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Stadt Willich: Alleeschule: SPD greift Stadt und CDU an

Stadt Willich : Alleeschule: SPD greift Stadt und CDU an

Die Entscheidung der Stadt, in der leerstehenden Alleeschule keine Ausstellung zum 100-jährigen Bestehen zeigen zu dürfen, ruft die SPD Anrath auf den Plan. Sie sagt: Die Stadtspitze hat ein gespaltenes Verhältnis zu Anrath.

Die Willicher Verwaltungsspitze und die CDU in der Stadt haben "kein Gespür, Feingefühl und Interesse an den Meinungen, Auffassungen und Emotionen der Anrather". Das wirft der Vorsitzende der SPD Anrath, Markus Gather, der Führung der Stadtverwaltung und der CDU-Mehrheitsfraktion im Stadtrat vor.

Hintergrund ist: Das Alleeschulgebäude steht dem Bürgerverein Anrath für eine Ausstellung über das 100-jährige Bestehen der Alleeschule in diesem Jahr nicht zur Verfügung. Das hatte Kämmerer Willy Kerbusch, zu dessen Fachbereich auch der Objekt- und Wohnungsbau in der Stadt gehört, mit dem Bürgerverein besprochen. Seit Sommer steht das vom Rat aus der Schulnutzung genommene städtische Gebäude nahezu leer. Der Rat hatte entschieden, es zu veräußern. Die Verwaltung sucht zurzeit einen Investor, an den das Gebäude verkauft wird und der es unter Auflagen — unter anderem Erhalt der historischen Fassade — zu seniorengerechten Wohnungen umbaut. Im laufenden Verkaufsverfahren könne man keine Hemmnisse gebrauchen, so Kerbusch. Diese stellten aber eine Nutzung für eine Ausstellung dar, für die eine vereinfachte Baugenehmigung beantragt werden müsse. Dem Bürgerverein habe er zugesagt, wenn ein Investor gefunden sei mit diesem zu reden, ob er mit einer Ausstellung in dem Gebäude einverstanden sei.

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Gather sagt, Verwaltung und CDU fürchteten eine Ausstellung über die Geschichte der Alleeschule: Eine solche Ausstellung könnte erneut für die Anrather Anlass sein, dass sie sich klar für den Erhalt des Gebäudes für die Bürger aussprechen. Würde die Ausstellung in dem Gebäude stattfinden, gebe es zudem für die Stadt nichts zu verdienen. Anrather Gemeinschaft, Tradition, Kultur und Historie seien bei der Verwaltungsspitze und der Mehrheitsfraktion nur leere Worthülsen, so Gather weiter. Der Anrather SPD-Vorsitzende, der auch stellvertretender Vorsitzender der SPD in der Stadt Willich ist, fragt zudem, wieso kein Anrather ein Wort des Bürgermeisters zum Thema höre. Es zeige sich nach wie vor das gespaltene Verhältnis von Bürgermeister Heyes zum Stadtteil Anrath. Aus Desinteresse werde nach unten delegiert.

Bürgermeister Josef Heyes sagt, er verstehe die Polemik nicht. Er sei bereit, dem Bürgerverein für seine Ausstellung jede Unterstützung zu geben, allerdings könne sie nicht in der Alleeschule, aber in der Josefshalle gezeigt werden. Der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende, der Anrather Dieter Lambertz, sagt, wer sich anschaue, was sich derzeit in Anrath tue und was dort noch geplant sei, könne nicht behaupten, dass der Stadtteil in der Stadt das letzte Rad am Wagen sei. Er persönlich fände es gut, wenn mit einer Ausstellung über 100 Jahre Alleeschule in dem Gebäude eine Ära zu Ende gehen würde. Aber wenn der Kämmerer sage, dass es nicht möglich sei, seien das für ihn wichtige Argumente. Er selbst habe vom Kämmerer auch erklärt bekommen, dass es die unrentabelste Variante wäre, für fehlende U3- und Ü3-Plätze in Anrath die Alleeschule zu nutzen. Jeder müsse so viel Verantwortung für die Finanzen der Stadt haben, dass man nicht "wider besserers Wissen ein Bürgerhaus fordert".

Kerbusch sagt, um das Schulhaus vom Brand- und Wärmeschutz her auf den aktuellen Stand zu bringen, seien Investitionen von mehr als einer Million Euro notwendig. Ein Gebäude von der Größenordnung der Alleeschule verursache jährliche Folgekosten in Höhe von rund 100 000 Euro, Kosten, die kein Verbund von Vereinen übernehmen könne.

Nach Kerbuschs Angaben ist in den vergangenen Jahren in keinem anderen Stadtteil so viel investiert worden wie in Anrath, unter anderem 25 Millionen ins Gymnasium, vier Millionen in den Ortskern. Nun entstünden in Anrath die ersten mit öffentlichen Mitteln geförderten Seniorenwohnungen in der Stadt.

(RP)