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Stadt Willich: Auf der Suche nach Sportlehrern

Stadt Willich : Auf der Suche nach Sportlehrern

Ein Erlass des NRW-Schulministeriums besagt, dass nur studierte oder besonders qualifizierte Fachkräfte Grundschulkinder im Sportunterricht anleiten dürfen. Die Schulen in Willich und Tönisvorst stellt das vor Probleme.

Renate Küsters ist frustriert. Sie ist gerade mit dem Erlass des NRW-Schulministeriums beschäftigt, wonach ab sofort nur studierte oder besonders qualifizierte Fachkräfte die Kinder im Sportunterricht anleiten dürfen.

Die Leiterin der Gemeinschafts-Grundschule in Wekeln muss den Stundenplan ändern. Bislang haben ihre Schüler drei Stunden Sport in der Woche, bei zwölf Klassen sind dies insgesamt 36 Stunden. Und Renate Küsters geht davon aus, dass zumindest bis zu den Sommerferien bis zu 24 Stunden wegfallen könnten, da Kolleginnen erst noch die Qualifikations-Kurse besuchen müssen.

Viele Leiterinnen sind der gleichen Auffassung wie Renate Küsters: "Ich hatte bis zuletzt darauf gehofft, dass erst einmal eine Übergangszeit festgesetzt wird, in der qualifiziert werden kann, und dass dann nachfolgend die Umsetzung des Erlasses folgt." Genau das sagt auch die Leiterin der Grundschulen von Oedt und Grefrath, Berrit Liebisch-Wiggert.

Zurück zur Grundschule in Willich-Wekeln: Dort gibt es zum Beispiel eine Fachkraft mit reduzierter Stundenzahl (zehn Stunden), die auch noch Klassenlehrerin ist. Eine zweite arbeitet dort zwölf Stunden in der Woche, unterrichtet davon bereits sechs Stunden Sport. "Wie soll das funktionieren?

Kolleginnen haben vorgeschlagen, statt des Sports Bewegungsspiele zu machen, aber auch dabei kann was passieren - und dann?", rätselt Küsters. Sie kann nur hoffen, dass zumindest eine Kollegin jetzt schnell die Qualifikation machen kann, sagt aber auch: "Bei dem Ansturm, der jetzt herrscht, ist das sehr zweifelhaft." Also wisse man überhaupt nicht, wie lange der Sportunterricht reduziert werden muss.

"Auch wir sind dabei, unsere Stundenpläne etwas umzustellen", sagt die Leiterin der St. Töniser Grundschule an der Hülser Straße, Beate Jacobs. Generell sei man, so fährt sie fort, mit ausgebildeten Fachlehrern relativ gut ausgestattet, aber nicht in allen Fällen.

Sie nennt ebenfalls als ein Beispiel Lehrkräfte, die reduzierte Stundenzahlen haben, schon eine Spezial-Ausbildung für den Schwimm- oder Englisch-Unterricht besitzen, seit Jahren Sport unterrichten, obwohl sie die jetzt verlangte Qualifikation nicht haben. Beate Jacobs: "Ich musste deshalb eine Kollegin auch zu ihrem eigenen Schutz jetzt erst einmal aus dem Sportunterricht herausnehmen."

Nach den Sommerferien werde man erste Qualifizierungsangebote der Bezirksregierung nutzen, insgesamt erstrecke sich die Qualifizierung über 160 Stunden. Was aber bedeute, dass die infrage kommenden Kolleginnen - wenn auch nur für eine begrenzte Zeit - für den anderen Unterricht nicht zur Verfügung stünden: "Das wird dann sehr schwierig." Grundsätzlich hält die Leiterin aber den Sicherheitserlass für wichtig und gut.

Von einem "sinnvollen Erlass" spricht Schulamtsdirektor Thomas Bongartz. Das Amt ist für alle 48 Grundschulen im Kreis Viersen zuständig. Bongartz ist zuversichtlich, dass sich die Schulen jetzt auf den Weg machen, um dadurch die Qualität des Sportunterrichts zu erhöhen. Ihm ist bewusst, dass es in einer Übergangszeit, bis die verlangten Qualifikationen geschafft sind, zu einem reduzierten Sportunterricht bei der einen oder anderen Schule kommen könnte.

Trotz ihrer Kritik an der sofortigen Umsetzung des Erlasses findet es Berrit Liebisch-Wiggert gut, "dass jetzt der Sport stärker in das Blickfeld gerückt ist, zumal die Bewegung zur Bildungsförderung dazu gehört und man dadurch schon früh motorische Defizite ausgleichen kann."

Liebisch-Wiggert spricht noch davon, dass es an ihren beiden Schulen derzeit noch keine allzu großen Einschränkungen beim Sport gebe. Hoffentlich bleibe das so. Generell seien derzeit für den normalen Hallen- und Außensport für die dritten und vierten Klassen genügend Fachkräfte vorhanden. Bei den Ein- und Zweitklässlern würde der Sportunterricht teilweise von den Klassenlehrerinnen mit gemacht. Man will ein neues Konzept für alle Jahrgänge entwickeln und auch beim Ausfall der derzeitigen Sportlehrer Kollegen qualifizieren, die dann die Vertretung machen könnten.

(wsc)