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Ausstellung im Schloss Neersen präsentiert die Sammlung Fochem.

Ausstellung im Schloss Neersen : Persönliche Schätze eines Galeristen

Eine Ausstellung im Schloss Neersen präsentiert zum ersten Mal die Sammlung von Dagmar und Christian Fochem. Der Krefelder Galerist, der im Dezember 2016 starb, hat sich 33 Jahre für „seine Künstler“ engagiert.

Im Durcheinander der Hängung fallen sie sofort als ein Pol der Ruhe auf: sechs Schwarzweiß-Fotografien von Hilla und Bernd Becher mit Wassertürmen. Ausgewählt sind verschiedene Standorte, nicht nur das Ruhrgebiet (Zeche Concordia Oberhausen), sondern auch Mannheim, Verviers in Belgien, Kirkhamgate bei Leeds in England und Greencastle in Pennsylvania/USA. Und wer die Ausstellungen der ehemaligen Galerie Fochem an der Wallstraße in Krefeld kennt, wird sofort die Arbeiten einiger Künstler wiedererkennen. Denn das Sammlerpaar Fochem hat vorwiegend das gesammelt, was vorher in der Galerie ausgestellt worden war. So ist die Ausstellung gleichzeitig auch eine Retrospektive über die Galerietätigkeit und die Freundschaften zwischen Künstlern und Galerist.

Doch dieser Kontext ist gar nicht so entscheidend. Kuratorin Jutta Saum, die für dieses Jahr das Ausstellungsthema Sammeln ausgegeben hat, gelingt mit dieser ersten Ausstellung im neuen Jahr gleich ein besonders spannendes Kunst-Erlebnis im Schloss. Die Ausstellung ist gleichermaßen beeindruckend, hochwertig, witzig und verspielt. Man spürt die private Vorliebe fürs Skulpturale und Grafische, manchmal auch die enge Verknüpfung wie bei Ingo Ronkholz, der gleich mit mehreren Blättern und zwei Skulpturen in der Ausstellung vertreten ist. Die rohen schweren Klötze aus Eisen werden in „Bildhauerskizzen“ auf Papier vorgefühlt.

In der Ausstellung wird „Die Büchse der Pandora“ geöffnet, eine schwere Kiste aus Stahl von Sandro Antal, der im Inneren Kerzen verstaut hat. Sehr schwer ist auch das „Mondfeld“ von Jindrich Zeithammel. Diese sehr schöne Arbeit mit Blattsilber auf Holz war einst hellglänzend und ist, wie Sammlerin Dagmar Fochem erzählt, durch die Patina noch schöner geworden.

Im Kontrast dazu stehen wiederum viele Arbeiten, die leicht und filigran für sich einnehmen. Andreas Bee verklebt aus Papierschnipseln fragile Halbkugeln, leere Gefäße, die nichts aufnehmen können und die sich beim leisesten Windhauch bewegen. Das passiert auch bei den wunderbar verspielten kinetischen Objekten von Günter Haese. Diese Drahtgeflechte mit Spiralen wirken wie Uhrwerke ohne Zeit. Peter Vogels Leuchtkopf wird bei der Eröffnung blinken, nur die wunderbare wie sinnlose Drahtmaschine „Schlapper Reifen II“ von Harry Kramer wird wohl nicht in Bewegung gesetzt, weil das Gummiband sonst schlapp machen könnte.

Die Sammlung zeigt auch deutlich Christian Fochems Vorliebe für „leise“ Kunst, für den kleinen Effekt. Dafür steht Doris Kaisers Wandobjekt aus gebranntem Ton, in den allein ein horizontaler Strich geritzt ist. Oder Harald Kröner, der mit Knicken im Papier und wenigen Farbklecksen eine ganz eigene Welt entwirft. Da ist Herbert Zangs mit seinem Scheibenwischerbild ja fast schon wieder vorlaut.

In vielen Objekten lässt sich Humor und Ironie nicht verstecken. Max Müller hat ein Stück Holz mit der Kettensäge bearbeitet, entstanden ist ein liegendes Schwein. Pavel Schmidt bringt Saugglocken zur Abflussreinigung in seinen Objekten in neue Zusammenhänge: „Schottenpümpel“ oder „Der Retter Red“. Imi Knoebel steuert einen leeren Keilrahmen bei, Lutz Weidler versteckt in „Tapetenfisch“ ein Objekt in einer stark gemusterten Fläche. Dagegen ist der Beuys-Schriftzug „Rose für direkte Demokratie“ auf einem Meßzylinder gar nicht mehr so lustig. Der Schriftzug „Für immer“ von Monika Nelles erinnert an eine Aktion der Künstlerin, die die Galerie in einen Supermarkt des Überflusses von „nichts dahinter“ verwandelte. Ganz früher hat Christian Fochem selber „Kunst gemacht“. Er variierte den Buchstaben „Y“. Schon zu seiner Studentenzeit gründete er die Gesellschaft zur Erforschung der Monolettrie. Doch dann verlegte er sich mit seiner Galerie auf die Erforschung der Krefelder und rheinischen Kunstszene. Ein Glücksfall.