Ausstellung Silke Parras in Neersen

Städtische Galerie in Schloss Neersen : Die Behaglichkeit im Wandel der Zeit

Am Sonntag wird im Schloss Neersen in der städtischen Galerie die Ausstellung „Gemälde und Zeichnungen“ der Künstlerin Silke Parras aus Rees eröffnet.

So ein Möbel dürften die meisten Besucher in schloss Neersen noch von irgendwoher aus dem familiären Umfeld kennen: Die älteren vielleicht von den eigenen Eltern, und Vertreter mittleren Alters wenigstens von der Großelterngeneration. Und doch bietet die Künstlerin Silke Parras aus Rees am Niederrhein den Betrachtern ihrer großformatigen Ölbilder kein wirkliches Déjà vu, obwohl die Kompositionen der gegenständlichen Malerei verhaftet und detailgetreu gestaltet sind. Schatten sind gegeben, doch nicht um ein Motiv in einen Raum einzubinden. Irritierend wirkt schließlich die Nüchternheit über die dargestellte Leere wuchtiger Anrichten, die so ihrer eigentlichen Funktion beraubt scheinen und beinahe verloren wirken.

„Mich interessiert die Ambivalenz der gemischten Gefühle, so eine Art Hassliebe. In den Wohnungen der Großeltern und Eltern strahlen die Möbel Gemütlichkeit aus, dabei unterliegen sie aber nicht dem eigenen Geschmack“, sagt die 41-jährige Künstlerin, die an der Hochschule für Künste in Bremen studiert hat. Ergänzend zu den großformatigen, zweigeteilten Möbelbildern in Öl zeigt sie kleinere Arbeiten mit Motiven, wie Eckregal oder Löffelhalter, die auf sich selbst zurückgeworfen sind und damit ihrer Gegenständlichkeit zum Trotz einen abstrakten Aspekt gewinnen.

Auf den ersten Blick vollkommen verschieden von den Ölbildern, entfalten sich die Farbstiftzeichnungen als narratives Pendant. Über die Zeichnungen hält eine persönliche Ding- und Erinnerungswelt Einzug mit Bezug zu einer zurückliegenden Empfindungs- und Erfahrungswelt. Die Zeichnungen assoziieren alte Urlaubsfotos, Dekorationen, Arrangements von Topfpflanzen. Im Gegenentwurf zur akribischen Genauigkeit der Ölbilder setzt die Künstlerin hier zuweilen auf grelle Farben, die sie mitunter verwischt und atmosphärisch auflöst. „Bei den Möbelbildern ist alles genau geplant, die Zeichnungen können sich während der Arbeit entwickeln“, erklärt Parras. Ausgerechnet „Ereignis“ heißt das für die Ausstellung titelgebende Bild mit einem unaufgeregt anmutenden Stillleben von Topfpflanzen auf einem Blumenhocker.

„Ein Titel sollte ein Bild nicht erklären müssen. Ich habe mich gefragt, was war der Grund, das Motiv zu fotografieren. War es vielleicht die Lichtwirkung, waren es die Blüten der Bromelie?“, sagt dazu die 41-jährige Künstlerin, die auf Fotos aus dem familiären Umkreis oder erweiterten Bekanntenkreis reagiert. Ob ein Foto Impuls für eine Arbeit wird, hängt für sie von unterschiedlichsten Faktoren ab, etwa von der scheinbaren Vertrautheit oder Häufigkeit eines Motivs, wie das des Weihnachtsbaums in Familienalben. „Ich gehe von meinen Empfindungen, Erinnerungen aus, teilweise sehr intuitiv“, sagt Parras. In der Konstellation entfaltet die Ausstellung einen stark erzählenden Charakter. Im Miteinander ergeben sich Fragen über Heimat, Identität und Wohnen im Wandel der persönlichen Auffassung, die immer auch an eine Zeit gebunden ist. Eine dicht arrangierte Bilderwand verschiedener kleiner Zeichnungen wirkt wie ein Schlusspunkt und ist Sammelbecken mit gegenständlichen und abstrakten Bezügen. Die Motive der Ölbilder fehlen hier. „Möbel habe ich bisher nicht gezeichnet, sondern immer in Originalgröße gemalt. Doch da weiß ich nicht, was noch kommen wird“, sagt Silke Parras.

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