Stadt Kempen: Aris-Quartett interpretiert Haydn neu

Stadt Kempen: Aris-Quartett interpretiert Haydn neu

Der gute alte Joseph Haydn ist immer für eine Überraschung gut. In seinem Streichquartett f-moll (op. 55 Nr. 2), mit dem das vierte Kammerkonzert eröffnet wurde, riss es einen nicht nur zwischen Dur und Moll ständig hin und her. Über weite Strecken klang es auch gar nicht so, wie man es von Haydn gewohnt ist. Im ersten Satz schien manchmal schon Schubert vorweggenommen, der Fugenteil im zweiten Satz wirkte schon wie ein spätes Beethoven-Quartett.

Sehr bewusst arbeitete die Interpretation des Aris Quartetts das Unkonventionelle dieser Komposition heraus. Deutlich wahrnehmbar wurden die musikalischen Abschnitte voneinander getrennt. Das Menuett entfernte sich vom traditionellen höfisch-galanten Stil, die rhythmische Artikulation klang ungewohnt. Die jungen Spieler Anna Katharina Wildermuth und Noémi Zipperling (Violine), Caspar Vinzens (Viola) und Lukas Sieber (Violoncello) zeigten Aspekte Haydnscher Musik auf, die sonst eher verborgen bleiben. Makellos erklangen die technisch schwierigen Partien in der ersten Geige, auch in den höchsten Lagen.

Anton Weberns fünf Sätze für Streichquartett führten mitten hinein in den musikalischen Expressionismus des frühen 20. Jahrhunderts. "Aris" bot eine fesselnde Wiedergabe, die die Gegensätze des Werkes voll auslotete. Hauchzarte Pianissimi wechselten mit intensiv kraftvollen und auch mit verfremdeten Klängen. Präzise kamen die Pizzikato-Einsätze.

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Mitreißend gelang auch Beethovens cis-moll-Streichquartett op. 131. Wie in allen späten Streichquartetten hat der Komponist hier einen hohen musikalischen Abstraktionsgrad angesetzt. Darüber vergaßen die jungen Musiker aber nicht, je nach Anforderung auch auf den Wohlklang, die Dynamik, den Spielfluss und, in den lyrischen Passagen, eine nicht unerhebliche Anmut zu achten. Die knisternde Spannung wurde auch hier vom ersten bis zum letzten Ton aufgebaut und durchgehalten. Nach begeistertem, anhaltendem Beifall war als Zugabe mit dem letzten Satz aus Antonín Dvoøáks amerikanischem Streichquartett noch eine temperamentvoll gespielte Zugabe zu hören.

(RP)