Auf dem Stautenhof in Anrath stehen die Tiere das ganze Jahr über im Mittelpunkt.

Serie „Im Märzen der Bauer ...“ : Im Winter leben die Tiere drinnen

Auf dem Stautenhof in Anrath stehen die Tiere das ganze Jahr über im Mittelpunkt. Ansonsten gehört der November den Winterarbeiten wie Reparaturen und in diesem Jahr dem Neubau der Metzgerei.

Kaum hat Christoph Leiders die Futtercomputer-Tastatur an der Wand betätigt, ertönt ein lautes Rauschen. Aus den acht großen Silos, in denen sich Gerste, Ackerbohnen, Mais, Weizen, Hafer, Triticale, Erbsen und Lupinen befinden, fließen entsprechend der vorgegebenen Programmierung die Futtersorten über die Förderschnecken in die Mühle. Der Mahlvorgang setzt ein, und der Futtermix rauscht in den Futterwagen. Das Füttern der Tiere steht an, wobei je nach Tierart der Futterwagen gefüllt wird. „Damit beginnt im Prinzip jeder Tag. Am frühen Morgen steht erst einmal das Füttern der Schweine, Rinder, Schafe und Hühner an. Dem folgt das Misten und Einstreuen“, berichtet Christoph Leiders, der aus dem großen Big-Pack noch ein Mineralfutter in die Mixtur gegeben hat und nun mit dem Futterwagen loszieht.

Im Winter müssen mehr Tiere in den Ställen versorgt werden. Die Rinder kommen nämlich von der Wiese in den Stall, und auch bei den Hühnern wird vermehrt aufgestallt. Weihnachten nähert sich mit großen Schritten, und das spiegelt sich im Stall wider. Zum Stautenhof in Anrath gehört nicht nur die Tierhaltung samt Ackerbau an sich, sondern zu dem Biobetrieb kommt ein Hofladen mit eigener Metzgerei, Bäckerei und Bistro.

Inzwischen wurden die meisten Tiere, die auf dem Stautenhof leben, in die Ställe gebracht. Foto: Wolfgang Kaiser

Mit Füttern, Misten und Einstreuen geht 365 Mal im Jahr der Tag los. Allein bei den Schweinen warten 60 Sauen und ihre Ferkel aufs Fressen. Während der Landwirt mit dem Füttern beschäftigt ist, ertönt ein Stückchen weiter das Geklapper von Hufen. Tochter Theresa bringt die drei Neuzugänge zu den beiden Haflingern „Nena“ und „Alegro“ hinaus, die schon auf der Wiese stehen. Bei „Olga“, „Frido“ und „Joschi“ handelt es sich um Esel. „Die sind für unseren Streichelzoo gedacht“, berichtet die staatlich geprüfte Agrarbetriebswirtin.

Die potentiellen Streichelhände sind nah, einige Kinder kommen um die Ecke gebogen. Beim Anblick von Theresa und Christoph Leiders startet das große Erzählen. Die Kinder der Krefelder Kita Am Hauserhof sprudeln vor Erlebtem über. Die Kita hat eine Führung mit Mitarbeiterin Anika Launert gebucht und kommt gerade von den Hühnern. „Ich habe ein Huhn gefüttert“, erzählt Mia voller Stolz, während Luise berichtet, dass sie sogar eins auf dem Arm gehalten habe. „Das war ganz weich und kuschelig“, erzählt sie. Auch Franco schwärmt vom Hühnerstreicheln und freut sich schon auf die weiteren Tiere des Biohofes.

Christoph und Tochter Theresa Leiders betreiben den Stautenhof, zu dem neben Tierhaltung und Ackerbau auch ein Hofladen mit Metzgerei und Bistro gehört. Foto: Wolfgang Kaiser

Christoph Leiders hat indes seinen täglichen Rundgang über den Hof gestartet, um mit den Mitarbeitern in den verschiedenen Bereichen Arbeitsabläufe und -pläne zu besprechen. „Der Winter ist bei uns immer eine Zeit der Reparaturen. Alles, was liegen geblieben ist, wird gemacht. Wobei derzeit ein Neubau im Mittelpunkt steht. Wir vergrößern die Metzgerei“, erzählt der Anrather. Aus einer der ehemaligen Lagerhallen sind schneeweiß geflieste Räume entstanden. Zerlegeraum, Kühlraume, Gefrierzelle, Räume für die Wurst – in den verschiedenen Bereichen laufen die letzten Arbeiten. „Nur die alte Wurstküche an sich bleibt“, sagt Christoph Leiders.

Der Neubau war notwendig, da sich die Schlachtmengen erhöht haben. Waren es früher ein paar Schweine und ein Rind, so sind es heute pro Woche 18 Schweine und zwei bis drei Rinder. Dazu kommen Lamm und Geflügel. Von 2001 bis heute hat sich einiges verändert, und der Stautenhof ist immer größer geworden. Das gilt auch für das Personal. 50 Mitarbeiter sind aktuell im Einsatz und teilen sich 35 Vollzeitstellen. Im Zuge der Umbaumaßnahmen entsteht so auch ein neuer großer Sozialraum.

Weiter geht es in Richtung Kartoffeln, wo die Sortierarbeiten laufen. Abpackgrößen werden besprochen. Ackertechnisch sind indes die letzten Arbeiten gelaufen. „Mitte Oktober haben wir das letzte Mal Gras geschnitten, eine Weile darauf den Weizen eingesät. Das waren die letzten Herbstarbeiten auf den Feldern“, sagt Christoph Leiders.

An der E-Station für die Fahrräder schweift der Blick des Landwirtes nach links zu weiteren Ladestationen. Acht noch verpackte Ladepunkte warten darauf, in Betrieb genommen zu werden. Diesmal sind es allerdings welche für Autos. Doch egal, ob Rad oder Auto: Wer dort andockt, füttert sein Pedelec oder Auto mit Ökostrom. Eine andere Heizquelle stellt indes der große Hänger mit Holz dar. „Das ist unser Brennholz für den Holzofen der Backstube. 80 Raummeter gehen pro Jahr durch den Ofen, und das Holz hier wartet noch aufs Zurechtschneiden“, sagt Christoph Leiders, der nun auf dem Weg in Richtung Backstube ist. Wobei hier ein frisches Brötchen zur Stärkung genascht werden könnte, bevor der Rundgang fortgesetzt wird und die nächste Arbeit ruft.