Stadt Willich: Auf den Kopf gesetzt

Stadt Willich : Auf den Kopf gesetzt

In einer gemeinsamen Aktion führten der Nabu Willich, die Naturjugend-Gruppe und die Absolventen des Freiwilligen Ökologischen Jahres einen Weidenschnitt durch. Zehn Kopfweiden an den Beckerhöfen wurden zurückgeschnitten.

Auf den sonst eher menschenleeren Weiden am Flöthbach in Höhe der Beckerhöfe in Neersen herrscht rege Betriebsamkeit. Zwei Kettensägen röhren, und das gleichmäßige Zusammenklappen von Astscheren ist zu hören. Unter zehn bereits auf Kopf gesetzten Kopfweiden türmen sich dicke und dünnere Stämme, Äste sowie jede Menge Ruten.

"Wir haben heute viel zu tun", sagt Jack Sandrock von der Nabu-Gruppe Willich und dreht sich zu Harry Abraham und Heinz von den Brock um. Die beiden Männer in Schutzausrüstungen arbeiten mit den Kettensägen und sind für die Zerlegung der dicken Stämme zuständig. Sandrock erinnert sie daran, dass die acht Zentimeter dicken Stämme auf eine Länge von 1,80 Meter geschnitten und am Rand gestapelt werden sollen. "Die brauchen wir für den neuen Weidenzaun an unserem Gelände im Neersener Schlosspark", erklärt er.

Der Weidenwall an den Beckerhöfen bietet zahlreichen Tieren und Insekten ein Zuhause. Foto: Hüskes, Achim (achu)

Rund um die Kopfweidenpflege dreht sich alles auf dem Gelände an den Beckerhöfen. Mitglieder der Nabu-Gruppe Willich sowie der Nachwuchs, die Naju, und die Absolventen des Freiwilligen Ökologischen Jahres haben sich eingefunden, um gemeinsam in Sachen Naturschutz aktiv zu werden.

Die Kopfweiden prägen den niederrheinischen Kulturraum, wobei sie an Wasserflächen wie Bächen und Abzugsgräben anzutreffen sind. Seit Urzeiten dienten sie der Entwässerung der Felder, und schon im Altertum nutze man ihr Schnittmaterial für Alltagsgegenstände wie Körbe oder Wiegen und als Flechtwerk für Fachwerkhäuser. "Da ihr Holz viel Feuchtigkeit speichert, ist es äußerst biegsam und deswegen sehr gut zum Flechten geeignet", sagt Weidenfachfrau Susanne Scherzer-Bartzsch. So ist das Storchennest an der Clörather Mühle ebenfalls aus Weidenruten geflochten. Auch in der Medizin haben sie schon früh eine Rolle gespielt. In der Weidenrinde befindet sich nämlich Salicin, ein schmerzstillender Wirkstoff.

Aber nicht nur der Mensch profitiert von den Weiden. Die Kopfweiden haben ebenso für die Natur eine immense Bedeutung. Sie sind im Frühjahr die ersten Bäume, die blühen, und für Bienen damit sehr wichtig. Daher spricht der Volksmund auch von Bienenweiden. Kopfweiden, von denen es rund 400 Sorten gibt, haben aber noch einen weiteren Vorteil: Sie sind schnellwachsende Bäume, in einem Jahr können sie drei bis vier Meter wachsen. Alle sechs bis sieben Jahren sollen Weiden daher geschnitten werden. Wobei es sich jedes Mal um einen sehr radikalen Rückschnitt handelt, bei dem die Schnittflächen offen bleiben. Schließlich sollen die Weiden im Frühjahr wieder austreiben können. Aus dem Rückschnitt der Bäume können zudem neue Exemplare gezüchtet werden. "Die dünneren Äste werden als Pfähle gesägt und einfach eingepflanzt. Im Frühjahr schlagen sie dann aus", berichtet die Fachfrau.

An den Beckerhöfen stapeln sich derweil an den dafür vorgesehenen Flächen die dicken Stämme, die dünneren Astvarianten und die langen Ruten für den Abtransport. "Mit den dünneren Ruten stellen wir einen Weidentunnel am Schlosspark auf", berichtet Scherzer-Bartzsch. Während sich die Erwachsenen um die Zerlegung kümmern, arbeitet die Naturschutzjugend am naheliegenden Weidenwall. Während Magdalena Austriebe an den Stämmen, die den Wall begrenzen, abschneidet, sorgen Niko, Kai, Luis und Jakob für Nachschub in Form von Weidenästen und Ruten, die auf den Wall gelegt werden. Der Weidenwall bietet zahlreichen Tieren und Insekten ein Zuhause.

(tref)