von angebrochenen Farbeimern, Fliesenstücken, Resten von Tapeten sowie Fußbodenbelägen und mehr verwertet sie in Malerei, Objekt, Installation und Assemblage. Dies betrachtet sie als eine Erkundung der aktuellen Verfassung und eine Art Versöhnung von Situationen und Empfindungen, über die nie gesprochen wurde und die auf diese Weise nachträglich eine Wertschätzung erfahren. „Das, was ich bin, bin ich auch über meine Familie“, betont Schopen-Richter. Über die Auswahl stellt sie die Brücke zur Erfahrungs- und Empfindungswelt des Betrachters her. Das auf dem Boden aus alten Backblechen installierte Kreuz von Otzenrath birgt zurückgebliebene Alltagsdinge, die als Relikte Zeugnis ablegen. Ein alter Bäckereitisch unter drei Gittern, die unschwer ihre frühere Schutzfunktion für Kapellenfenster erkennen lassen, strahlt verlässliche Erhabenheit aus. Schopen-Richter arbeitet oft mit der Akkumulation. Stücke von Fußbodenbelägen und Tapetenreste wurden über Collage zu Mosaikstücken eines Zeitteppichs mit Gebrauchs- und Verschleißspuren. In der Ausstellung steht das Sofa, das vor Schopen-Richter die Großmutter und die Mutter nutzten. Darüber hängen Schrankbretter, zwei ergänzt um angedeutete Porträts, zwei noch leer. „Da kommt noch etwas, mal sehen“, sagt Schopen-Richter im Bekenntnis zum Prozesscharakter der Sammlung.

Margarete Schopen-Richter. Foto: Jutta Saum

Eine Objektansammlung mit gefundenen und collagierten Dingen zum Thema Weihnachtsfest deutet familiäre Rituale an. Die Architektonik von gestapelten Schubladen unterschiedlichster Möbel assoziiert über offene und verdeckte Behältnisse die Auseinandersetzung mit freigelegten und überdeckten Erinnerungen. Griffelkasten und Schiefertafel dürften Ältere an die eigene Schulzeit erinnern. „Da schwingen Augenblicke mit, die mich sehr geprägt haben“, sagt die Künstlerin.

„Bei den Besuchern kommen sicher viele eigene Erinnerungen hoch“, mutmaßt Kuratorin Jutta Saum. Die Kunsthistorikerin ist überzeugt, dass Schopen-Richters Auseinandersetzung mit der eigenen Familiengeschichte auch anderen Anreiz ist, über die eigene Verwurzelung nachzudenken.