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Stadt Kempen: Auf frühe Bach-Werke konzentriert

Stadt Kempen : Auf frühe Bach-Werke konzentriert

In zweierlei Hinsicht war das jüngste Konzert der Reihe "Kempener Orgelkonzerte" etwas Besonderes: Der Titular-Organist der Brüsseler Kathedrale St. Michael und St. Gudula, Bart Jacobs, stellte wenig oder völlig unbekannte Werke des jungen Johann Sebastian Bach (1685-1750) vor, und der belgische Gast hatte sich beim Proben auf der Orgel im Franziskanerkloster dafür entschieden, die Technik außen vor zu lassen und sich statt dessen den benötigten "Orgelwind" von einem Kalkanten liefern zu lassen. So konnten die in ansehnlicher Zahl zur Paterskirche gekommenen Konzertbesucher neben dem Lauschen auf nicht alltägliche Klänge der kräftezehrenden Arbeit eines Bälgetreters zusehen.

Bart Jacobs (*1976) studierte Orgel, Cembalo und Basso continuo am Lemmens-Institut in Leuven und beschäftigte sich schon damals mit Fragen der authentischen Aufführungspraxis. 2004 erregte der weitgereiste Konzertorganist und -cembalist in der Fachwelt Aufsehen mit einer Einspielung früher Bachwerke, die sich durch Temperament und jugendliche Frische, teils auch durch Virtuosität auszeichnen.

Jacobs begann seine Vortragsfolge mit einem wie improvisiert erscheinenden Präludium und einer formal genau durchdachten Fuge g-Moll BWV 535a - entstanden 1707 - deren letzte, verloren gegangene Seite der Niederschrift der Interpret rekonstruiert hatte.

Nur zwei Jahre später, in Bachs Weimarer Zeit, entstand die Canzona d-Moll BWV 588, die süddeutsch-italienische Einflüsse erkennen lässt. - Zwanzig Jahre jung war der Komponist, als er in Arnstadt die dreiteilige Fantasie in G BWV 571 schrieb - doch manche Musikforscher bezweifeln die Echtheit. Sei's drum - Jacobs stellte mit zupackender Musizierfreude und hohem technischem Vermögen ein äußerst farbiges Werk vor. Auch die Autorenschaft der umfangreichen Partita über den Choral "Ach, was soll ich Sünder machen" (Lüneburg, um 1700) ist nicht ganz gesichert. Hier verstand es der belgische Gast, der reichen Registerfülle der für diese Musik wie geschaffenen Paterskirchen -Orgel immer wieder überraschende Klangkombinationen zu entlocken. Den festlichen Abschluss bildeten Präludium und Fuge a-Moll BWV 551, ebenfalls aus der Lüneburger Zeit.

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Besondere Glanzlichter setzte Jacobs mit Bearbeitungen von "Sinfonien", also Orchestereinleitungen von Kantaten, die er für Orgel bearbeitet hat. Neben "Der Herr denket an uns", BWV 196 (1708) und "Christ lag in Todesbanden", BWV 4 sei besonders die Orgelübertragung der Sinfonia aus der Kantate "Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit" BWV 106 erwähnt. Hier kamen vor allem die prägenden Flötenstimmen wunderschön zur Geltung.

In den herzlichen, mit einer Zugabe bedachten Applaus bezog der Interpret zu Recht auch seinen ausgezeichneten Kalkanten mit ein.

(RP)