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„Anrath1tausend“ verteilt Klingeln an Geschäfte, mit denen sich Hilfebedürftige bemerkbar machen können

Aktion von Anrath1tausend : Klingeln an Geschäften sollen Willich barrierefreier machen

Der Verein „Anrath 1tausend“ hat das Projekt „Willich barrierefrei“ gestartet. Ab sofort heißt es vor manchen Geschäften: „Bitte klingeln – Wir helfen Ihnen“. Die anderen Willicher Stadtteile sollen folgen.

Es ist eine kleine Klingel, aber sie hat eine große Wirkung. Dessen sind sich die Verantwortlichen des Vereins „Anrath1tausend“ sicher. Die Funkklingeln werden nämlich den Eintritt in Ladenlokale, deren Eingänge nicht barrierefrei sind, erleichtern. Die erste Klingel ist schon bei Optik Grass in Rollstuhlfahrerhöhe installiert, weitere 99 warten auf ihre Installation.

Jedes Einzelhandelsgeschäft und jeder Dienstleister sowie Ärzte in Anrath, die keinen barrierefreien Zugang haben, können eine solche Klingel kostenfrei von „Anrath­ 1tausend“ erhalten. Die Serviceklingel ist mit dem Hinweis „Bitte klingeln – Wir helfen Ihnen“ beschriftet. Das Schild trägt die gleiche Aufschrift in Brailleschrift und ist zudem mit den Symbolen eines Menschen im Rollstuhl, einer Person mit Kinderwagen und eines Menschen mit Gehstock versehen.Denn nicht nur Menschen mit Handicap sollen von dem neuen Angebot in Anrath profitieren. Ob Senior mit Rollator oder Mutter mit Kinderwagen – für sie alle signalisiert das Schild: Wenn die Klingel gedrückt wird, kommt Hilfe.

Bei „Anrath 1tausend“ begannen schon im vergangenen Jahr Überlegungen, wie der Verein über die Einzelfallhilfen für Menschen, die unverschuldet in Not gekommen sind, hinaus auch Hilfen für ganze Personengruppen leisten kann. Mit der entsprechend vorab verabschiedeten Satzungsänderung waren dem Verein die Möglichkeiten dazu gegeben. Die Mitglieder wurden um Ideen gebeten, wo man sich einbringen kann. Das Ergebnis: Willich barrierefrei.

In Anbetracht der Tatsache, dass „Anrath 1tausend“ in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen feiert, beschloss man, direkt an die Umsetzung heranzugehen. „Wir haben Kontakt zur Lebenshilfe Kreis Viersen und zu Hans Lehmann, dem Behindertenbeauftragten der Stadt Willich, aufgenommen und gemeinsam überlegt, wie wir vorgehen können“, sagt Beate Krempe vom Vereinsvorstand, deren Idee das Projekt „Barrierefreies Willich“ auch war. Es kam zu einer Ortsbegehung in Anrath, um sich einen Eindruck zu verschaffen, wie es mit der Barrierefreiheit beim Betreten von Geschäften, Gaststätten, Arztpraxen und Co. aussieht. Es folgte eine Planung in zwei Schritten, um Menschen mit Handicap das Leben ein Stück weit leichter zu machen und ihnen verbesserte Teilhabe zu ermöglichen.

In einem ersten Schritt schaffte der Verein 100 Klingeln für insgesamt knapp 3000 Euro an. „Diese wollen wir zunächst in Anrath installieren. Danach soll das Projekt in die weiteren Willicher Stadtteile getragen werden“, sagt Timo Krempe, der stellvertretende Vorsitzende von „Anrath 1tausend“. Zudem würde der Verein gern mobile Rampen anschaffen und damit den Zugang zu Geschäften erleichtern. Hierfür sucht der Verein allerdings noch Sponsoren, die in das Projekt einsteigen. Der Preis für eine Rampe liegt bei rund 100 Euro.

Christof Grass, der Vorsitzende des Werberings Anrath, der als Erster die Klingel installierte, hat indes beschlossen, für sein Optik-Geschäft direkt eine solche Rampe in Eigenregie anzuschaffen. „Es ist zwar nur eine Ministufe, die in mein Geschäft führt, aber sie ist ein Hindernis, und das möchte ich ändern“, sagt Grass.

André Sole-Berger, der Inklusionsmanager der Lebenshilfe Kreis Viersen, freut sich, dass „Anrath 1tausend“ mit seiner Aktion nun die vierte Kommune im Kreis Viersen ist, in der Serviceklingeln angeschafft werden. Kempen, Brüggen-Bracht und Nettetal sind ebenso ausgerüstet.

„Für uns bedeutet es ein Stück mehr Freiheit. Mit Hilfe der Klingel können wir uns bemerkbar machen. Wenn noch Rampen folgen, wäre dies wirklich super“, sagt Rollstuhlfahrer René Müller. Es bedeute ein weiteres Stück Selbstständigkeit, bemerkt Vanessa Lehmann, die aufgrund Spinaler Muskelatrophie im Rollstuhl sitzt. Die ersten Klingeln samt Steckdosenempfänger und Batterien, verpackt in Zip-Tüten, wechselten schon bei der Präsentation des neuen Angebots den Besitzer. Ein Angebot, das mit großer Begeisterung aufgenommen wird.

INFO An Klingeln interessierte Geschäftsleute, Dienstleister und Ärzte aus Anrath können sich bei „Anrath 1tausend“ melden und eine kostenfreie Serviceklingel anfordern. Kontakt: vorstand@anrath1tausend.de. Das Angebot soll auf Neersen, Schiefbahn und Willich ausgeweitet werden. Mögliche Kooperationspartner in Sachen Rampen können sich ebenfalls beim Verein melden.