An das Katharinen-Hospital wird in Willich bald nichts mehr erinnern

Willich : Ein Stück Ortsgeschichte geht zu Ende

An das Katharinen-Hospital wird in Willich bald nichts mehr erinnern. Am 17. Juli haben die Abrissarbeiten für das ehemalige Krankenhausgebäude samt Schwesternwohnheim begonnen. In diesem Jahr wäre das Haus 147 Jahre alt geworden. Ein Rückblick.

Drei Schenkungen haben die Gründung des Willicher Krankenhauses ermöglicht: 200 Taler aus dem Testament des Willicher Pfarrers Peter Franz Bayertz (1830–1859); das Grundstück an der Bahnstraße durch den Kirchenvorstand Johann Jakob Langels († 1866); vor allem aber um 1865 7000 Taler aus dem Vermögen der Jungfrau Catharina Essers. Um seine Stifterin zu ehren, übernimmt das Krankenhaus ihren Vornamen und nennt sich künftig „Catharinen-Hospital“. Allerdings wird zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Anfangsbuchstabe C in „Catharina“ durch ein K ersetzt. 1871 wird der Krankenhaus-Rohbau fertig gestellt, ein Jahr später Innenausbau und Einrichtung. Am 7. Oktober 1872 wird der stattliche Bau eingeweiht; durch den zur Visitation in Willich weilenden Kölner Erzbischof Paul Melchers. Für die Betreuung des Hauses und für die ambulante Krankenpflege im Ort hat man die Armen Dienstmägde Jesu Christi aus dem Mutterhaus zu Dernbach gewonnen.

Die Stifterin, nach der das Krankenhaus benannt wurde: Eva Catharina Essers. Foto: Kreisarchiv

Das Hospital – offiziell „Kranken-, Armen- und Waisenhaus“ genannt – soll eine Heimstätte für arme, alte und gebrechliche Leute sein. In erster Linie ist es also ein Altenheim und eine Bewahranstalt für die Kinder berufstätiger oder verstorbener Eltern. Krankenpflege kommt damals erst an zweiter Stelle. Wer krank ist, pflegt sich zu Hause. Erst wenn’s gefährlich wird, wenn die Arbeitskraft für längere Zeit gefährdet ist, geht man zum Doktor. Für die paar akut Kranken im Hospital reicht der Dorfarzt aus.

In den ersten Jahren nach seiner Errichtung weist das Haus nur 25 Pflegebedürftige beziehungsweise Kranke auf. Der Bevölkerungsanstieg und der wirtschaftliche Aufschwung seit der Jahrhundertwende bringen dann eine ständige Überbelegung. So wird 1912/13 für 190.000 Mark an den alten Bau ein neuer angesetzt – für Kapelle, Klausur und Behandlungsräume.

Unser Bild zeigt das alte Treppenhaus, um 1875. Foto: Kreisarchiv

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebt das Katharinen-Hospital seine Blütezeit. Hoch geachteter Chefarzt ist der Chirurg und Internist Dr. Peter Zimmermann, der seine Praxis an der Bahnstraße 47 hat. Die Lebensumstände sind bescheiden damals. Das katholische Pfarrzentrum St. Josef an der Bahnstraße verfügt über zwei Kühe, mit denen es den Milchbedarf seiner Kindergarten-Kinder deckt. Das Krankenhaus kauft seine Milch in einem winzigen Laden: bei der Milch-Christel an der Neusser Straße. Aber Ende der Fünfzigerjahre platzt das Haus aus allen Nähten. Ursprünglich für 45 Betten vorgesehen, hat es nun 95. 1959 wird Willich bei der Krankenhausplanung im Landkreis Kempen-Krefeld als Schwerpunktkrankenhaus vorgesehen. Folge: Am 14. September 1963 wird durch den Aachener Bischof Dr. Johannes Pohlschneider ein Neubau eingeweiht, bestehend aus einem fünfgeschossigen Bettentrakt mit vier Fachabteilungen und einem dreigeschossigen Behandlungstrakt für insgesamt 172 Pflegeplätze. Alterspfleglinge werden im Hospital nicht mehr betreut. 1965 bis 1969 entstehen eine neue Kapelle, eine Klausur und ein Personalwohnheim; 1971 wird der Altbau abgerissen.

Am 14. September 1963 wird durch den Aachener Bischof Dr. Johannes Pohlschneider ein Neubau eingeweiht, bestehend aus einem fünfgeschossigen Bettentrakt mit vier Fachabteilungen und einem dreigeschossigen Behandlungstrakt für insgesamt 172 Pflegeplätze. Foto: Kreisarchiv
Der neue Träger investiert zunächst sieben Millionen Euro, unter anderem für einen Geriatrie-Anbau (unser Bild), eingeweiht 2011. Foto: Hüskes, Achim (achu)

Im Juli 2007 übergibt die katholische Kirchengemeinde die Trägerschaft an die Augustinus-Kliniken in Neuss. In dem Anschluss an diesen umfangreichen Klinik-Verbund sieht man die einzige Möglichkeit, Investitionen zu stemmen, die das Hospital konkurrenzfähig halten. Der neue Träger investiert zunächst sieben Millionen Euro, unter anderem für einen Geriatrie-Anbau, eingeweiht 2011. Noch 2012 bezeichnet Bürgermeister Josef Heyes die Übernahme durch die Augustinuskliniken als „Geschenk des Himmels“.

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