Stadt Willich: Anwohner der Fontanestraße fürchten Wertverlust

Stadt Willich: Anwohner der Fontanestraße fürchten Wertverlust

Seit Jahrzehnten leben die im Zentrum und am Rand Schiefbahns wohnenden Anwohner mit viel Verkehr - nur mit Mühe fließt er auf die angrenzenden Straßen und Autobahnen ab. Daher hören die Anwohner aufmerksam hin und fragen kritisch nach, wenn weiteres Unbehagen droht.

So bei der Neubebauung des "Schiefbahner Dreiecks" oder wie derzeit bei einem relativ kleinen Wohngebiet, das an der Fontanestraße entstehen könnte. Jetzt trafen sich rund 70 Anwohner mit Politikern bei der monatlichen CDU-Bürgerrunde bei Hoster.

Im Wesentlichen ging es diesmal um dieses kleine Wohngebiet, das direkt neben den vier Flüchtlingshäusern entstehen soll. Anwohner selbst hatten diese Variante ins Spiel gebracht, sich davon eine Aufwertung der allgemeinen Wohnqualität erhofft. Wie bereits in der Sitzung des Planungsausschusses am 11. Januar legten jetzt erneut Verkehrsgutachter des Dortmunder Büros "Planersocietät" mit ihrem Diplom-Ingenieur Jan Diesfeld ihre Ergebnisse vor, nach denen ihnen im Vorgriff die städtischen Planer drei Varianten mit auf den Weg gegeben hatten. Sie unterschieden sich von der Größe her, sind zwischen 31 und 48 Wohneinheiten groß. Die wichtigsten Aussagen der Verkehrsexperten: Alle drei dieser Varianten ließen sich auf den bestehenden Straßen abwickeln, darunter sind einige schon lange beruhigte Spielstraßen, wie Augustinerinnenstraße, Johannes-Spaetgens- oder Jakob-Germes-Straße. Eine zusätzliche Erschließungsstraße brauche man dafür, so die Experten, nicht.

Viele Anwohner sahen dies auch bei der Bürgerrunde ganz anders, wünschten sich eine Art "Bypass", der den Verkehr hinter den Flüchtlingshäusern zum beabsichtigten Kreisverkehr Willicher/Korchenbroicher Straße führt. Sie stellten ferner die von dem Planungsbüro ermittelten Kfz-Bewegungen von je nach Ausbau zwischen täglich 111 bis zu 171 Fahrzeugen infrage, schmunzelten, als Diesberg bei der kleinsten Lösung nur von elf Fahrzeugen in der Spitzenstunde sprach.

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Für die Anwohner meldete sich mehrmals Claus Brell zu Wort: "Wir wissen, dass es die große Nordumgehung nicht geben wird, aber wir wollen eine vernünftige Anbindung an die benachbarten Straßenzüge." Die Gegenreden kamen prompt, so vom städtischen Geschäftsbereichsleiter Thomas Scholemann als auch von Jan Diesfeld: So etwas rechne sich überhaupt nicht, man könne dafür in sechsstelliger Höhe keine etwa 400 Meter lange neue Erschließung bauen. "Aber Sie nehmen dadurch in Kauf, dass unsere verkehrsberuhigten Straßenzüge durch den zusätzlichen Verkehr - auch schon bei den Baustellenfahrzeugen - ständig an Wert verlieren, bis sie dann ganz schadhaft werden?", war der Einwand von Walter Kleiner, der an der Fontanestraße wohnt.

Auch Anwohner von ganz anderen Straßenzügen meldeten sich, kritisierten die vielen Nadelöhre im Ort, von Hoch- bis Linsellesstraße, am Wallgraben oder an der Zehnthofstraße. Und bei vielen blieben Fragezeichen, wie sich der Verkehr tatsächlich nach der Fertigstellung des "Schiefbahner Dreiecks" entwickele. Rainer Höppner, Vorsitzender des Schiefbahner Werbegemeinschaft, fasste zusammen: "Von einer Erträglichkeit des Verkehrs kann man in Schiefbahn schon lange nicht mehr sprechen, wir sind an die Grenzen gestoßen."

Wie geht es jetzt weiter? Das Verkehrskonzept an der Fontanestraße steht erneut auf der Tagesordnung, wenn sich der Planungsausschuss am 15. Februar trifft. Der Vorsitzende des Planungsausschusses, Christian Pakusch, der zudem die CDU-Bürgerrunde leitet auf Nachfrage der Rheinischen Post: "Es wird auch am 15. Februar keine Entscheidung fallen. Wir wollen danach erst noch einmal das Gespräch mit den Anwohnern führen, die seinerzeit die Alternativplanung vorgeschlagen hatten, ob diese überhaupt noch realistisch ist."

(wsc)