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Ausstellung mit Fotografien der Sammlung Barbara und Horst Hahn in Schloss Neersen

Ausstellung mit Bildern der Sammlung Barbara und Horst Hahn : Fotogeschichte aus dem Blick des Sammlers

Am Sonntag wird im Schloss Neersen die Ausstellung mit Fotografien der Sammlung Barbara und Horst Hahn eröffnet.

Die Freundschaft zu L. Fritz Gruber, dem langjährigen Leiter der Photokina, entzündete in Horst und Barbara Hahn die Leidenschaft für die Fotografie. „Erst gab es zwischen uns einen Gedankenaustausch und später einen BiIderaustausch“, sagt Horst Hahn. Mit Ehefrau Barbara hat der ehemalige Restaurator in beinahe 45 Jahren eine Sammlung von etwa 1300 Fotografien zusammengetragen. Einhundert davon zeigt er ab Sonntag im Schloss Neersen.

Die Schau vollzieht einen großen Bogen mit Abzügen aus der Anfangszeit der Fotografie bis zur Gegenwart. Zu sehen sind Meisterwerke, die Wendepunkte markieren, wie auch Fotos, die Schlaglichter auf zeitgeschichtliche Ereignisse werfen. Zu jedem Foto wissen die beiden Sammler Geschichten zu erzählen über Herkunft und Erwerb, über Besonderheiten der Motive und aufnahmetechnische Eigenarten. „Für uns sind auch immer die Geschichten wichtig. Geschichten, die die Bilder erzählen, und Geschichten, wie sie in die Sammlung kamen. Sammeln mit wenig Geld ist eine Kunst“, erzählt der ehemalige Restaurator, der auch in der Kapelle Klein Jerusalem gearbeitet hat.

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Wie die Sammlung über eine Freundschaft ihren Anfang nahm, so wuchs sie zuweilen über persönliche Wertschätzung. Ein israelischer Fotograf brachte zu Besuchen in Deutschland dem Ehepaar anstelle von Blumen immer eine Fotografie mit. Manche Fotos kamen über Tausch in die Sammlung, wieder andere wurden mit viel Liebe und Geduld aufgespürt.

Die Ausstellung an den Wänden ist ergänzt um Exponate in zwei halbhohen Vitrinen. Darin zu sehen sind unter anderem Beuys’ „Landzeichnungen“ und „Naturerfahrung in Afrika“, fotografiert von Charles Wilp. Die Auswahl insgesamt gibt Einblick in verschiedene Schwerpunkte: Bilder zum ersten Mai, Fotografien aus der ehemaligen DDR, ein Konvolut US-amerikanischer Arbeiten, darunter beeindruckende Motive der Dorothea Lange, und Fotos aus dem deutschen Umfeld. Zu den Meilensteinen zählt Alexander Rodtschenkos „Treppe in Odessa“. Die Treppe wurde bekannt durch den Film „Panzerkreuzer Potemkin“, in dem ein Kinderwagen zum Entsetzen einer Mutter die Stufen hinunterrollt. Rodtschenko kehrt die Szene um und zeigt stattdessen eine Mutter mit Kind die Treppe hinaufsteigend.

Barbara Hahn verweist auf starke Perspektivveränderungen in El Lissitzkys Arbeiten als ein Merkmal russischer Avantgardisten. Der Künstler habe die Aufnahmen schon wegwerfen wollen, sei dann aber ihretwegen in die High Society aufgestiegen, berichtet Horst Hahn vor Man Rays Porträts in Doppelbeleuchtung. In Doppelbeleuchtung inszenierte Edmund Kesting auch einen beeindruckenden Totentanz mit Skeletten im zerstörten Dresden.

Ein Zeitdokument ist ebenso die Aufnahme der ersten Nachkriegsfronleichnamsprozession im zerstörten Köln. Herman Claaßen habe die Aufnahmen gemacht, obwohl es damals verboten gewesen sei, erzählt Horst Hahn. Er zeigt auf Nahtstellen als Spuren einer Aneinanderreihung von drei gleichen Fotos, die die Prozession unendlich lang erscheinen lassen.