Ausstellung im Kulturforum Neersen zum 25-jährigen Bestehen

Kulturforum Neersen : Mit einer Vernissage ins Jubiläumsjahr

Mit den Werken von 25 Künstlern feierte das Kulturforum Neersen sein 25-jähriges Bestehen. Unter dem Titel „Retrospektive“ lockte eine Vernissage zahlreiche Besucher ins Gründerzentrum Willich.

„Wir feiern heute gleich zwei Jubiläen. Unser Gründer wurde 75, und unser Kulturforum Willich wird 25 Jahre alt“, begrüßt Beate Krempe die zahlreich erschiene­nen Besucher im Gründerzentrum Willich. Ein Satz, der den Gründer Wolfgang Boochs zu einer kleinen Bemerkung reizt. „Es wäre ja schöner, wenn es andersherum wäre. Ich 25 und das Forum 75 Jahre“, sagt der Neersener. Die Vorsitzende und der Zweite Vorsitzende erinnern an die Anfänge und lassen 25 Jahre noch einmal im Schnelldurchgang Revue passieren. Mehr als 70 Ausstellungen mit den verschiedenen Künstlern, präsentiert in einem Vierteljahrhundert, kann sich der Verein auf seine Fahnen schreiben.

Dazu kommt ein künstlerisches Netzwerk weit über die Grenzen von Deutschland hinaus, das bis heute funktioniert. So sind es Werke von Künstlern aus zehn Nationen, auf die sich die Besucher bei der Vernissage der Ausstellung „Retrospektive“ freuen können. Wobei Boochs jeden Künstler kurz vorstellt. Die weiteste Anreise hat Leysa Ortynska. Die aus der Ukraine stammende Künstlerin lebt in Paris. „Ich habe auch in Düsseldorf gearbeitet und so Wolfgang Boochs kennengelernt. Der Kontakt ist nie abgerissen“, berichtet Ortynska.

In ihrer einführenden Rede spricht Monika Werhahn-Mees, die eine Stiftung für ein Kulturhaus in Armenien ins Leben rief und eng mit dem Kulturforum Willich verbunden ist, vom Gründungsvater als einem Visionär, einem Anstifter und einem Initiator. „Deine Kunst ist es zu inspirieren, etwas anzuregen und dadurch in Gang zu setzen“, beschreibt sie das Geburtstagskind.

Wolfgang Boochs hat aber nicht nur den Verein gegründet, sondern zum Jubiläum auch eigene Werke mitgebracht. Ein Stillleben und großrahmige Blumenbilder sind Ausdruck seiner Inspiration. Krempe verzaubert die Besucher mit Kreide und Kohle. Damit hat sie ausdrucksstarke Kinderbilder entstehen lassen, die die Besucher berühren. Farbenintensiv sind die großrahmigen Arbeiten von Waleed Ibrahim. Die Frauen auf den Bildern des aus Syrien stammenden Künstlers scheinen innerhalb der Farbenflut zu leben.

Ein Hingucker ganz anderer Art ist das klar strukturierte Bild von Menia, das direkt über dem Treppenaufgang hängt und damit jedem unweigerlich ins Auge fällt. Die Polin hat Donald Trump mit einem dümmlich überheblichen Grinsen auf Leinwand festgehalten. Ein US-Präsident, der auf einer Art Thron sitzt, der wiederum auf einer Weltkarte steht. In der linken Hand einen Golfschläger und in der Rechten eine blaue Taube, die Mengen von Kot absetzt. Statt Sternchen sind auf der amerikanischen Flagge Kreuze zu sehen. „Mit diesem Bild möchte ich den Ruck nach rechts, den wir derzeit erleben, dokumentieren“, sagt die Künstlerin.

Ein Bild, das ganz anders anspricht, ist das Werk von Leysa Ortynska. Es zeigt einen kleinen Jungen an einem Tisch sitzend. Er hat den Kopf auf die Arme gelegt und beobachtet voller Hingabe zwei Schnecken, die auf einer kleinen Pyramide krabbeln. „Ich habe es vor zwei Jahren gemalt. Es ist mein Sohn, der damals mit dem wachen Interesse eines Kindes Schnecken beobachtet hat“, sagt die Künstlerin.

Vollkommen ungewöhnliche Materialien kommen bei Juan Collantes zum Einsatz. Der aus Peru stammende Künstler nutzt unter anderem Pizzakartons und Reissäcke für seine Holzschnitte. Reine Geometrie in Farbe macht das Werk von Rolf Erkens aus, während bei der Bulgarin Sonia Ruskow in dem Bild des hockenden Menschen eine Collage steckt.

Eine Etage höher im Willicher Gründerzentrum zieht der Harlekin in dominierendem Rot die Augen der Besucher besonders an. Eine Arbeit der aus Georgien stammenden Anna Seropian.