Streitigkeiten in Anrath: Anrath1tausend muss sich neu aufstellen

Streitigkeiten in Anrath : Anrath1tausend muss sich neu aufstellen

Der Verein Anrath1tausend steht vor Veränderungen. Die Vorsitzende und der Kassierer treten zurück. Der restliche Vorstand ist nicht mehr zur Wiederwahl angetreten. Jetzt folgt eine außerordentliche Mitgliederversammlung.

Die Entscheidung ist Birgit Commans nicht leicht gefallen, aber sie ist gefallen. Die seit dem vergangenen Jahr an der Spitze stehende Frau des Vereins Anrath1tausend hat bei der Jahreshauptversammlung darüber informiert, dass sie zurücktreten wird. „Um dem Verein die Handlungsfähigkeit zu erhalten, werde ich nicht sofort, sondern auf der nächsten Mitgliederversammlung zurücktreten“, sagt die Anratherin. Diese außerordentliche Versammlung ist auf den 24. April terminiert.

Aber nicht nur der Posten der ersten Vorsitzenden ist vakant geworden. Auch Burkhard Mertens, seines Zeichens Kassierer, kündigte seinen Rücktritt an. Bei der Versammlung machten der zweite Vorsitzende Michael Commans, die Schriftführerin Regine Wolferts und der Beisitzer Hans Gerd Segerath indes deutlich, dass sie nicht mehr zur Wiederwahl antreten. Auch hier gilt es am 24. April Ersatz zu finden. „Wir alle würden einen neuen Vorstand aber selbstverständlich unterstützen“, betont Hans Gerd Segerath.

Der komplette Rückzug des Vorstandes von Anrath1tausend beruht darauf, dass ihnen von einem Mitglied vorgeworfen wird, nicht basisorientiert zu arbeiten. Laut Aussagen dieser Person hätten sich viele Mitglieder bei ihm telefonisch gemeldet, um ihren Unmut kund zu tun. Sie fühlten sich vom Verein nicht mitgenommen „Wir fragen uns, wenn dies stimmt, warum man nicht direkt an uns herangetreten ist. Bei keinem unserer fünf Vorstandsmitglieder gab es auch nur einen Anruf wegen einer Beschwerde“, sagt Birgit Commans. Die Noch-Vorsitzende selber sieht sich als Teamplayerin und weist darauf hin, dass sich jedes Mitglied in den verschiedenen Arbeitsgruppen des Vereins einbringen kann. So gibt es die Gruppe „Projekt Zukunft“, die sich mit den Zielen und der Ausrichtung des Vereins beschäftigt sowie die Organisationsgruppe für das geplante Sommerfest. In diesem Jahr wird der Verein zehn Jahre alt, und das soll eigentlich mit einem Fest gefeiert werden.

Auch der Vorwurf, der Vorstand würde Mitglieder nicht mitnehmen, unter anderem bei der  geplanten Satzungsänderung, traf hart. „Die Satzung war der Einladung für die Jahreshauptversammlung angehängt. Wir hatten im Schreiben zudem gebeten, uns Fragen und Anregungen per Mail zu stellen, damit wir diese bei der Versammlung beantworten oder diskutieren konnten“, berichtet Birgit Commans. Es kam aber keine eine Mail, so dass man davon ausgehen musste, die Satzungsänderung werde bei der Versammlung positiv aufgenommen.

Die Satzungsänderung sieht vor, dass der Vorstand pro Jahre eine Summe von 5000 Euro zur Verfügung hat, mit denen er Projekte anderer sozial tätiger Vereine unterstützen kann. Im Lauf der letzten Jahre wurde ein Netzwerk zu Vereinen wie unter anderem „Gutes beginnt im Kleinen“ und dem Kinderschutzbund aufgebaut. Auch hier wird immer Hilfe für die unterschiedlichsten Projekte benötigt. „Es sind Projekte, die wir der Öffentlichkeit vorstellen und uns damit auch bekannter machen können.  Über unsere sonstigen Fälle können wir nicht öffentlich sprechen, weil es den Familien, denen wir helfen, oft unangenehm ist, dass sie Hilfe benötigen“, sagt Michael Commans. Kaum einer außerhalb des Vereins weiß so, dass in den vergangenen zehn Jahren etlichen Familien in Willich mit einer Gesamtsumme von 38.000 Euro geholfen wurde. Jeden einzelnen Fall überprüfte der Vergabeausschuss von Anrath1tausend dabei.

In Sachen Außenwerbung und Mitgliedergewinnung kaufte der Vorstand zudem einen neuen Pavillon. „Wir sind bei Stadtfesten und diversen Veranstaltungen vor Ort und brauchten einfach einen Ersatz für die in die Jahre gekommene Variante“, informiert Michael Commans. Aber auch das wurde dem Vorstand angekreidet. Der gesamte Vorstand sieht das Vertrauensverhältnis durch die harsche Kritik als gestört an und hofft, dass bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung viele der 260 Mitglieder kommen, um einen neuen Vorstand an den Start zu bringen. „Mit konstruktiver Kritik, die auch ab und zu kam, konnten wir gut umgehen. Aber die jetzigen Statements und der Art der Vorbringung scheinen uns eine Weiterarbeit unmöglich zu machen“, sagt Birgit Commans.